Nissan befindet sich in der Krise. Die Probleme des Konzerns sind gut dokumentiert, doch CEO Ivan Espinosa hat einen Plan, um das Ruder herumzureißen. Auf dem diesjährigen Ausblick-Event "Nissan Vision" am Unternehmenssitz in Yokohama, Japan, nannte der Autobauer neue Details dazu, wie er den Kurs korrigieren will. Wie bei vielen Themen im Jahr 2026 beginnt auch hier alles mit künstlicher Intelligenz. Darüber hinaus will Nissan neue Hybridtechnik einführen, frische Modelle in wichtigen Segmenten bringen und das Portfolio auf das Wesentliche verschlanken. Bildergalerie: Nissan-Produktstrategie 2026 Wir haben uns mit Nissan in Yokohama zusammengesetzt, um mehr über die Pläne für die kommenden Jahre zu erfahren. Das sind die wichtigsten Erkenntnisse. Künstliche Intelligenz: Fahrerassistenz der Zukunft Nissan will den KI-Boom mit einer Lösung nutzen, die der Hersteller "AI Drive Technology" nennt – kurz AIDT. Konkrete Details bleiben noch etwas vage, doch Nissan sagt, AIDT werde auf den bestehenden Fahrerassistenzsystemen – etwa ProPilot – aufbauen, um ein gleichmäßigeres, fortschrittlicheres teilautomatisiertes Fahrerlebnis zu ermöglichen. Langfristig will Nissan die AI Drive Technology in 90 Prozent der Modellpalette bringen. Das erste Fahrzeug mit dem System soll der für Japan bestimmte Van Elgrand sein, dessen neue Generation noch im Laufe dieses Jahres debütieren soll. KI-unterstützte ProPilot-Funktionen sollen dann 2027 folgen. Elektrifizierung: längst überfällig 2027 Nissan Rogue / X-Trail E-Power Hybrid Im Vergleich zu einigen Wettbewerbern hat Nissan Hybridtechnik – insbesondere in den USA – lange zögerlich eingeführt. Das soll sich nun ändern. Heute gibt der Hersteller einen ersten Ausblick auf den neuen Rogue Hybrid (zusammen mit dem globalen X-Trail) für 2027, angetrieben vom neuesten E-Power-System der Marke. Konkrete Daten zu diesem Modell bleiben zwar noch begrenzt, doch der Rogue soll Nissans E-Power-Hybridsystem der dritten Generation nutzen und das erste E-Power-Modell für den US-Markt sein. Nissan nannte zuvor für das neue System einen thermischen Wirkungsgrad von 42 Prozent – und läge damit knapp über den 41 Prozent, die Toyota und Hyundai angeben. Xterra: Bloß nicht "Comeback" nennen 2028 Nissan Xterra-Teaser Endlich, die Rückkehr, auf die viele Käufer in den USA gewartet haben: der neu aufgelegte Nissan Xterra. Der Hersteller hatte das Comeback des SUV lange angedeutet und in den vergangenen Monaten still und leise einzelne Informationen veröffentlicht. Jetzt gibt es die offizielle Bestätigung – und den ersten offiziellen Blick auf das Modell. Technische Daten hält Nissan weiterhin unter Verschluss, doch der neue Xterra soll für die USA und Kanada als sogenanntes "Heartbeat"-Modell fungieren – Teil eines erneuerten strategischen Fokus. Wie Nissan bestätigt, setzt der SUV auf Leiterrahmenbauweise und ein speziell darauf ausgelegtes Design. In einem früheren Interview deutete ein Nissan-Sprecher an, dass der Xterra möglicherweise auf die bei einigen Rivalen üblichen Hybrid-Vierzylinder verzichten und stattdessen auf einen Saugmotor-V6 setzen könnte. Ein Handschaltgetriebe gilt als unwahrscheinlich, doch der SUV soll sehr geländetauglich ausfallen – mit Rivalen wie dem Ford Bronco und dem Toyota 4Runner klar im Visier. Verschlankung des Portfolios Im Rahmen der übergeordneten Strategie will Nissan sein globales Angebot von mehr als 60 Modellen auf rund 45 Fahrzeuge über die Marken Nissan und Infiniti hinweg reduzieren. Schwächer laufende Modelle – wie der Versa – sollen auslaufen, die Ressourcen sollen an anderer Stelle eingesetzt werden. Nissan-Produktstrategie 2026, der neue Juke parkt vorne in Gelb Essenzielle "Core"-Modelle, darunter der Rogue und andere stark nachgefragte SUV wie etwa der Qashqai in Europa, sollen etwa 80 Prozent des Absatzes ausmachen. Den Rest sollen emotionale "Heartbeat"-Modelle wie der Xterra, "Growth"-Modelle wie der neue globale Juke sowie verschiedene "Partner"-Modelle abdecken. Nissan will das durchschnittliche Volumen pro Modell um mehr als 30 Prozent steigern – mit dem Ziel, bis 2030 in den USA und Kanada eine Million Fahrzeuge pro Jahr zu verkaufen. In Japan strebt das Unternehmen im selben Zeitraum 550.000 Einheiten an. Wie CEO Ivan Espinosa anmerkt: "Dies ist der richtige Zeitpunkt, Nissans langfristige Vision zu formulieren, während wir über den Re:Nissan-Recovery-Plan hinausgehen und einen klaren Weg für die Zukunft festlegen. Unsere Vision definiert, wohin Nissan steuert – mit dem Kundenerlebnis als leitender Priorität. Indem wir Mobilitätsintelligenz weiterentwickeln, liefern wir intuitive, fortschrittliche und zuverlässige Produkte und Technologien, die einen herausragenden Gegenwert bieten und bereichern, wie Mobilität erlebt wird." Nun denn. KI hin oder her: Wenn Nissan die Grundlagen sauber hinbekommt und das Portfolio wieder auf das Wesentliche reduziert, könnte die angeschlagene Marke eher früher als später eine Trendwende schaffen.