Anfang 2025 hatte der Chef der US-Umweltbehörde EPA (Environmental Protection Agency), Lee Zeldin, bereits angedeutet, dass man die Abschaffung der automatischen Start-Stopp-Funktion prüfe. Eine Technik, die entwickelt wurde, um Verbrauch und Emissionen in Standphasen zu senken – die im Alltag aber viele Autofahrer als störend empfinden. Im Februar 2026 wird aus der damaligen Spekulation Realität: Die US-Umweltbehörde kündigte eine weitreichende Deregulierung an, die de facto die regulatorischen Anreize rund um Start-Stopp streicht. Das Ergebnis: Die Technik verschwindet nicht, wird aber nicht länger durch Bundesvorgaben aktiv gefördert. Die EPA bezeichnete den Schritt als "die größte Deregulierungsmaßnahme in der Geschichte der Vereinigten Staaten". Das Paket sieht eine Zurücknahme verschiedener Emissionsstandards in den USA vor, die von früheren Regierungen eingeführt worden waren – darunter auch die sogenannten "Off-Cycle"-Credits. Dabei handelt es sich um Punkte bzw. Gutschriften, die Hersteller bislang für den Einsatz von Technologien zur Senkung von Verbrauch und Emissionen erhalten konnten – einschließlich Start-Stopp. Diese Systeme schalten den Motor im Stand automatisch ab und starten ihn beim Anfahren wieder, um den Verbrauch im Stau und im Stadtverkehr zu reduzieren. Mit der neuen Regel werden diese Credits gestrichen. Praktisch bedeutet das: Hersteller haben keinen regulatorischen Vorteil mehr, Start-Stopp in neuen Modellen zu verbauen. Laut Zeldin ist die Entscheidung Teil einer umfassenderen Überarbeitung der bundesweiten Umweltpolitik: "Das Endangerment Finding war 16 Jahre lang die Quelle von Einschränkungen der Wahlfreiheit der Verbraucher und von versteckten Kosten in Höhe von mehreren Billionen US-Dollar für die Amerikaner." Start-Stopp wird damit nicht verboten. Die Hersteller können die Funktion weiterhin anbieten – aber nur, wenn sie sie aus technischer oder kommerzieller Sicht für sinnvoll halten. BMW X7 xDrive40i 2023 Die Maßnahme richtet sich im Kern an US-Hersteller und ist auch vor diesem Hintergrund zugeschnitten – betrifft aber unmittelbar zudem mehrere europäische Marken mit Produktion in den USA. Besonders ins Auge fallen dabei deutsche Hersteller, die seit Jahren lokale Werke betreiben, um den nordamerikanischen Markt zu bedienen. Für diese Modelle könnte das Ende der Start-Stopp-Anreize mehr Spielraum bei der Konfiguration von US-Versionen bedeuten: BMW – Werk Spartanburg: X3, X4, X5, X6, X7Es ist das größte BMW-Werk weltweit und produziert vor allem SUV der oberen Mittel- und Oberklasse. Mercedes‑Benz – Werk Tuscaloosa: GLE, GLS, EQE SUV, EQS SUVHier entstehen Luxus-SUV sowohl für den US-Markt als auch für den globalen Export. Volkswagen – Werk Chattanooga: Atlas, Atlas Cross Sport, ID.4 für den nordamerikanischen Markt Volvo – Werk Charleston: EX90, Polestar 3 Was ist der reale Effekt? In der Praxis dürfte die Wirkung allerdings kleiner ausfallen als zunächst erwartet. Viele in den USA gebaute Premium-SUV, insbesondere von BMW und Mercedes, nutzen bereits komplexe oder elektrifizierte Antriebsstränge, in denen Start-Stopp in die Motorsteuerung integriert ist (und damit nicht einfach abschaltbar). Zudem wird ein großer Teil dieser Modelle auch nach Europa oder in andere Märkte mit strengeren Vorgaben exportiert. Das bedeutet: Die Plattformen bleiben global; Start-Stopp wird für europäische Varianten weiterhin nötig sein, und die Hersteller könnten die Funktion auch in den USA beibehalten, um die Produktion zu vereinfachen. Mercedes GLE 2023 Auch aus industrieller Sicht wirkt die Entscheidung vor allem symbolisch. In den USA war Start-Stopp nie eine direkte Pflicht. Die Hersteller setzten die Funktion ein, um Emissionsgutschriften zu erhalten und die landesweiten Verbrauchsziele zu erfüllen. Mit dem Wegfall dieser Credits entzieht die EPA den Anreiz, schreibt aber weder etwas vor noch verbietet sie es. Deshalb sehen viele Beobachter die Maßnahme als Teil einer breiter angelegten Strategie zur Reduzierung von Umweltauflagen – weniger als Schritt mit unmittelbar technischen Auswirkungen auf die Autos. Was ändert sich für Autofahrer? Kurzfristig vermutlich wenig. Hersteller werden nicht mehr dafür belohnt, Start-Stopp in jedem Modell zu verbauen, dürften es aber aus technischen Gründen, wegen der Plattform oder für den Export weiterhin tun. In anderen Fällen könnte die Funktion optional werden oder bei Varianten, die ausschließlich für den US-Markt gedacht sind, ganz entfallen. Unterm Strich wurde die Technik nicht verboten – sie hat lediglich den regulatorischen Rückenwind verloren, der ihre Verbreitung in den vergangenen Jahren begünstigt hat. Wie groß der Effekt wirklich ist, zeigt sich erst mit den nächsten Modellgenerationen.