Mercedes-Benz hat heute die erste vollelektrische C-Klasse vorgestellt. Die Limousine basiert auf einer komplett neuen Elektroarchitektur und tritt vorerst als C 400 4MATIC an. Weitere Varianten, darunter ein Heckantriebsmodell mit rund 800 Kilometern Reichweite, sollen 2027 folgen. Allerdings ist in er Pressemitteilung keine Rede mehr vom Namenszusatz "mit EQ-Technologie", wie es noch beim GLC oder CLA verwendet wurde. Offenbar heißt der Neuling schlicht "C-Klasse elektrisch", in diesem Fall "C 400 4Matic elektrisch". Bei der Namensgebung hat man in Stuttgart schon länger kein glückliches Händchen mehr. Wer erinnert sich noch an den "Mercedes-AMG GT 63 4Matic+ 4-Türer Coupé"? Bei den elektrischen Modellen gab es erst die Submarke Mercedes-EQ, die man wieder aufgab, um in der Folge eine ganze Reihe verschiedener Bezeichnungen zu probieren. Nun also "elektrisch" ... Bildergalerie: Mercedes C 400 4Matic EQ (2026) Das Topmodell - egal wie es genau heißt - leistet 360 kW und beschleunigt in 4,1 Sekunden auf 100 km/h. Mercedes gibt vorläufig bis zu 760 Kilometer nach WLTP an. Ein neu entwickeltes Zweiganggetriebe an der Hinterachse trägt maßgeblich dazu bei. Der erste Gang mit Übersetzung 11:1 sorgt für starken Anzug aus dem Stand und Effizienz im Stadtverkehr, der zweite mit 5:1 ist für Autobahnfahrten ausgelegt. Der nutzbare Akkuinhalt beträgt 94,5 kWh. Maximal 330 KW am Schnellader Die C-Klasse lädt an 800-Volt-Schnellladern mit bis zu 330 kW. In zehn Minuten kommen so bis zu 320 Kilometer Reichweite dazu. Ein optionaler DC-Wandler ermöglicht auch das Laden an 400-Volt-Stationen, dann aber wohl nur mit maximal 100 KW, was enttäuscht. Das neue One-Box-Bremssystem rekuperiert mit bis zu 300 kW und soll dabei ein konstantes Pedalgefühl liefern. Bislang war das Bremsgefühl bei elektrifizierten Mercedes ja durchaus ein kontroverses Thema. Bidirektionales Laden unterstützt die C-Klasse übrigens ebenfalls. Das Design wirkt sportlicher und eigenständiger als das des Verbrennermodells. Vorne zieht der neue Kühlergrill mit 1.050 einzeln beleuchtbaren Punkten die Blicke auf sich. Hinten schließen vier runde Leuchten im Stern-Design die coupéartige Silhouette ab. Der optionale DIGITAL LIGHT-Scheinwerfer auf Basis neuer Mikro-LED-Technik soll 40 Prozent mehr Fläche ausleuchten, dabei aber 50 Prozent weniger Strom verbrauchen als das Vorgängersystem. Das abfallende, coupeartige Heck und die Leuchten erinnern ein wenig an den verblichenen VW Passat CC. Der Radstand wächst gegenüber der Verbrenner-C-Klasse um 97 Millimeter auf 2.962 Millimeter, was 12 Millimeter mehr Beinfreiheit bringt. Das Kofferraumvolumen liegt bei 470 Litern, der Frunk im Bug fasst weitere 101 Liter. Trotz der Coupé-Form bleibt es aber leider bei einer konventionellen Kofferklappe hinten statt einer großen Heckklappe. Die Anhängelast beträgt bis zu 1,8 Tonnen. Optional gibt es Airmatic-Luftfederung kombiniert mit Hinterachslenkung, die den Wendekreis auf 11,2 Meter verkleinert und vorausschauend mit Car-to-X-Daten sowie Google-Maps-Informationen regelt. Neues Interieur mit Bildschirmflut Den Innenraum haben wir bereits ausführlich vorgestellt. Im Cockpit stehen zwei Bildschirmvarianten zur Wahl. Der MBUX Hyperscreen erstreckt sich mit 99,3 Zentimetern nahtlos über die gesamte Armaturenbrettbreite, beim MBUX Superscreen liegen drei Displays unter einer gemeinsamen Glasfläche. Das Betriebssystem MB.OS verbindet alle Fahrzeugbereiche und ermöglicht Over-the-Air-Updates ohne Werkstattbesuch. Die Navigation basiert auf Google Maps und plant Ladestopps automatisch mit ein. Der MBUX Virtual Assistant kombiniert erstmals ChatGPT-4o, Microsoft Bing und Google Gemini in einem System und führt mehrteilige Gespräche mit Kurzzeitgedächtnis. Das AR-Head-up-Display, das bislang S-Klasse und EQS vorbehalten war, findet nun ebenfalls den Weg in die C-Klasse und projiziert Abbiegepfeile sowie Warnhinweise dreidimensional in die Windschutzscheibe. Als weiteres Novum bietet Mercedes ein veganes Interieur an, das von The Vegan Society unabhängig zertifiziert wurde. Laut Hersteller ist die C-Klasse damit das erste Serienfahrzeug weltweit mit einem entsprechend zertifizierten Innenraum. Das Paket umfasst Sitzbezüge, Dachhimmel, Tür- und Säulenverkleidungen sowie Teppiche. Optional gibt es das Sky Control-Panoramadach mit 162 individuell beleuchtbaren Sternen. Fazit Mit 800 V, 760 km Reichweite und 330 KW maximaler Ladeleistung verspricht die neue elektrische C-Klasse Spitzenwerte im BEV-Segment. Allerdings schafft der Konkurrent BMW i3 bis zu 900 Kilometer. Zumal die 330 KW nur an 800V-Ladesäulen erreicht werden. Ansonsten gibt sich der neue Benz mit seinem hoch modernen Innenraum sehr technokratisch, was man mögen muss. Wir sind auf jeden Fall gespannt auf den ersten echten Eindruck - und natürlich die Preise, die erfahrungsgemäß recht deftig werden dürften.