Jaguar ist eine Kultmarke, bekannt für wunderschöne Sportwagen und elegante, aber zugleich zurückhaltende Limousinen. Der E-Type wurde zur Ikone, während der F-Type als einer der lautesten, driftwilligsten und schönsten Sportwagen auf dem Markt hervorstach. Und nicht zu vergessen: 2018 bot Jaguar sogar einen Kombi an – den ultraseltenen XF Sportbrake. Heute allerdings verkauft Jaguar in Deutschland überhaupt keine Neuwagen mehr und international nur noch ein einziges Fahrzeug, und das ist fast ein Jahrzehnt alt. Der F-Pace wird weit über seine Blütezeit hinaus am Leben gehalten, ohne dass ein klarer Nachfolger in Sicht ist. Die Händler warten vergeblich, während die Marke daran arbeitet, sich als reiner Elektroautohersteller neu zu erfinden. Jaguar XF Sportbrake (2021) In der Zwischenzeit enthüllte Jaguar den Type 00 Concept. Ambitioniert und zweifellos beeindruckend – dennoch kam das Konzeptfahrzeug mit verhaltener Resonanz an, was größtenteils an einer verwirrenden Marketingkampagne lag. Die Dinge schienen noch ungewisser zu werden, als Berichte auftauchten, wonach das Unternehmen Designchef Gerry McGovern gefeuert haben soll – Behauptungen, die Jaguar gegenüber Motor1 später als "unwahr" bezeichnete. Einfach ausgedrückt: Jaguar steckt in einer schwierigen Lage. Jaguar Type 00 Konzept Um zu verstehen, was heute bei Jaguar passiert, hilft es, einen Schritt zurückzutreten und zu sehen, wie alles begann. Das bedeutet: eine kurze Geschichtsstunde. Das Unternehmen, das wir heute als Jaguar kennen, begann 1922 als Swallow Sidecar Company. Einer der Mitgründer, William Lyons, trennte sich später von seinem Partner und gründete SS Cars. 1935 stellte das Unternehmen den SS Jaguar 100 vor, und ein Jahrzehnt später – klugerweise, angesichts der damaligen Zeit – wurde die Marke 1945 in Jaguar umbenannt. In den folgenden Jahrzehnten produzierte Jaguar einige wirklich außergewöhnliche Autos. Man denke nur an den C-Type und D-Type oder stelle sich vor, in einem XK150 die Straße hinunterzurasen. Legendär wurde schließlich der E-Type. Dann kamen die Limousinen – atemberaubende Fahrzeuge, die Jaguars berühmten Slogan perfekt verkörperten: Grace, Space and Pace. Man sah gut aus, hatte viel Platz und konnte sich dennoch zügig fortbewegen, wenn man wollte. First Production 1961 Jaguar E-Type Right-Hand Drive Coupe Schließlich wurde Jaguar von Ford übernommen – der Punkt, an dem Gerry McGovern ins Spiel kommt. McGovern studierte Design am Royal College of Art in London, bevor er nach Detroit ging, um für Chrysler zu arbeiten. Von dort aus stieg er in den Reihen von Fords Premier Automotive Group auf. Seit 2011 spielt McGovern eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der Designrichtung von Land Rover. Er beaufsichtigte das Redesign der Range-Rover-Modellreihe von 2010 und des Discovery 4 – beide wurden weithin gelobt. Er ist auch für den Discovery 5 verantwortlich, der kontroverser ausfiel. Dennoch kann McGovern mehrere große Erfolge vorweisen, allen voran den aktuellen Defender, einen unserer Favoriten. Gerry McGovern Spulen wir jetzt vor zum heutigen Jaguar. Die Produktlandschaft ist eine Katastrophe. Tatsächlich gibt es nur ein Fahrzeug, das fast zehn Jahre alt ist. Der F-Type ist weg, der XF auch, und sowohl der ausgelaufene E-Pace als auch das XE-Modell waren alles andere als herausragend. Wer einen I-Pace haben möchte, lädt am besten die Waymo-App auf sein Smartphone herunter. Jaguar behauptete, die Produktion seiner Verbrennungsmotoren einzustellen, um umzurüsten und ausschließlich auf Elektrofahrzeug-Produktion umzustellen. Das bedeutete, dass die Verkäufe 2025 um fast 100 Prozent einbrachen, da die Jaguar-Händler mit leeren Händen dastehen. Trotzdem können die Probleme von JLR nicht einer einzigen Person zugeschrieben werden. Die Realität des Type 00 Concept ist, dass er eigentlich ziemlich cool ist. Tatsächlich sahen wir nur ein Jahr nach seiner Vorstellung ähnliche Konzepte von Mercedes mit seinem atemberaubenden Vision Iconic und dem sehr coolen Audi Concept C. Beide Fahrzeuge wurden allgemein positiv aufgenommen. Aber das Marketing und der Rummel um den Jaguar beschmutzten alles, wofür er stand. Das lässt uns mit einem ziemlich desaströsen Rebranding, keinen Produkten für die Händler und – um die Sache noch schlimmer zu machen – einem Cyberangriff zurück, den JLR Anfang des Jahres erlitt und der den laufenden Betrieb störte. Er kostete das Unternehmen fast eine Viertelmilliarde Dollar. Nur ein Bruchteil der Probleme von Jaguar kann Gerry McGovern zugeschrieben werden. Ja, es klingt, als wäre er eine treibende Kraft hinter dem Rebranding gewesen, aber ein großes Problem ist, dass er ein externes Team beauftragte, seine Vision umzusetzen. Anstatt sich auf die internen Leute zu verlassen, die besser verstehen, wofür Jaguar steht, schuf diese externe Agentur etwas, das die Fans der Marke zu entfremden schien. Das Hin und Her und die chaotischen Nachrichten rund um McGovern deuten nur auf die scheinbar fehlende Richtung bei Jaguar hin. Es ist eine Marke mit enormem Erbe und eine, von der wir hoffen, dass sie einen richtigen Weg nach vorne findet. Was muss Jaguar also tun, um das Ruder herumzureißen? Ein neuer F-Pace ist ein ordentlicher Anfang, da ein Crossover in vielen Märkten immer noch wichtig ist. Aber Produktion und Produktpalette wieder in Form zu bringen, muss so schnell wie möglich geschehen. Von dort aus braucht Jaguar einen richtigen Sportwagen und eine richtige Limousine. Das Type 00 als potenzielles Flaggschiff-Super-Grand-Tourer beibehalten – aber den Kern dessen wiederbeleben, was Jaguar zu Jaguar macht. Und vielleicht ist die springende Raubkatze dann wieder auf Kurs. Apropos: Bringt die Kühlerfigur zurück!