Mit einer grenzüberschreitenden Demonstrationsfahrt setzt Milence ein deutliches Signal für die Transformation des europäischen Straßengüterverkehrs. Im Rahmen der „Power to Go Further Tour“ legt ein Konvoi batterieelektrischer Schwerlast-Lkw eine rund 1.000 Kilometer lange Strecke von Paris nach Berlin zurück – und demonstriert unter realen Bedingungen die Einsatzfähigkeit emissionsfreier Transportlösungen im Fernverkehr. Die Initiative wird von einem breiten Bündnis aus Industrieakteuren getragen. Fahrzeuge von Daimler Truck, MAN, Volvo Trucks und Renault Trucks kommen ebenso zum Einsatz wie die Ladeinfrastruktur von Milence. Das Joint Venture von Daimler Truck, TRATON Group und Volvo Group verfolgt das Ziel, ein europaweites Hochleistungs-Ladenetz für den Schwerlastverkehr aufzubauen und damit die Grundlage für skalierbare Elektromobilität im Logistiksektor zu schaffen. Elektrischer Transportkorridor als Praxisbeweis Die Route der Tour führt über mehrere Länder und nutzt ausschließlich Ladepunkte entlang bestehender Milence-Hubs in Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Deutschland. Damit wird einer der ersten durchgehend nutzbaren elektrischen Transportkorridore Europas im Realbetrieb abgebildet. Solche Korridore sind ein zentraler Baustein für die Elektrifizierung des Fernverkehrs. Sie ermöglichen planbare Langstreckenfahrten, reduzieren Reichweitenunsicherheiten und schaffen die infrastrukturelle Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Betrieb von Elektro-Lkw im Alltag. Sechs der genutzten Ladeparks wurden im Rahmen der europäischen AFIF-Förderung kofinanziert. Parallel zur Demonstrationsfahrt schließen sich weitere Transportunternehmen dem Konvoi an. Ihr Einsatz unter realen Bedingungen unterstreicht die zunehmende Marktreife elektrischer Nutzfahrzeuge und zeigt, dass der Übergang vom Pilotprojekt in den Regelbetrieb bereits begonnen hat. Wirtschaftlichkeit von Elektro-Lkw rückt in den Fokus Ein zentrales Argument für die Elektrifizierung ist die Gesamtbetriebskostenrechnung. Die im Rahmen der Tour erhobenen Daten zeigen, dass Elektro-Lkw im Fernverkehr bereits heute mit Dieselmodellen konkurrieren können. Die Betriebskosten liegen bei knapp unter einem Euro pro Kilometer und damit leicht unter dem Niveau konventioneller Antriebe. Neben den reinen Energiekosten gewinnen Aspekte wie Preisstabilität und Planbarkeit an Bedeutung. Elektrische Energie unterliegt geringeren Preisschwankungen als fossile Kraftstoffe, was insbesondere für Logistikunternehmen mit langfristigen Kalkulationen relevant ist. Politische Instrumente wie CO₂-Bepreisung und Mautvergünstigungen verstärken die wirtschaftlichen Vorteile zusätzlich. Beitrag zur Energiesicherheit und Dekarbonisierung Die Elektrifizierung des Straßengüterverkehrs ist eng mit der europäischen Energie- und Klimapolitik verknüpft. Angesichts volatiler Energiepreise und geopolitischer Unsicherheiten gewinnt die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Importen an strategischer Bedeutung. Elektro-Lkw bieten hier einen doppelten Vorteil: Sie senken die CO₂-Emissionen signifikant und ermöglichen gleichzeitig den Einsatz erneuerbarer Energien. Auf der Strecke Paris–Berlin können pro Fahrzeug Einsparungen von bis zu 1,47 Tonnen CO₂ erzielt werden, sofern grüne Energie genutzt wird. Ladeinfrastruktur als Schlüssel für den Markthochlauf Der Ausbau der Ladeinfrastruktur bleibt die zentrale Voraussetzung für die Skalierung. Milence betreibt derzeit 33 Ladehubs in acht europäischen Ländern und treibt den Aufbau eines flächendeckenden Netzes entlang wichtiger Logistikachsen voran. Bereits heute entstehen zentrale Verbindungen wie Paris–Amsterdam, Antwerpen–Stockholm oder Berlin–Stuttgart. Ein entscheidender technologischer Fortschritt ist die Einführung von Megawatt-Ladesystemen (MCS), die deutlich kürzere Ladezeiten ermöglichen und die Einsatzfähigkeit im Fernverkehr weiter erhöhen. Erste Standorte sind bereits in Betrieb. Regulatorische Hürden bremsen Tempo Trotz der positiven Entwicklung bleibt die politische Fragmentierung innerhalb Europas eine Herausforderung. Unterschiedliche nationale Regelungen, langsame Genehmigungsverfahren und komplexe Netzanschlüsse verzögern den Ausbau der Infrastruktur und damit die flächendeckende Einführung emissionsfreier Transportlösungen. Für eine beschleunigte Transformation sind koordinierte Maßnahmen auf EU-Ebene erforderlich. Einheitliche Rahmenbedingungen könnten dazu beitragen, bestehende Fortschritte schneller in die Breite zu tragen. Saubere Transportkorridore als Rückgrat der Transformation Die „Power to Go Further Tour“ zeigt, dass elektrischer Straßengüterverkehr im Fernbereich keine Zukunftsvision mehr ist, sondern zunehmend Realität wird. Saubere Transportkorridore entwickeln sich dabei zum entscheidenden Hebel: Sie verbinden Infrastruktur, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit zu einem funktionierenden Gesamtsystem. Damit rücken Elektro-Lkw in eine Schlüsselrolle für die Zukunft der Logistik in Europa – sowohl im Hinblick auf Klimaziele als auch auf Wettbewerbsfähigkeit und Energiesicherheit. Bilder: Milance