Lange bevor Hybride und Elektroautos den Markt eroberten, drehte sich die Idee vom sparsamen Auto vor allem um ein kleines, leichtes Fahrzeug mit genügsamem Motor. Mit dem technischen Fortschritt kam die Aerodynamik als weiterer Faktor hinzu: Weniger Luftwiderstand bedeutete weniger Verbrauch. Mitte der 1980er trieb Volkswagen dieses Prinzip noch weiter – mit einer ungewöhnlichen Studie, die die Grenze zwischen Auto und Motorrad verschwimmen ließ. Auf dem Genfer Autosalon 1986 vorgestellt, war der Scooter ein radikaler Ansatz für ein Sparmobil – allerdings mit nur einem Hinterrad. Der Messerschmitt Kabinenroller von einst ließ grüßen. Bildergalerie: Volkswagen Scooter (1986) Während VW damals eher für zurückhaltendes Design bekannt war, brach dieses Konzept deutlich mit den Konventionen. Der Autozam AZ-1 von Mazda gilt oft als kleinstes Serienauto mit Flügeltüren, doch streng genommen war dieses Einzelstück sogar noch kürzer. Die winzige Studie packte die Technik des Polo in einen Dreirad-Aufbau und kam auf nur 3.175 Millimeter Länge. Mit einem Leergewicht von lediglich 550 Kilogramm (Gewichtsverteilung 69:31 zwischen den Achsen) brauchte der Kleine keinen großen Motor. VW verbaute einen 1,1-Liter-Saugmotor mit gerade einmal 29 kW (40 PS), der seine Kraft über ein 4-Gang-Schaltgetriebe an die Vorderräder schickte. Volkswagen Scooter Concept 1986 Dank des extrem niedrigen Gewichts und eines Luftwiderstandsbeiwerts von nur 0,25 ging der Scooter entsprechend sparsam mit Kraftstoff um. VW gab für das aerodynamisch günstige Konzept einen Verbrauch von 3,9 l/100 km bei konstant 90 km/h an. Eine solche Effizienz war in den 1980ern alles andere als selbstverständlich – möglich machte sie die im Windkanal optimierte, tropfenförmige Karosserie. Überraschend ist auch: Die Fahrleistungen blieben erwartungsgemäß überschaubar. Für den Sprint auf 100 km/h benötigte der Scooter 14,8 Sekunden. Eine Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h reichte dennoch aus, um auf der Autobahn mitzuschwimmen. Wer mehr Leistung wollte, für den entwickelte VW eine sportlichere Variante: mit 1,4-Liter-Motor und 66 kW (90 PS), gut für 0–100 km/h in 8,5 Sekunden und eine angegebene Spitze von 220 km/h. Quasi der Scooter GTI. Sicherheit fiel dem Leichtbau nicht zum Opfer. VW konstruierte den Scooter so, dass er einen Frontalaufprall bei 50 km/h dank integrierter Knautschzone überstehen sollte. Obwohl es sich strikt um ein Konzeptfahrzeug handelte, war es darauf ausgelegt, regulatorische Anforderungen in Europa und den USA zu erfüllen. Zeitgenössische Broschüren betonten, das Einzelstück sei so sicher wie ein Auto – und zugleich so spaßig wie ein Motorrad. Neben Flügeltüren und dem einzelnen Hinterrad bot der Scooter noch weitere Eigenheiten. Die Heckscheibe ließ sich entfernen, um ein offenes Fahrgefühl wie in einem Cabrio zu erzeugen; zudem konnten die Türen durch Aushängen der Gasdruckdämpfer abgenommen werden. Ein Stauraum dafür war erwartungsgemäß nicht vorhanden – die Türen musste man also zu Hause lassen und auf gutes Wetter hoffen. Am Heck saßen zwei Endschalldämpfer links und rechts neben dem einzelnen Hinterrad, das an einer neu entwickelten Schwingarm-Hinterachse montiert war. Bündig eingesetzte Scheinwerfer sorgten für eine glatte Front, ein einzelner Scheibenwischer unterstrich die schmale Karosserie. Vorn rollte der Scooter auf 13-Zoll-Rädern mit 175/60-Bereifung, hinten auf einem einzelnen 15-Zoll-Rad mit deutlich breiteren 235/55-Reifen. Volkswagen Scooter (1986) Im Innenraum gab es Platz für zwei Personen – und kaum mehr. VW nannte eine Zuladung von 210 Kilogramm, zwei Erwachsene mussten also leichtes Gepäck einplanen. Der hinten montierte 35-Liter-Tank wirkt auf den ersten Blick klein, dürfte angesichts der Sparsamkeit der Polo-Aggregate aber auch für längere Strecken gereicht haben. Der Scooter war nicht nur ein Showcar, um in Genf Publikum anzulocken. Es handelte sich um einen voll funktionsfähigen Prototyp, der auf dem VW-Erprobungsgelände in Ehra-Lessien getestet wurde, wo die Leistungsdaten validiert wurden. Projektleiter Ulrich Seiffert hoffte damals auf eine Kooperation mit einem Kleinserienhersteller, um das Auto zur Serienreife zu bringen – doch daraus wurde nichts. Volkswagen 1-Liter Concept 2002 Volkswagen L1 Concept 2009 Auch wenn der Scooter nie grünes Licht bekam, griff VW das Thema Ultra-Effizienz später mehrfach wieder auf: zunächst mit dem 1L Concept 2002, dann mit dem L1 2009 und schließlich mit dem auf 200 Exemplare limitierten XL1 im Jahr 2013. Im Vergleich zur Studie von 1986 ging das Serienmodell allerdings einen anderen Weg. Zum Einsatz kam ein Plug-in-Hybrid-Antrieb, der einen Elektromotor mit einem 2-Zylinder-0,8-Liter-Diesel kombinierte, gekoppelt an ein DSG. Eine kleine 5,5-kWh-Batterie ermöglichte bis zu 50 Kilometer elektrische Reichweite bei einem Fahrzeuggewicht von nur 795 Kilogramm. Preis damals: 111.000 Euro. Schade: Der stärkere XL1 Sport mit Ducati-Motor wurde nie realisiert. Volkswagen GX3 Concept (2006) Bereits 2006 hatte Volkswagen wieder ein Dreirad gezeigt. Der GX3 war aber als reines Spaßfahrzeug nach Art des Morgan Threewheeler konzipiert. Er wurde von einem 125 PS starken 1,6-Liter-Vierzylinder angetrieben. Durch das niedrige Fahrzeuggewicht von 570 Kilo ergab sich ein Leistungsgewicht von 4,56 Kilo pro Pferdestärke. Zum Vergleich: Ein Porsche 911 hatte damals ein Leistungsgewicht von 4,52, war also nur unwesentlich besser. So spurtete der GX3 in 5,7 Sekunden auf 100 km/h. Hinzu kam ein Verbrauch von 5,2 Liter auf 100 Kilometer. Man erwägte eine Fertigung für die USA, aus der aber nichts wurde.