Als Mercedes im vergangenen Jahr den neuen CLA vorgestellt hat, war ich gespannt, wie die Basisversion ohne den dritten Bildschirm auf dem Armaturenbrett wirkt. In der Einstiegs-Konfiguration ohne Extras weicht das Beifahrer-Display einer Fläche aus Klavierlack in Schwarz, die mit zahlreichen Stern-Logos übersät ist. Besser oder schlechter? Das hängt davon ab, wen man fragt. Manche stören sich nicht an der Bildschirmflut, andere wären zwischendurch froh über eine Pause. Bildergalerie: Mercedes C 400 4Matic EQ (2026) Bei der neuen elektrischen C-Klasse Limousine ist die Lage anders: Hier gibt es immer drei Bildschirme. Das Basis-MBUX bündelt drei separate Anzeigen unter einer durchgehenden Glasscheibe: ein 10,3-Zoll großes digitales Kombiinstrument, einen 14-Zoll großen zentralen Infotainment-Bildschirm und ein "digital animiertes Zierpanel". Letzteres ist im Grunde ein digitaler Bilderrahmen, denn es unterstützt keine Touch-Eingaben. Stattdessen zeigt es ein vom Nutzer im Infotainment ausgewähltes Bild an. Wer ein touchfähiges Beifahrer-Display möchte, muss zum optionalen Superscreen greifen. Wer noch tiefer in die Tasche greifen will, bekommt mit dem Hyperscreen eine durchgehende Anzeige mit 39,1 Zoll Diagonale – und damit ohne die dicken Rahmen der anderen beiden Armaturentafel-Varianten. Diesen Look kennen wir bereits vom elektrischen GLC, nun hält er auch in einem weiteren Mercedes-Elektroauto derselben Klasse Einzug. Was freilich kaum verwundert, ist der GLC quasi der SUV-Bruder der C-Klasse EQ. Die C-Klasse mit Verbrennungsmotor soll noch in diesem Jahr eine Modellpflege zur Mitte des Produktzyklus erhalten – spannend wird, in welche Richtung sich das ICE-Modell dabei entwickelt. Trotz des gemeinsamen Namens sind die beiden Fahrzeuge grundverschieden: Das neue Elektro-Modell (W520) steht auf einer eigenständigen EV-Plattform und hat keine technischen Verbindungen zur benzin- bzw. dieselbetriebenen 206-Baureihe, der 2021 eingeführt wurde. Die Richtung, die Mercedes einschlägt, ist klar: Man setzt konsequent auf Bildschirme – ähnlich wie die wichtigsten Rivalen bei BMW und Audi. Displays haben Vorteile, weil sie zahlreiche Funktionen bündeln. Gleichzeitig schränken sie aber den gestalterischen Spielraum ein, den Interieur-Designer früher hatten, als Armaturenbretter nicht von glasüberzogenen Anzeigen dominiert wurden. Der frühere Mercedes-Designchef Gorden Wagener sagte Top Gear im vergangenen Jahr, übergroße Displays seien eine Notwendigkeit: "You want to have a visual reference on the screen, or you might want to watch a movie and stuff like that. So yeah, you need big screens." ("Man möchte eine visuelle Referenz auf dem Bildschirm haben oder vielleicht einen Film anschauen und so weiter. Also ja, man braucht große Bildschirme.“) Unsere Meinung: Ein Premium-Fahrzeug sollte eine hochwertige Armaturenbrett-Anmutung bieten – das ist schwer zu erreichen, wenn Bildschirme den Innenraum dominieren. Selbst Gorden Wagener räumte im vergangenen Jahr in einem Interview mit ABC News ein, dass "screens are not luxury". Trotzdem ist die C-Klasse EV damit vollgepackt – und sie ist damit alles andere als eine Ausnahme. Mercedes-AMG GT 4-Türer (2026): Das Cockpit Auch Oberklassemodelle wie die jüngst überarbeitete S-Klasse des Modelljahrs 2027 und das kommende elektrische AMG GT Viertürer Coupé setzen auf ein Dreifach-Screen-Layout. Es ist die Richtung, in die der Hersteller aus Stuttgart steuert – und aktuell ist schwer vorstellbar, dass die früher so aufwendig gefertigten Schalterlandschaften ein Comeback feiern. Hoffentlich belehrt uns Mercedes eines Besseren.