Nur wenige kennen ihn bewusst, die meisten haben ihn vielleicht einmal im Autoquartett gesehen: Vor 60 Jahren stellt die britische Firma ihren neuen Interceptor vor. Da 2026 eine Art Nachfolger gezeigt werden soll, wollen wir auf den berühmtesten Interceptor zurückblicken. Der Jensen Interceptor ist ein Sportwagen der GT-Klasse, den der britische Hersteller Jensen zwischen 1966 und 1976 produziert. Die Modellbezeichnung "Interceptor" (Abfangjäger) verwendet das Unternehmen bereits 1950 für ein früheres Fahrzeug, das heute als "Early Interceptor" bezeichnet wird. Der Interceptor bildet später die technische und konzeptionelle Basis für weitere Modelle, darunter den Jensen FF mit Allradantrieb sowie den leistungsstärkeren Jensen SP. Bildergalerie: Jensen Interceptor (1971) Jensen Motors ist ursprünglich ein britisches Karosseriebauunternehmen, das vor allem Auftragsarbeiten für Großserienhersteller übernimmt. Seit den 1950er-Jahren fertigt Jensen unter anderem Karosserien für den Austin-Healey. Parallel dazu entstehen in kleiner Stückzahl Sportwagen unter eigenem Namen, die überwiegend auf Großserientechnik zurückgreifen. In den frühen 1960er-Jahren ist dies vor allem der Jensen C-V8, ein Oberklasse-Coupé mit Chrysler-V8-Motor. Der C-V8 bleibt wirtschaftlich erfolglos, was unter anderem an seiner von Eric Neale entworfenen Karosserie liegt, die als veraltet wahrgenommen wird. Ab 1964 beginnen bei Jensen Überlegungen zu einem Nachfolger des C-V8. Diese münden 1966 in die Vorstellung des Interceptor. Der Entwicklungsprozess ist von internen Konflikten geprägt. Auf der einen Seite stehen die Unternehmensgründer Richard und Alan Jensen, auf der anderen das Management der Norcros-Gruppe, die seit 1957 Mehrheitseigner ist. Maßgeblichen Einfluss auf das Projekt hat der Ingenieur Kevin Beattie, der seit 1960 bei Jensen arbeitet und zum Technischen Direktor aufsteigt. Jensen Interceptor (1971) Zunächst entsteht mit dem Projekt P66 ein Entwurf für einen kleineren Sportwagen unterhalb des C-V8. Dieses Konzept setzt sich jedoch nicht durch. Norcros hält das Fahrzeug für zu klein, Beattie kritisiert die konservative Gestaltung. Stattdessen fällt die Entscheidung für einen direkten Nachfolger des C-V8 im selben Marktsegment. Vorbild sind Wettbewerber wie Aston Martin oder Gordon-Keeble, die auf in Italien entworfene Karosserien setzen. Beattie beauftragt die Carrozzeria Touring in Mailand mit einem Design, parallel entstehen Entwürfe von Vignale und Ghia. Das Norcros-Management entscheidet sich für den Touring-Entwurf, obwohl die Jensen-Brüder und Designer Eric Neale diesen ablehnen. Infolge dieser Entscheidung verlassen Richard und Alan Jensen sowie Neale das Unternehmen. Der erste Prototyp entsteht bei Vignale und feiert im Oktober 1966 auf der Earls Court Motor Show seine Premiere. Der Interceptor bleibt elf Jahre in Produktion. In dieser Zeit entstehen rund 7.200 Fahrzeuge in drei Serien. Die Produktionsphase ist von wirtschaftlichen Problemen begleitet, insbesondere nach dem Wegfall des Austin-Healey-Auftrags. Anfang der 1970er-Jahre übernimmt der US-Unternehmer Kjell Qvale das Unternehmen. Die Produktion läuft weiter, ein direkter Nachfolger wird jedoch nicht entwickelt. Nach der ersten Ölkrise meldet Jensen 1975 Insolvenz an und stellt 1976 die Automobilproduktion ein. Jensen Interceptor (1971) Technisch unterscheidet sich der Interceptor deutlich vom C-V8. Die Karosserie besteht erstmals aus Stahl und nicht aus glasfaserverstärktem Kunststoff. Es gibt drei Karosserievarianten. Die wichtigste ist der zweitürige Saloon mit Fließheck und großer Panorama-Heckscheibe, die zugleich als Heckklappe dient und als "Goldfish Bowl" bekannt ist. Auf dieser Basis entstehen später ein Cabriolet sowie ein Stufenheckcoupé. Alle offenen und geschlossenen Sonderversionen basieren auf der dritten Serie. Das Chassis ist ein Rohrrahmen, ebenfalls von Kevin Beattie konstruiert. Vorn kommen Doppelquerlenker mit Schraubenfedern zum Einsatz, hinten eine Starrachse mit Blattfedern und Panhardstab. Als Motor verwendet Jensen durchgehend Chrysler-V8-Aggregate. Zunächst kommt ein 6,3-Liter-V8 mit 325 PS zum Einsatz, später ein 7,2-Liter-Motor mit 285 PS. Die Kraftübertragung erfolgt überwiegend über ein dreistufiges TorqueFlite-Automatikgetriebe; ein manuelles Vierganggetriebe bleibt eine seltene Ausnahme. Die erste Serie des Interceptor erscheint 1966 ohne Servolenkung und mit tief angebrachten Stoßstangen. Die zweite Serie folgt 1969 mit geänderter Front und höher montierten Stoßstangen. Ab 1971 läuft die dritte Serie vom Band, nun mit Leichtmetallrädern, geänderter Innenausstattung und größerem Motor. Verschärfte Abgasvorschriften führen trotz Hubraumerhöhung zu sinkender Leistung und eingeschränkter Fahrdynamik. Jensen Interceptor (1971) 1974 ergänzt Jensen das Programm um ein Cabriolet, das technisch dem Mk3 entspricht. Die Karosserie wird nur punktuell verstärkt, das Verdeck wird hydraulisch betätigt. Das Cabriolet richtet sich vor allem an den US-Markt und wird überwiegend als Linkslenker verkauft. Bis 1976 entstehen je nach Quelle zwischen 467 und 508 Exemplare. Die seltenste Variante ist das Coupé mit Stufenheck, das 1975 vorgestellt wird. Es basiert auf der Cabriolet-Karosserie und erhält ein festes Dach von Panther Westwinds. Bis zum Produktionsende entstehen 46 bis 54 Fahrzeuge. Verwandt mit dem Interceptor sind der Jensen FF, einer der ersten Pkw mit Allradantrieb sowie der Jensen SP. Letzterer nutzt einen 7,2-Liter-V8 mit drei Doppelvergasern und leistet bis zu 385 PS. Der hohe Verbrauch und der Wartungsaufwand begrenzen den Absatz. Insgesamt entstehen inklusive SP und Vorserienfahrzeugen 6.640 Jensen Interceptor und Derivate. Bildergalerie: Jensen FF (1967)