Vor ein paar Jahren machten wilde Gerüchte die Runde, Mercedes wolle bis Ende des Jahrzehnts sämtliche Kombis aus dem Programm streichen, um sich stärker auf volumenstarke Produkte zu konzentrieren. Berichten zufolge sollen CLA Shooting Brake, C-Klasse T-Modell und E-Klasse T-Modell die letzten Vertreter der Langdach-Fraktion sein. Offiziell bestätigt aus Stuttgart ist das zwar nicht – doch der Leiter Exterieur-Design zeichnet nun ein eher düsteres Bild. Denn wir Deutschen lieben zwar Kombis, stehen global damit aber relativ alleine da. Bildergalerie: Mercedes-Benz 280 TE (1979) im Test Im Gespräch mit Autocar erklärte Robert Lešnik, dass Designer und Journalisten Kombis zwar schätzen – die Realität bei Mercedes aber so aussehe, dass "niemand sie mehr kauft". Entsprechend tue sich die Marke schwer damit, eine praktischere Ableitung der in dieser Woche vorgestellten elektrischen C-Klasse Limousine für die Serie freizugeben. 'Wir haben drei Regionen. In Amerika kauft sie niemand; wir haben die Shooting-Brake-[Version] des CLS ausprobiert und niemand hat sie gekauft. Die Chinesen verstehen sie nicht und kaufen sie nicht. Dann bleibt Europa – und wenn man sich eine Mercedes E-Klasse anschaut, ist die ziemlich teuer. Also wer kann sich in Europa überhaupt so ein Auto leisten?' 2025 Mercedes CLA Shooting Brake Mercedes verkauft das C-Klasse T-Modell weiterhin mit Verbrennungsmotoren und wird dem „S206“ demnächst ein Facelift zur Modellpflege geben – es bleibt also noch mehrere Jahre im Programm. Außerdem ist der neue CLA Shooting Brake sowohl mit Verbrenner als auch rein elektrisch erhältlich, während die größere E-Klasse als Kombi vorerst ebenfalls nicht zur Disposition steht. Der wunderschöne CLS Shooting Brake ist mittlerweile leider nur noch eine Erinnerung, doch realistisch betrachtet kann man von einem Hersteller auch nicht erwarten, dass er besonders viele Kombis absetzt. Ein Blick auf die Konkurrenz: BMW hat zuletzt einen i3 Touring angeteasert, der direkt gegen ein elektrisches C-Klasse T-Modell antreten würde – falls der Stern so etwas bauen sollte. Andererseits hat München kein Gegenstück zum CLA Shooting Brake und bräuchte daher ein Modell, das kleiner und günstiger ist als 5er/i5 Touring. BMW zeigt sich grundsätzlich offen für einen weiteren 3er Touring mit Verbrennungsmotoren, hat aber bislang keine Zusagen gemacht. Die elektrische C-Klasse gilt als sechste Generation des Namens, und falls kein Kombi folgt, wäre es das erste Mal, dass diese Karosserieform ausgelassen wird. Seit dem Debüt des S202 Mitte der 1990er-Jahre hat Mercedes in der Baureihe stets auch ein T-Modell angeboten. Der slowenische Autodesigner würde die Kombi-Flamme gern am Leben halten, doch die Nachfrage ist offenbar nicht mehr da. Sein liebster Mercedes? Das heutige "fast perfekte" E-Klasse T-Modell. Mercedes-Benz C-Klasse All-Terrain Selbst ohne ein elektrisches C-Klasse T-Modell hat Mercedes weiterhin zahlreiche Kombis im umfangreichen Portfolio. Wie viele davon noch eine weitere Generation erleben werden, ist unklar – aber dass bis 2030 wirklich alle verschwinden, ist schwer vorstellbar. Eine naheliegende Lösung könnte sein, Modelle zusammenzulegen – ähnlich wie sich die zweitürige C- und E-Klasse zum CLE Coupé/Cabriolet entwickelt haben. Kombis sind Opfer des SUV-Booms; die Stückzahlen sprechen lauter als die Wertschätzung von Journalisten, Designern und Fans. Mercedes konzentriert sich lieber auf den GLC – zulasten eines elektrischen C-Klasse T-Modells. Immerhin bleibt die Version mit Benzin- und Dieselmotoren weiterhin im Programm.