Was Ende der 1970er Jahre als reines Nutztier startete, wurde Mitte der 2000er Jahre auch für Familien äußerst beliebt. Der VW Caddy konnte in seiner gehobenen Pkw-Ausstattung Life als praktischer Hochdachkombi auch abseits von Handwerksbetrieben überzeugen. Doch wer ihn sowohl als Arbeiter als auch als Familienkutsche nutzte, stand jedes Mal vor aufwendigen Umbaumaßnahmen. Was ist das? Genau diese Umbaumaßnahmen will der VW Caddy Flexible überflüssig machen. Statt die Rückbank ständig ein- und ausbauen zu müssen, setzt der nämlich auf eine Rückbank, die mit zwei Handgriffen zur Rückwand umfunktioniert wird. So wollen die Wolfsburger dem Namen alle Ehre machen und das Vehikel noch flexibler in den Alltag integrieren. Bildergalerie: VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test Angetrieben wird der Caddy Flexible wahlweise als Benziner, Diesel oder Plug-in-Hybrid. Erstere sind als Schalter oder Automatik erhältlich, Letzterer kommt immer mit einem 6-Gang-Doppelkupplungsgetriebe. Und genau der stand vor unserer Tür. Der Antrieb kombiniert einen 1,5-Liter-TSI-Motor (85 kW) mit einem ebenfalls 85 kW starken E-Motor. So entsteht insgesamt eine Systemleistung von 110 kW bei einem maximalen Drehmoment von 350 Newtonmetern. Mit einer nutzbaren Batteriekapazität von 19,7 kWh sind vollelektrische Reichweiten von bis zu 115 Kilometern möglich. Schnelle Daten VW Caddy Flexible Maxi eHybrid (2025) Antrieb 1,5 Liter TSI (85 kW) + E-Motor (85 kW), 19,7 kWh Batterie Getriebe 6-Gang-DSG Systemleistung / Drehmoment 110 kW (150 PS) / 350 Nm 0 - 100 km/h 181 km/h Höchstgeschwindigkeit 10,5 Sekunden CO2-Emission (WLTP) / Verbrauch (WLTP) 43 g/km / 14,6 kWh/100 km plus 1,9 l/100km (6,4 l/100km bei entladener Batterie) Elektrische Reichweite (EAER) / max Ladeleistung 10 - 80 % 114 km / 26 Minuten Basispreis ab 51.598 Euro Karosserie und Design | Innenraum | Fahrbericht | Preise | Fazit Karosserie und Design Seinen praktischen Ansatz verkörpert der VW Caddy wie kaum ein anderer auch im Design. Die Front lässt Volkswagen-typisch freundlich mitteilen: "Ich unterstütze in allen Lebenslagen so gut ich kann." Der Vorderwagen wirkt aufgrund der MQB-Golf-8-Basis vertraut. Ab der B-Säule versucht er seinen vorwiegenden Nutzfaktor nicht zu verstecken. Es folgt ein großer Kasten, ausgestattet mit einer Schiebetür auf beiden Seiten – praktisch für enge Parklücken. Vor allem, um die Jüngsten sicher im Caddy festzuzurren. Am Heck sorgen Flügeltüren für angenehmen Einladekomfort. Funktionalität geht hier auf allen Ebenen vor. Dennoch gönnt sich der Wolfsburger ein paar sanfte Linien im Blech, um den Wind nicht ganz so unvorteilhaft zu brechen wie sein Uropa von 1979. VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test Bilder von: Motor1.com Zwar bleibt der Caddy Flexible mit einer Länge von 4,50 Metern und einer Breite von 1,85 Metern recht kompakt, die geschlossenen hinteren Seitenscheiben führen jedoch dazu, dass beim Rangieren etwas mehr Umsicht gefordert ist. Der Maxi, den wir im Test bewegt haben, legt in Sachen Länge mit 4,85 Metern noch einen obendrauf. Innenraum Dafür kommt der dann auch mit reichlich Nutzfläche: bis zu 3.105 Liter sind bei aufgestellter Rückbank möglich bei einer Zuladung von 557 Kilogramm. Bei all der Freizügigkeit hat VW jedoch versäumt, einen geeigneten Verstauort für das Ladekabel zu schaffen. Generell überwiegt im Caddy Flexible der Nutzfahrzeug-Charakter im Fond. Die hinteren Gäste müssen mit lieblos verkleideten Schiebetüren vorlieb nehmen. Zudem wirkt es durch die fehlenden hinteren Seitenfenster recht dunkel im Fond. Für den Umbau von der Familienkutsche zum fleißigen Arbeiter habe ich mir beim ersten Umbau extra ein zweites Paar Hände organisiert. Denn rechts und links an der Sitzfläche der Rückbank befinden sich zwei Schlaufen, die gezogen werden wollen. Über die massiven Griffe an der Rückenlehne kann die Bank dann in die Senkrechte gewuchtet werden. VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test Bilder von: Motor1.com Wobei "Wuchten" zu zweit völlig übertrieben wäre. Vielmehr ist es eine flüssige leichte Bewegung, die den Hochdachkombi in wenigen Sekunden zum Kastenwagen umfunktioniert. Mit ein wenig mehr Kraftaufwand geht das auch ohne Probleme allein. So bietet der Caddy Flexible eine wirklich toll umgesetzte Funktion. Und so überwiegt auch im Vorderwagen eher das Nutzfahrzeug-Feeling. Zwar kommt der Caddy mit etlichen Ablagefächern, eine sinnvolle Ablage für das Smartphone fehlt beispielsweise auf der Mittelkonsole. Dafür kann vieles auch oben auf dem Armaturenbrett abgelegt werden. Durch seine Pkw-Anlagen findet sich zudem schnell eine komfortable Sitzposition trotz geringer Verstellmöglichkeiten. Das Infotainmentsystem ist VW-typisch übersichtlich, könnte bei einigen Funktionen wie dem akustischen Geschwindigkeitswarner jedoch direktere Wege gebrauchen. Das Kombiinstrument kann zudem auf individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Abmessungen VW Caddy Flexible Maxi eHybrid (2025 Länge x Breite x Höhe 4.8530 x 1.855 x 1.860 mm Radstand 2.970 mm Kofferraumvolumen bis zu 3.105 Liter Leergewicht 1.943 kg Zuladung 557 kg Max. Anhängelast 1.500 kg Max. Stützlast 75 kg Fahrbericht Mit knapp 2.000 Kilo auf den Hüften bleibt beim VW Caddy Flexible von den Pkw-Anlagen mit Verbundlenkerhinterachse nicht mehr allzu viel übrig. Zwar kann der 1,5er TSI im Hybrid-Modus auf ein wenig Extrapower zurückgreifen, generell wirkt der Familienarbeiter im Test eher schwerfällig. Das betrifft sowohl den Anzug als auch das Fahrwerk. Denn trotz tiefem Schwerpunkt will es der Caddy mit dem Plug-in-Hybrid eher gemächlich angehen lassen. Für einen gediegenen Familienurlaub und bedachte Transporte bietet der Wolfsburger Alleskönner dennoch einen angenehmen Fahrkomfort, der viele Unebenheiten schluckt, dabei aber nicht zu weich geraten ist. VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test VW Caddy Flexible eHybrid (2025) im Test Bilder von: Motor1.com Wer nicht Zuhause laden kann, sollte jedoch Abstand vom eHybrid nehmen. Im Test kamen wir auf einen kombinierten Verbrauch von 11,9 kWh und 2,8 Liter Benzin auf 100 Kilometern. Ist die Batterie einmal leer, hat der schmächtige 1,5er TSI mächtig mit dem Gewicht zu kämpfen. Aus den angegebenen 6,4 Litern ohne E-Unterstützung wurden so eher ganze acht. Für Urlaubsfahrten ist das schlicht zu viel. Da nimmt der Antrieb dem Caddy Flexible seine Flexibilität, zumal wir im reinen E-Betrieb nicht ansatzweise an an die 100-Kilometer-Reichweite kamen. Preise Und dann wäre da noch der bittere Blick auf die Preisliste. Der VW Caddy Flexible startet in der kompakten Version bei 35.938 Euro mit einem 85 kW starken TSI-Benziner und 6-Gang-Handschalter. Der TDI mit 75 kW geht bei 37.907 Euro los. Der Plug-in-Hybrid eHybrid mit 110 kW und 6-Gang DSG liegt bei 48.135 Euro, der von uns gefahrene Maxi knackt mit 51.598 Euro die 50.000er Marke. Zu dem Preis gibt es jedoch noch immer wenig Ausstattung, unlackierte Stoßfänger und Stahlfelgen. Hier Richtung 60.000 Euro zu kommen, ist absolut kein Problem. Ja, wir reden von einem kompakten Wolfsburger Nutzfahrzeug. Da könnte die Kombination aus Dacia Jogger (ab 17.990 Euro) und Citroën ë-Berlingo (ab 30.550 Euro) mehr Sinn ergeben. Fazit: 6/10 Keine Frage, der VW Caddy Flexible ist mit seinem einfach umzubauenden Rückbanksystem äußerst praktisch. Vor allem für Menschen, die im Alltag sowohl viel mit der Familie unterwegs sind, als auch regelmäßig sperrige Güter transportieren müssen und auf einen Zweitwagen verzichten wollen. Jedoch stehen Verbrauch, Fahrwerte, Ausstattung und Preis beim eHybrid in keinem Verhältnis zum Nutzen. Wer unbedingt einen Caddy Flexible haben will, sollte derzeit immer noch eine TDI-Variante ins Auge fassen. Alle, die elektrisch fahren wollen, sollten gleich zu einem wesentlich besser ausgestatteten vollelektrischen Toyota Proace City, Opel Combo oder Peugeot Rifter greifen und den regelmäßigen Umbau zähneknirschend in Kauf nehmen. Bei einem derart hohen Preis können Sie aber auch getrost zum ID. Buzz greifen. Dessen Sitze sind zudem recht fix ausgebaut.