Wenn Sie an ein Chauffeursfahrzeug denken, haben Sie vermutlich eine schwarze, viertürige Luxuslimousine vor Augen – sehr wahrscheinlich von einem deutschen Hersteller. Und klar, Modelle wie die Mercedes S-Klasse oder der BMW 7er prägen in Finanzvierteln rund um den Globus häufig das Straßenbild. Aber ist die klassische Oberklasse-Limousine noch das Maß aller Dinge, wenn es um Fahrzeuge für das Executive-Segment geht? Auch hier in Japan trifft man natürlich weiterhin auf die etablierten Limousinen-Ikonen. Doch ein anderer Akteur dominiert das Segment im Land: Lexus. Zwar hat Lexus mit dem LS auch eine traditionelle Luxuslimousine im Angebot, noch spannender ist jedoch ein anderes Fahrzeug aus der Premium-Sparte des Toyota-Konzerns: der Lexus LM, ein ultra-exklusiver Executive-Van. Grundsätzlich sind Luxus-Vans im automobilen Gesamtbild weiterhin selten, doch Lexus gilt hier als Vorreiter – nicht zuletzt, weil Vans in Japan fest zum Alltag gehören. Von der zurückhaltenden Außenoptik bis hin zu einem edlen Innenraum mit einer nahezu endlosen Palette an Komfortfunktionen hebt Lexus die Idee des Chauffeursautos auf ein neues Niveau. Natürlich sind die meisten Vans nicht gerade das, was man als besonders ansehnlich bezeichnen würde. Die kantige, wuchtige Grundform lässt gestalterisch wenig Spielraum – dennoch gelingt es dem Lexus LM, die Silhouette über gezielte Details deutlich aufzuwerten. Der Lack in Sonic Titanium verleiht dem LM eine elegante, seidige Anmutung, während der markentypische, sanduhrförmige Spindelgrill einen Verlaufseffekt erzeugt. Dazu kommen die markante Sicke entlang der Flanke und die aufwendig gestalteten 19-Zoll-Räder, die der kastenförmigen Silhouette mehr Kontur und Kontrast geben. Den LM gibt es in zwei Varianten, als 6-Sitzer und als 4-Sitzer – letzterer stand uns zum Test zur Verfügung. Von außen lässt sich allerdings kaum erkennen, wie viele Sitze verbaut sind. Der Radstand bleibt unabhängig von der Sitzkonfiguration identisch – eine gute Nachricht für die Passagiere. Ein Traum für Chauffeure Vom Fahrersitz aus unterstützt das Auto die Chauffeurs-Routine mit sanfter Beschleunigung und fein dosierbaren Bremsmanövern. Der Lexus LM500h nutzt Toyotas T24A-FTS, einen 2,4-Liter-Turbobenziner (Reihenvierzylinder), kombiniert mit 6-Gang-Automatik und Allradantrieb. Der Verbrenner allein leistet 275 PS und 460 Nm Drehmoment. Den Hybrid vervollständigen eine kleine 288-Volt-Nickelmetallhydrid-Batterie sowie ein Elektromotor pro Achse. Die E-Maschinen liefern 87 PS/292 Nm vorne sowie 103 PS/169 Nm. Die Systemleistung liegt bei 367 PS. Technische Daten Lexus LM500h Executive 2026 Antrieb 2,4-Liter-Vierzylinder-Benziner + 2 E-Motoren Systemleistung 367 PS Getriebe 6-Gang-Automatik Gewicht 2.459 kg 0-100 km/h 6,9 s Höchstgeschwindigkeit 185 km/h Normverbrauch 7,4 Liter Basispreis ca. 109.000 Euro umgerechnet Die Leistung wirkt nicht üppig, doch das Drehmoment reicht aus, um die 2.459 kg schwere Van-Masse halbwegs zügig in Bewegung zu setzen – besonders beim Anfahren. Zur Wahl stehen drei bekannte Fahrmodi: Normal, Eco und Sport, welche die Gasannahme je nach Bedarf regeln. Zusätzlich bietet der LM einen vierten Modus namens Rear Comfort, der die Federung beim Beschleunigen und Bremsen beruhigt, um den Fondpassagieren ein noch geschmeidigeres Fahrgefühl zu bieten. Zudem zeigt der LM in Kurven dank der Kombination aus MacPherson-Federbeinen vorn und Doppelquerlenker-Hinterachse nur wenig Wankbewegung. Fotos von: Ayesh Seneviratne | Motor1 Auf dem Chauffeursplatz erleben Sie das Lexus-eigene „Tazuna“-Cockpit ("Zügel"), das maximale Übersicht und Kontrolle vermitteln soll – so, als hielten Sie die Zügel eines Pferdes in der Hand. Entsprechend sind nahezu alle Funktionen - wie etwa die Klimatisierung oder die Bedienung der Fondtüren und Jalousien schnell und gut erreichbar. Das japanische „Omotenashi“-Prinzip, sinngemäß „aufmerksame, uneigennützige Gastfreundschaft“, steht im LM im Zentrum. Deshalb erhält der Chauffeur nicht nur eine, sondern gleich zwei Bedienmöglichkeiten, um die Fondtüren zu öffnen und zu schließen (ein Set im Dachbedienteil, ein weiteres im Armaturenbrett neben dem Lenkrad) – für besonders schnelle, reibungslose Abläufe. Während Highlights wie Massagesitze den Fondpassagieren vorbehalten sind, kommt auch der Fahrer nicht zu kurz. Das Lenkrad trägt Holzeinlagen und besitzt eine Heizfunktion, die es beim Start automatisch erwärmt. Die Vordersitze sind beheizt und belüftet. Hinzu kommt das Mark Levinson-Soundsystem, das sich vom Fond-System entkoppeln lässt – so können Sie vorne Ihre eigene Musik hören, ohne die Passagiere zu stören. Fond-Luxus in Reinform Hier wird der 4-Sitzer-LM wirklich interessant. Anders als viele andere Luxus-Fahrzeuge bietet die Viersitzer-Variante eine vollständig private Executive-Suite für zwei Personen, räumlich vom Fahrer getrennt. Sobald die Schiebetür öffnet, betreten Sie im Grunde eine luxuriöse First-Class-Kabine. Der Einstieg gelingt bequem ohne tiefes Abducken; danach sind es nur ein paar Schritte über den beige Teppichboden zu Ihrem Sitz – durch einen Bereich, den man durchaus als kleinen Raum bezeichnen könnte. Direkt hinter den Vordersitzen trennt eine feste Partition den hinteren Bereich komplett vom Chauffeursabteil. Praktisch: Die Trennwand besitzt ein Fenster, das von beiden Seiten bedient werden kann. Per Smart-Privacy-Glas wird es auf Knopfdruck vollständig blickdicht. Das Ergebnis: maximale Privatsphäre sowie eine bemerkenswert ruhige, gut gedämmte Atmosphäre. Diese Ruhe spiegelt sich auch im Interieur-Design wider. Während europäische Luxus-Interieurs mit Ambientebeleuchtung, Sternenhimmel-Dach und Stickereien oft ein wenig überladen wirken, bleibt der LM bewusst minimalistisch und funktional. Genau diese Abwesenheit von Ablenkung schafft im LM eine besondere Gelassenheit. Inspiriert von der schlichten japanischen Innenarchitektur sind großzügige Ablagen und Staufächer clever verborgen, damit der Raum aufgeräumt und ruhig wirkt. Anders als viele andere Luxus-Fahrzeuge bietet die Viersitzer-Variante eine vollständig private Executive-Suite für zwei Personen, räumlich vom Fahrer getrennt. In den Armlehnen verbergen sich ein ausklappbarer Tisch und ein Cupholder, in den Türverkleidungen ein Fach zum kabellosen Laden des Smartphones. Die Mittelkonsole bietet drei separate Staufächer; das größte ist mit einer 100-V-Steckdose und einem HDMI-Anschluss ausgestattet – dazu gleich mehr. In der Partition selbst sind sogar ein Kühlschrank und Handschuhfächer für Dokumente und andere Notwendigkeiten integriert. Die Hauptattraktionen des LM sind die Fond-Sitzanlage und das riesige 48,0-Zoll-Widescreen-Display, das in die Trennwand integriert ist. Die Sitze lassen sich nahezu flach zurücklehnen und bieten eine Vielzahl an Einstellungen – inklusive Massage, Belüftung, beheizten Armlehnen und Ottomane. Gesteuert wird das alles über zwei abnehmbare, smartphonegroße Tablets in der Mittelkonsole. Während Sie auf den üppigen Sesseln entspannen, können Sie Musik hören, mit der Leselampe im Dachhimmel lesen oder auf dem großen Bildschirm fernsehen. Steht unterwegs ein Online-Meeting an, genügt es, den Laptop per HDMI anzuschließen und schon nutzen Sie den XL-Screen als Monitor. Bei Tokios Regenwetter wird der Lexus LM so zum ultimativen Luxus-Rückzugsort – um auf dem großen Bildschirm die neuesten Folgen der Lieblingsserie zu verfolgen und zwischendurch E-Mails zu beantworten. Fotos von: Ayesh Seneviratne | Motor1 Obwohl die Fondsuite den Großteil des Innenraums einnimmt, bleibt erstaunlich viel Platz fürs Gepäck. Hinter den Sitzen stehen 750 Liter Stauraum zur Verfügung. Auch beim Beladen denkt Lexus an Details: Statt die Heckklappe über den üblichen Griff in der Mitte zu öffnen (mit dem Risiko, dass sie einem ungünstig entgegenkommt), sitzen die Tasten zum Öffnen und Schließen jeweils an den Seiten des Gepäckraums – für ein sicheres, müheloses Handling. Mit dem Einstiegspreis von ¥20.300.000 (gut 109.000 Euro zum aktuellen Wechselkurs) bringt der LM bereits alles Wesentliche mit. Eine endlose Liste an Extras, die am Ende den Gegenwert eines Kleinwagens kosten, gibt es hier nicht. Das stimmige Gesamtpaket Für einen Chauffeur ist ein Lexus LS ohne Zweifel das fahraktivere Erlebnis – als Passagier allerdings möchten Sie nach einem Eindruck vom Lexus LM vermutlich ungern zur Limousine zurück. Die 4-Sitzer-Suite wirkt eher wie ein First-Class-Sitz im Flugzeug oder im japanischen Shinkansen. Wie man es von einem Spitzen-Chauffeursauto erwartet, überlässt Lexus im LM nichts dem Zufall. Regentag? Es gibt zwei leichte Schirme aus Holz und Carbonfaser. Pollenallergie im Frühjahr? Der gesamte Innenraum ist mit Panasonics Nanoe-X-Luftreinigungstechnologie ausgestattet. Fotos von: Ayesh Seneviratne | Motor1 Ganz perfekt ist der japanische Edel-Van dennoch nicht. Das Infotainment wirkt weiterhin weniger modern als bei europäischen Wettbewerbern, die Türen brauchen beim Öffnen und Schließen einen Moment, und der LM bietet nicht viele Individualisierungsmöglichkeiten. Dennoch hat Lexus diese zweite Generation spürbar weiter verfeinert – luxuriöser als je zuvor. Die Schlichtheit erfüllt dabei einen klaren Zweck. Mit dem bewussten Verzicht auf überbordende Ambientebeleuchtung und Champagnergläser setzt der LM ein Statement, was er unter echtem Luxus versteht. Von außen wird der elegante Van kaum Blicke auf sich ziehen. Innen jedoch bietet das minimalistische Interieur vollständige Privatsphäre, Ruhe und viel Raum – Güter, die in hektischen, lauten und überfüllten Städten wie Tokio selten sind. Unterm Strich ist der Lexus LM das automobile Pendant zu „Quiet Luxury“ in der Mode: zurückhaltende Eleganz außen, beeindruckende Opulenz innen. Auf den ersten Blick wirkt der LM vielleicht nicht spektakulär – aber wer wirklich Bescheid weiß, weiß es. 2026 Lexus LM500h Executive Motor Turbocharged 2.4-Liter Four-Cylinder Hybrid Motor AC Synchronous Leistung 336 Horsepower / 339 Pound-Feet Getriebeart Six-Speed Automatic Antrieb All-Wheel Drive Beschleunigung 0-62 mph 6.9 Seconds Leergewicht 5,423 Pounds Anzahl der Sitze 4 Kofferraumvolumen 26.5 Cubic Feet Basispreis ¥20,300,000 ($130,000 est.) Marktstart Now