Im Jahr 2009 prognostizierte der damalige CEO des FCA-Konzerns, Sergio Marchionne, die Finanzkrise werde weltweit nur sechs globale Automobilhersteller übrig lassen. Seinerzeit steckte die Weltwirtschaft infolge der Probleme in den USA und im Bankensystem in einer schweren Krise. In jenem Jahr standen die großen Hersteller aus Detroit kurz davor, zu verschwinden. Marchionne zufolge hätten die Unternehmen, die die Krise überstehen, mindestens 6 Millionen Fahrzeuge pro Jahr verkaufen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Heute, 16 Jahre später, hat sich die Realität grundlegend verändert. Die Branche hat sich konsolidiert – und es ist ein neuer Akteur aufgetaucht, den damals kaum jemand auf dem Zettel hatte: China. Doch wer kommt heute tatsächlich auf 6 Millionen Einheiten pro Jahr? Wer die 6-Millionen-Marke erreicht – und wer nah dran ist Im Jahr 2025 haben nur drei Automobilhersteller die Marke von 6 Millionen Fahrzeugen überschritten: Toyota, der Volkswagen-Konzern sowie Hyundai-Kia. Es gibt jedoch viele weitere Hersteller, die weiterhin aktiv sind, aber geringere Volumina erreichen. Darunter zum Beispiel Renault-Nissan mit gut 2,3 Millionen Einheiten. Besonders fällt dabei Stellantis auf: der weltweit viertgrößte Automobilkonzern, der im vergangenen Jahr rund 5,5 Millionen Fahrzeuge verkauft hat. Trotz Marchionnes ambitionierter Ziele – für den Fiat-Chrysler-Konzern peilte er bereits 2014 5,9 Millionen an – sah die Realität anders aus: 2014 setzte die Gruppe 4,61 Millionen Einheiten ab. Stellantis ist heute der westliche Konzern, der der 6-Millionen-Marke am nächsten kommt – noch vor jedem chinesischen Hersteller. Von diesen überschritt BYD, Chinas größter Hersteller, 2025 die Marke von 4,5 Millionen Fahrzeugen. Im Heimatmarkt wächst BYD eher langsam, gleicht das aber durch die Expansion ins Ausland aus – unter anderem mit dem Aufbau lokaler Produktionen in Brasilien, Ungarn und der Türkei. Von 10 Millionen auf 5,5 Millionen Einheiten: Globale Verkäufe von Stellantis in den letzten 20 Jahren Der aussichtsreichste Kandidat, der das Ziel als Erster erreichen könnte, ist jedoch Geely. Der Konzern (zu dem etwa Volvo gehört) wächst in China schneller als BYD und hat international größere Spielräume. Selbst ohne Europa betrachtet, steigerte Geely 2025 die weltweiten Verkäufe um 28 % und zog damit an Honda, Suzuki und Nissan vorbei. Jüngere Kooperationen mit westlichen Herstellern festigen die Position zusätzlich. Auf westlicher Seite könnten GM, Ford oder Honda die Marke nur über Fusionen oder strategische Allianzen erreichen. Ihre aktuelle Ausgangslage ist nicht besonders stark und hängt auch vom politischen Umfeld sowie von der Fähigkeit ab, mit chinesischen Wettbewerbern zu kooperieren. Angesichts steigender Kosten für Forschung und Entwicklung sowie für die Transformation zur Elektromobilität bleibt Marchionnes 6-Millionen-Ziel relevant – und dringlicher denn je. Wer diese Schwelle erreicht, hat bessere Chancen, als unabhängiger Akteur im Markt zu bestehen. Der Autor des Artikels, Felipe Munoz, ist Analyst mit Schwerpunkt Automobilindustrie und Content Creator von Car Industry Analysis in den sozialen Medien.