Eine aktuelle Umfrage des europäischen Campingspezialisten ACSI unter 6.800 Wohnwagenbesitzern aus Deutschland und den Niederlanden zeigt, dass sich die Antriebstrends im Alltag und im Caravaning deutlich unterscheiden. Während elektrifizierte Antriebe im Pkw-Markt zunehmend an Bedeutung gewinnen, bleibt beim Ziehen von Wohnwagen der Diesel weiterhin klar dominierend. In Deutschland nutzen mehr als 76 Prozent der Befragten ein Diesel-Fahrzeug als Zugwagen. Benziner kommen auf knapp 16 Prozent. Elektrifizierte Antriebe spielen hingegen bislang nur eine Nebenrolle: Reine Elektroautos erreichen lediglich einen Anteil von 1,5 Prozent, Plug-in-Hybride liegen bei rund vier Prozent. Damit steht das Nutzungsverhalten in deutlichem Kontrast zu den allgemeinen Neuzulassungen, bei denen elektrifizierte Fahrzeuge inzwischen einen erheblichen Anteil ausmachen. Bildergalerie: Dethleffs c.fold (2026) Wohnwagen mit Klappmechanismus Ein Vergleich mit den Niederlanden zeigt, dass politische Rahmenbedingungen das Antriebsverhalten beeinflussen. Dort liegt der Dieselanteil bei nur 13 Prozent, was unter anderem auf die vergleichsweise hohe Besteuerung zurückzuführen ist. Stattdessen dominieren Benziner mit 55 Prozent sowie Hybridmodelle mit 29 Prozent. Der Anteil rein elektrischer Zugfahrzeuge ist mit 1,8 Prozent ähnlich niedrig wie in Deutschland. Als Hauptgrund für die geringe Verbreitung von Elektroautos im Caravaning nennen mehr als 80 Prozent der Befragten die begrenzte Reichweite im Anhängerbetrieb. Zusätzlich sehen 54 Prozent die Anschaffungskosten als Hürde. Ein weiteres strukturelles Problem betrifft die Ladeinfrastruktur: 51 Prozent kritisieren, dass Schnellladestationen in der Regel nicht auf Gespanne ausgelegt sind. Es fehlen häufig längs angeordnete Stellplätze, sodass ein Abkuppeln des Wohnwagens notwendig wäre, was im Reisealltag als unpraktisch gilt. Noch selten: Ein Elektroauto als Zugfahrzeug für einen Wohnwagen Gleichzeitig zeigen sich erste Anpassungen in der Campingbranche. Mehr als jeder fünfte Campingplatz in Europa verfügt laut ACSI bereits über eigene Ladepunkte. Damit entsteht zumindest am Zielort eine gewisse Grundversorgung für Elektro- und Plug-in-Hybridfahrzeuge. Neben infrastrukturellen Aspekten spielt auch das Vertrauen in die Technik eine Rolle. Zwei von fünf Befragten äußern Zweifel an der Haltbarkeit und Leistungsfähigkeit von Batterien im Anhängerbetrieb. Rund ein Drittel steht elektrischen Zugfahrzeugen insgesamt skeptisch gegenüber. Diese Einschätzungen deuten weniger auf konkrete technische Einschränkungen als auf ein Informations- und Erfahrungsdefizit hin. Bei den Fahrzeugtypen dominieren in Deutschland SUVs und große Kombis. Zu den am häufigsten genutzten Modellen zählen unter anderem der VW Tiguan, Ford Kuga, Mazda CX-5, Mercedes GLC, Skoda Kodiaq, Kia Sorento und Volvo XC60 sowie klassische Kombis wie VW Passat und Mercedes C- und E-Klasse. Skoda Kodiaq Mercedes-Benz E-Klasse T-Modell (2023) Im Markenranking liegt Volkswagen mit 18 Prozent vorn, gefolgt von Mercedes mit 13 Prozent und Ford mit 12 Prozent. Auffällig ist die vergleichsweise starke Position von Ford, gemessen am allgemeinen Pkw-Bestand. Dahinter folgen Skoda mit sechs und BMW mit fünf Prozent. Opel und Audi erreichen jeweils drei Prozent. Entscheidend für die Wahl des Zugfahrzeugs sind vor allem funktionale Kriterien. 79 Prozent der Befragten nennen Zuverlässigkeit als wichtigsten Faktor, dicht gefolgt von der Anhängelast mit 77 Prozent. Komfort (62 Prozent), Kraftstoffverbrauch (54 Prozent) und Anschaffungspreis (41 Prozent) spielen ebenfalls eine zentrale Rolle. Aspekte wie Markenimage oder Empfehlungen aus dem persönlichen Umfeld haben hingegen nur geringen Einfluss auf die Kaufentscheidung. ACSI wurde 1965 gegründet und hat seinen Sitz im niederländischen Andelst. Das Unternehmen ist auf die Bereitstellung von Campinginformationen spezialisiert. Rund 400 Inspektoren prüfen jährlich etwa 10.000 Campingplätze in Europa, darunter mehr als 1.000 in Deutschland.