Die Prototypen des neuen vollelektrischen Jaguar Luxury GT haben eine weitere Phase der Erprobung erreicht. Und diese ist polarisierend im doppelten Sinne. Im Rahmen der Wintertests wird derzeit am Polarkreis getestet, wo Temperaturen von bis zu minus 40 Grad Celsius herrschen. Diese Umgebung dient dazu, Fahrzeugfunktionen unter besonders belastenden klimatischen Bedingungen zu prüfen und abzusichern. Der viertürige GT ist Teil des bislang umfangreichsten Validierungsprogramms in der Unternehmensgeschichte von Jaguar. Insgesamt rund 150 Prototypen kommen dabei weltweit zum Einsatz. Sie legen zusammen mehrere hunderttausend Kilometer zurück, unter anderem auf Wüstenstraßen bei hohen Temperaturen, auf zugefrorenen Seen in Nordeuropa sowie in virtuellen Entwicklungs- und Simulationsumgebungen. Ziel ist es, alle relevanten Systeme frühzeitig und reproduzierbar zu testen, noch bevor die finale Abstimmung auf öffentlichen Straßen erfolgt. Bildergalerie: Jaguar GT (Type 00) Winter-Tests Das Erprobungskonzept ist darauf ausgelegt, sämtliche Fahrzeugfunktionen systematisch an ihre Belastungsgrenzen zu führen. Neben klassischen Straßentests spielen Prüfstandläufe und digitale Simulationen eine zentrale Rolle. Diese Kombination erlaubt es, Entwicklungsstände zu vergleichen, Software-Updates gezielt einzusetzen und technische Abhängigkeiten frühzeitig zu erkennen. In dieser Form wurde ein derart breites Testprogramm bei Jaguar bislang nicht umgesetzt. Ein Schwerpunkt der aktuellen Wintertests liegt auf der Feinabstimmung der Fahrmodi. Auf den zugefrorenen Seen Schwedens analysieren die Ingenieure unter anderem das Ansprechverhalten von Lenkung, Antrieb und Fahrwerksregelung bei sehr niedrigen Reibwerten. Dabei geht es um eine nachvollziehbare Rückmeldung für den Fahrer ebenso wie um ein ausgewogenes Komfortniveau. Die eingesetzten elektrischen Antriebssysteme werden dabei unter realen Extrembedingungen abgestimmt. Jaguar GT (Prototyp) bei Wintertests Der neue GT verfügt über eine Allrad-Tri-Motor-Architektur mit einer Systemleistung von mehr als 1.000 PS. Die Kraftverteilung erfolgt über ein intelligentes Torque-Vectoring-System, das Drehmomente zwischen den Achsen und einzelnen Rädern variabel steuert. Im Fokus steht dabei eine präzise Regelbarkeit, unabhängig von Fahrbahnzustand und Temperatur. Parallel zu den Antriebssystemen werden weitere fahrdynamische Komponenten abgestimmt. Dazu zählen das Fahrwerk, die Allradlenkung, eine adaptive Luftfederung sowie aktive Zweiventil-Dämpfer. Für die Wintererprobung kommt zudem ein speziell entwickelter 23-Zoll-Winterreifen zum Einsatz. Alle Systeme werden im Zusammenspiel getestet, um ein konsistentes Gesamtverhalten zu erreichen. Jaguar GT (Prototyp) bei Wintertests Ein weiterer Prüfpunkt ist das Thermomanagement. Die extremen Temperaturen am Polarkreis bieten geeignete Voraussetzungen zur Validierung der sogenannten ThermAssist-Technologie. Das integrierte System soll den Energiebedarf für die Innenraumheizung deutlich reduzieren und gleichzeitig Abwärme aus dem Antrieb nutzen, um Batterie, Antriebskomponenten und Innenraum effizient zu temperieren. Ziel ist eine möglichst stabile Reichweite auch bei winterlichen Bedingungen. Die Weltpremiere des vollelektrischen Jaguar GT ist noch für dieses Jahr vorgesehen. Gestalterisch folgt das Modell der umstrittenen Designphilosophie "Exuberant Modernist", die zuvor mit dem Konzeptfahrzeug Jaguar Type 00 vorgestellt wurde. Der neue GT markiert damit den Übergang in eine neue elektrische Modellgeneration der Marke.