Jaguar will aus dem Schatten von BMW treten und im Zuge eines mutigen, sehr kontroversen Rebrandings ins Luxussegment aufsteigen. Künftig orientiert man sich also eher an Bentley als an den deutschen Premiummarken. Obendrein setzt man dafür konsequent auf Elektroantrieb. Eigentlich sollte das erste Serienmodell dieser neuen Ära noch vor Ende 2025 gezeigt werden, doch die Enthüllung wurde nun auf 2026 verschoben. Wann genau, ist noch nicht raus. Dass Jaguar sich als elektrische Super-Luxusmarke neu erfindet, sorgt erwartungsgemäß bei einigen Händlern für Sorgenfalten. Wie wird sich der neue Kurs in der Praxis entwickeln? Die Automobilwoche zitiert einen Vertriebsmitarbeiter, der unter Zusicherung der Anonymität über die Unsicherheit rund um Jaguars Zukunft gesprochen hat: „Wenn wir ehrlich sind, gibt es für die Marke derzeit keinen Business Case. Wir haben unterschrieben, dass wir in Zukunft mit Jaguar weitermachen wollen. Ob wir diese Absichtserklärung erfüllen, wird sich jedoch erst zeigen, wenn wir Jaguars künftige Strategie kennen. Dann können wir entscheiden, ob sie zu uns passt oder nicht.“ Ganz so düster ist die Lage aber nicht. Andreas Everschneider, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Jaguar- und Land Rover-Händler, ist deutlich optimistischer, bleibt jedoch vorsichtig: „Der Neustart ist eine Chance. Aber wir wissen nicht, was uns erwartet, wie groß der Markt ist oder welche Kunden das Fahrzeug kaufen.“ Ähnlich äußert sich Salvatore Colangelo, Geschäftsführer von Glinicke British Cars: Er hebt die kommenden Produkte hervor, ist aber unsicher mit Blick auf die Zielgruppe: „Marke, Design und Technologie – die neuen Jaguar-Modelle sind etwas Besonderes. Das ist ein neuer Weg. Die Frage bleibt: Wer sind unsere künftigen Jaguar-Kunden?“ Jaguar verkauft keine Autos mehr – nur noch Leasing? Everschneider sagte der Automobilwoche, dass Jaguar den neuen elektrischen Grand Tourer nicht verkaufen, sondern ausschließlich verleasen werde. Wir haben um eine Bestätigung gebeten und aktualisieren den Artikel, sobald uns eine Rückmeldung vorliegt. Hintergrund dieser angeblichen „Lease-only“-Strategie sei der Wunsch, den Gebrauchtwagenmarkt stärker zu kontrollieren. Würden zu viele Fahrzeuge den Besitzer wechseln, könnten die Restwerte sinken – und das würde Jaguars Anspruch, ein echter Bentley-Konkurrent zu werden, untergraben. Everschneider weist außerdem darauf hin, dass Jaguar nicht in die Falle tappen dürfe, zu viele Fahrzeuge anzubieten. Mercedes wurde dafür kritisiert, mit volumenorientierten Produkten wie der A-Klasse die Premium-Positionierung zu verwässern. Andererseits haben das auch die Wettbewerber getan – inklusive BMW mit dem 1er. Audi ging mit A1 und Q2 sogar noch eine Stufe tiefer und bediente das Kleinwagensegment. Jaguar Typ 00 Prototypentest Jaguar setzt nicht auf Stückzahlen Händler, die die Automobilwoche zitiert, behaupten, die neue Jaguar-Strategie sehe eine Jahresproduktion von nur 10.000 Einheiten vor. Das ist ein gewaltiger Unterschied zu 2018, als der Tata-Motors-Konzern mit Jaguar bei 181.500 Verkäufen seinen Höhepunkt erreichte. Zum Vergleich: BMW verkaufte im vergangenen Jahr 2.169.761 Autos, Mercedes setzte 1.800.800 Fahrzeuge ab, Audi lieferte 1,6 Millionen Einheiten aus. Da Jaguar nun Bentley ins Visier nimmt, lohnt sich ein Blick auf die Zahlen aus Crewe. Die Werte für das vergangene Jahr liegen noch nicht vor, aber zur Einordnung: Der britische Hersteller lieferte 10.643 Fahrzeuge im Jahr 2024 und 13.560 im Jahr 2023 aus. Das bislang beste Jahr war 2022 mit 15.174 verkauften Autos. Jaguar-Händler haben bislang noch nicht die nötigen Schulungen erhalten, um neue Kundschaft gezielt anzusprechen – der Prozess startet aber offenbar in diesem Monat. Die Orderbücher sollen dem Bericht zufolge im März oder April öffnen. Ursprünglich war von einem Einstiegspreis um die 120.000 Euro ausgegangen worden. Wie hoch die Leasingraten sein werden, muss sich zeigen. Und auch wenn gerade viele Luxushersteller wieder verstärkt auf Verbrenner setzen - Jaguar hat bestätigt, dass Motor1-Fazit: Die alten Jaguar-Ansätze haben nicht funktioniert – eine Kursänderung war fällig. Ob der radikale Schwenk hin zu geringen Stückzahlen und hohen Margen aufgeht, bleibt abzuwarten. Der konsequente Fokus auf Elektroantriebe wird die Zielgruppe sicher einschränken, denn viele wohlhabende Käufer wünschen weiterhin Verbrennungsmotoren. Nur zwei Beispiele: Mercedes und BMW halten weiterhin am V12 für Maybach beziehungsweise Rolls-Royce fest. Jaguar weiß, dass ein Großteil der bisherigen Kundschaft verloren gehen wird: Die Marke räumt ein, dass 85 Prozent der aktuellen Käufer nicht zurückkehren werden. Mit auffälligem Design und einer maßgeschneiderten EV-Plattform will man jedoch zahlungskräftige Kunden überzeugen. Um die Chancen zu erhöhen, sich eine Nische zu sichern, soll dem langhaubigen GT ein SUV folgen. Elektroautos gelten bisher als Fahrzeuge mit sehr knappen Margen. Umso spannender wird zu beobachten sein, ob Jaguar bei einem deutlich niedrigeren Jahresabsatzziel ausreichend Rendite erwirtschaften kann.