BMW-Fans, insbesondere jene, die auf besonders auffällige und schnelle Umbauten stehen, wissen: Tuner für Fahrzeuge aus München gibt es viele, und sie sind äußerst aktiv. Doch historisch gibt es einen Namen, der wie kaum ein anderer mit der Marke aus Bayern verbunden ist: AC Schnitzer. Der Veredler aus Aachen ist neben Alpina, das später allerdings als eigenständiger Hersteller galt und mittlerweile von BMW geschluckt wurde, seit jeher eng mit BMW verknüpft. Die Geschichte beginnt 1987 mit der Gründung durch Willi Kohl und Herbert Schnitzer und endet wohl in diesem Jahr endgültig. Nach fast vier Jahrzehnten Tätigkeit und nach einer Ausweitung des Angebots mit einzelnen Tuning-Kits auch für Mini und Toyota scheint AC Schnitzer nun vor dem Aus zu stehen. Das wäre eine schlechte Nachricht für die gesamte Tuning-Szene und für alle, die mit breiten Radhäusern, großen Spoilern und riesigen, auffälligen Leichtmetallrädern groß geworden sind. Deshalb blicken wir auf die Historie zurück und wählen die zehn schönsten und kuriosesten AC-Schnitzer-Modelle aus unserer Sicht. Hier ist unsere 40-jährige Zeitreise. 1987 – AC Schnitzer ACS7 Vielleicht ist sie nicht die bekannteste, schönste oder extremste Kreation von AC Schnitzer, doch die ACS7, die auf der IAA in Frankfurt 1987 debütierte, nimmt einen zentralen Platz in der Geschichte des Tuners ein. Sie ist praktisch das Erstlingswerk. AC Schnitzer ACS7 (1987) Basis ist die zweite Generation der BMW-7er-Reihe (E32), das damalige BMW-Flaggschiff. In der Variante 740i arbeitet ein 4,0-Liter-V8-Benziner unter der Haube, der 291 PS leistet. Die AC-Schnitzer-Kur fällt hier eher dezent aus: kleine Front- und Heckspoiler, Seitenschweller, leichte Alufelgen und seitliche Grafiken, dazu Updates für Fahrwerk, Spiegel und Lenkrad. 1989 – AC Schnitzer ACS3 Sport Wieder Frankfurt, diesmal 1989: Dort wird erstmals der AC Schnitzer ACS3 Sport gezeigt, basierend auf dem ersten BMW M3 (E30). AC Schnitzer ACS3 Sport (1989) Der frei saugende 16V-Vierzylinder wächst von 2,3 auf 2,4 Liter Hubraum, die Leistung steigt auf knapp 245 PS. Genannt werden 250 km/h Spitze und 6,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Zu den weiteren Änderungen zählen leichte AC-Schnitzer-Felgen, ein Fahrwerkskit, ein Endschalldämpfer aus Edelstahl, aerodynamische Außenspiegel und ein Einarm-Scheibenwischer. 1993 – AC Schnitzer ACS3 CLS Auch der BMW M3 der zweiten Generation (E36) entgeht AC Schnitzer nicht. Die deutsche Coupé-Ikone wird 1993 zum AC Schnitzer ACS3 CLS (Coupé Lightweight Silhouette). AC Schnitzer ACS3 CLS (1993) Der 3,0-Liter-Reihensechszylinder wird auf 320 PS gebracht. Dank einer Gewichtsreduzierung um 160 Kilogramm, passend zum Namen „Coupé Leichtbau Silhouette“, spurtet der CLS in 5,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und erreicht bis zu 275 km/h. Spezielle Fahrwerks-, Brems- und Radkomponenten gehören ebenso dazu wie ein Heckflügel aus Carbon, zahlreiche Karosserieteile aus Carbon und Kevlar, vordere Schalensitze (die Rückbank entfällt) sowie eine digital ausgelegte Rennsport-Instrumentierung. 2003 – AC Schnitzer V8 TOPSTER Extrem auffällig in Farben und Formen: der AC Schnitzer V8 TOPSTER von 2003. Das in Frankfurt präsentierte Konzept kombiniert eine zweifarbige Lackierung in Orange/Creme mit einem speziellen Widebody-Kit und einem Hardtop, das den Roadster zum Coupé macht – Jahre bevor BMW selbst eine entsprechende Variante anbot. AC Schnitzer V8 TOPSTER (2003) Die stark modifizierte Basis ist der BMW Z4 3.0i (E85). Unter der langen Haube arbeitet jedoch ausnahmsweise der 5,0-Liter-V8 aus dem damaligen BMW M5 mit 450 PS. Das Ergebnis dieses Einzelstücks: 305 km/h Höchstgeschwindigkeit und 4,5 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. 2005 – AC Schnitzer TENSION Ein weiteres extrem auffälliges und sehr schnelles Konzept ist die AC Schnitzer TENSION aus dem Jahr 2005. Sie ist eine radikale Interpretation des BMW M6 (E63) mit breitem und leichtem Karosseriekit sowie einem 5,0-Liter-V10, der auf 552 PS erstarkt. AC Schnitzer TENSION (2005) Carbon außen wie innen, ein umfangreiches Fahrwerks- und Bremsenpaket sowie eine Sportabgasanlage runden das Gesamtpaket ab. Damit sprintet die TENSION in 4,5 Sekunden von 0 auf 100 km/h und stellte seinerzeit mit 331,78 km/h auf der Teststrecke von Nardò den Rekord als schnellster BMW ihrer Zeit auf. 2007 – AC Schnitzer GP3.10 GAS POWERED AC Schnitzer hat in seiner fast 30-jährigen Laufbahn auch alternative Kraftstoffe ausprobiert, etwa mit der AC Schnitzer GP3.10 GAS POWERED von 2007, die mit Autogas (LPG) betrieben wird. AC Schnitzer GP3.10 GAS POWERED (2007) Auf dem Hochgeschwindigkeitsring in Nardò erreichte sie 318,1 km/h, damals ein Rekord für bivalente Autogas-Fahrzeuge. Neben dem Karosseriekit mit kleinem Dachspoiler, der Tieferlegung und den 20-Zoll-Rädern liegt das vor allem am 552 PS starken V10 unter der Haube des BMW 3er Coupé (E92), kombiniert mit einer sequenziellen LPG-Anlage und zwei Verdampfern, jeweils für fünf Zylinder. Der Sprint von 0 auf 100 km/h wird mit 4,5 Sekunden angegeben. 2009 – TUNE IT! SAFE! Police BMW 123d by AC Schnitzer Eine andere Antriebsart, ein anderer Show-Umbau: 2009 entsteht die TUNE IT! SAFE! Police BMW 123d by AC Schnitzer, basierend auf dem BMW 123d Coupé (E82) und umgesetzt mit Unterstützung der deutschen Polizei sowie des Verkehrsministeriums. Hintergrund ist das Motto: „Nur seriöses und sicheres Tuning bringt den erhofften Fahrspaß!“ TUNE IT! SAFE! Polizei-BMW 123d von AC Schnitzer (2009) Der Zweitürer mit 2,3-Liter-Turbodiesel, auf 241 PS erstarkt, und 6-Gang-Automatik verspricht 6,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h, aus Sicht der Initiatoren auch für Polizeiverfolgungen ausreichend. Dazu kommen wie gewohnt ein sportlich tiefergelegtes Fahrwerk, 18-Zoll-Räder vorn und 19-Zoll-Räder hinten sowie die vorgeschriebene Sondersignalanlage. 2013 – TUNE IT! SAFE! Police BMW 428i by AC Schnitzer Noch ein BMW Coupé, noch ein spezielles Polizei-Showcar: 2013 folgt die TUNE IT! SAFE! Police BMW 428i by AC Schnitzer, ein BMW 4er Coupé (F32), vorbereitet für den Einsatz bei den Ordnungskräften. TUNE IT! SAFE! Polizei-BMW 428i von AC Schnitzer (2013) Angetrieben wird er von einem 2,0-Liter-Turbovierzylinder mit 294 PS, kombiniert mit Hinterradantrieb und 8-Gang-Automatik. Auffällige 21-Zoll-Räder ergänzen das Paket. Für den Sprint von 0 auf 100 km/h werden 5,7 Sekunden genannt. 2017 – AC Schnitzer ACL2 Ein spektakuläres Einzelstück, aus dem später eine Kleinserie straßenzugelassener Fahrzeuge hervorgehen sollte, ist die AC Schnitzer ACL2 von 2017. Eine echte Track-Waffe, die auf der Nordschleife eine Rundenzeit von 7:25,8 Minuten schafft. AC Schnitzer ACL2 (2017) Als Basis dient die BMW M235i, das Coupé F22, nahezu ein rollender Katalog der AC-Schnitzer-Umbauten von vor über zehn Jahren. Los geht es beim 3,0-Liter-Reihensechszylinder, der auf 570 PS gebracht wird. Hinzu kommen Widebody-Karosserie, Sportbremsen, Sportfahrwerk, 20-Zoll-Räder und reichlich Carbon. Das Ergebnis: 330 km/h Spitze und 3,7 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. 2025 – BMW M5 G99 by AC SchnitzerMit einem kleinen Zeitsprung landen wir im Jahr 2025 bei dem, was möglicherweise die letzte große Kreation des Aachener Tuners vor einer möglichen Schließung sein könnte. Gemeint ist der BMW M5 G99 by AC Schnitzer auf Basis des neuesten BMW M5 Touring (G99). BMW M5 G99 von AC Schnitzer (2025) Herzstück ist der 4,4-Liter-V8-Biturbo als Plug-in-Hybrid, der auf 810 PS gebracht wird. Aerodynamik-Kit, Tieferlegung und 22-Zoll-Räder machen den ohnehin schon brachialen Kombi aus Bayern noch extremer. Höchstgeschwindigkeit und 0–100-Zeit werden offiziell nicht genannt, sollen aber die 305 km/h und 3,5 Sekunden des Serienmodells leicht unterbieten. Bildergalerie: AC Schnitzer: die schönsten Autos aus 40 Jahren