Als Opel im Herbst 1982 den ersten Corsa (Baureihe A) vorstellte, markierte dies den verspäteten, aber entschlossenen Einzug der Rüsselsheimer in das Segment der modernen Kleinwagen. Während der Fokus der Marketingabteilung auf dem dynamischen Steilheck lag, das gegen den VW Polo und den Ford Fiesta positioniert wurde, schickte Opel zeitgleich eine Karosserievariante ins Rennen, die heute fast aus dem Straßenbild verschwunden ist: den Corsa TR. Das Kürzel stand für "Two-door Sedan" beziehungsweise "Three-box", womit die klassische Stufenheck-Bauweise mit separatem Kofferraum gemeint war. Technisch basierte der TR exakt auf dem Fahrwerk und der Bodengruppe des Standard-Corsa A, wurde jedoch am Heck um einen markanten Fortsatz ergänzt. Dieses Design entsprach dem damaligen Zeitgeist, in dem das Stufenheck in vielen Märkten – insbesondere in Südeuropa und in den Benelux-Staaten – als prestigeträchtiger und seriöser galt als das praktische Steilheck. Bildergalerie: Opel Corsa A TR (1982-1993) In Deutschland hingegen haftete dem 3,95 Meter langen TR schnell das Image eines biederen Rentnerautos für eine eher konservative, ältere Käuferschicht an, denen ein Ascona oder Rekord zu groß respektive zu teuer war. Vermutlich hatte Opel diese auch im Blick, da es den Kadett D nicht als echtes Stufenheck gab. Erst der Kadett E wurde ab September 1985 wieder in solch einer Variante angeboten. Dennoch bot die Konstruktion des Corsa TR einen handfesten Vorteil: Mit einem Kofferraumvolumen von rund 410 Litern deklassierte der kleine Opel in puncto Stauraum so manches Fahrzeug aus der nächsthöheren Kompaktklasse. In Großbritannien lief der Corsa A übrigens unter dem Namen Vauxhall Nova. Preislich startete der Corsa TR 1984 als Zweitürer bei 12.358 Mark, gut 600 DM mehr als das Steilheck. "Luxus" notierte bei 13.503 Mark, Die Topausstattung "Berlina" bei 14.321 DM. Knapp 1.000 Mark mehr waren für den 70 PS starken 1,3 S-Motor fällig. Opel Corsa A TR (1982-1993) Unter der Motorhaube des Corsa TR kamen zum Marktstart bewährte OHV- und OHC-Triebwerke zum Einsatz. Den Einstieg markierte der 1,0-Liter-Vierzylinder mit 33 kW (45 PS), ein Motor, der zwar als robust, aber auch als recht zäh galt. Deutlich souveräner war der TR mit dem 1,2-Liter-Aggregat und 40 kW (55 PS) oder dem 1,3-Liter-Motor motorisiert, der 51 kW (70 PS) leistete. Letzterer verlieh dem nur etwa 750 Kilogramm leichten Wagen für damalige Verhältnisse durchaus ansprechende Fahrleistungen. Während das Steilheck später als sportlicher GSI zur Legende wurde, blieb der TR konsequent auf Komfort und Nutzwert ausgelegt, was sich auch in den Ausstattungslinien widerspiegelte. Kunden konnten zwischen der Basisversion, dem luxuriöseren "Berlina" und dem "Luxus" wählen, wobei letztere sogar mit Velourssitzen und Chromakzenten aufwarteten. 1985 ergänzte ein Viertürer das Programm, das Kürzel TR entfiel. Beim ersten Facelift im August 1987 wurde der Kühlergrill modifiziert, Stufenheck- und Schrägheckmodelle hatten seitdem den gleichen Grill, der GT und später der GSi hatten eigenständige Grills. An der Heckklappe der Schrägheckmodelle wurde eine Griffleiste mit Druckknopfschloss eingeführt, sodass sich die Heckklappe ohne Schlüssel öffnen ließ (sofern sie nicht abgeschlossen war). Opel Corsa A TR (1982-1993) Die Stufenheckversionen behielten das bisherige Schloss ohne Griffleiste. Die Heckansicht wurde hier mit einer schwarzen, geriffelten Kunststoffblende zwischen den Heckleuchten aufgewertet. Zur gleichen Zeit wurde der Verkauf der Stufenheckmodelle in Deutschland eingestellt. Die Nachfrage war zugunsten des Steilhecks massiv zurückgegangen. Ähnlich betraf es auch den VW Derby, der zum Polo wurde. Indes: So selten war der Corsa A mit Stufenheck gar nicht mal: Zwischen 1982 und 1988 wurden immerhin 319.035 Exemplare gebaut. Bei gut zwei Millionen Corsa A gesamt. Wer heute einen dieser skurrilen Rucksack-Corsas sucht, braucht allerdings Geduld – und eine gesunde Portion Skepsis. Viele überlebende Exemplare sind Re-Importe aus Südeuropa oder wurden jahrelang im Kurzstreckenbetrieb verschlissen. Zudem verleiten die damals oft nur fünfstelligen Kilometerzähler zu Unklarheiten: Ist er wirklich erst 40.000 oder schon 140.000 gelaufen? Ein Fahrzeug-Report unseres Partners carVertical schafft hier Klarheit. Wie man an diesem Beispiel-Report sehen kann, deckt er nicht nur Ungereimtheiten bei der Laufleistung und vertuschte Unfallschäden auf. Oft helfen archivierte Fotos und eine Marktwerteinschätzung dabei, einen ehrlichen Rentner-Garagenwagen von einem überteuerten Blender zu unterscheiden. SPONSORED LINK: Jetzt hier Ihr Traumauto checken und als Motor1-Leser sogar satte 20 Prozent sparen! Opel Corsa Classic (1998) Opel Corsa Classic (2005) Bilder von: Opel Für den Export baute Opel die kleine Stufe bis zum Produktionsende des Corsa A im Januar 1993, seit dem großen Facelift von 1990 nur noch viertürig. International blieb das Konzept jedoch ein Exportschlager: In Ländern wie Brasilien bekamen sogar noch der Corsa B und Corsa C (bis 2009) ein Stufenheck-Derivat, dieses lief auch teils unter den Markennamen Chevrolet oder Buick.