Irgendwie will man es nicht so recht glauben, aber die fünfte Generation des Seat Ibiza bewegt sich seit 2017 auf unseren Straßen. Der kompakte Spanier geht also bereits in sein neuntes Jahr. Und damit das nicht allzu angestaubt angebrochen wird, erhält der Polo-Bruder sein zweites Facelift. Schon 2021 wurde ein wenig aufgefrischt, jedoch nicht so sehr an der Optik des Dauerbrenners, der seit 1984 im Kompaktsegment um Käufer buhlt. Jetzt bekommt der Seat Ibiza Überarbeitungen an Front, Heck und im Innenraum. Bildergalerie: Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest An der Motorenpalette ändert sich nichts: Zur Auswahl stehen weiterhin 1,0-Liter-TSI-Motoren mit 59 kW (80 PS), 70 kW (90 PS) und 85 kW (116 PS). Letzteren gib es auch als Automatik mit 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) als Ibiza Style. Hinzu gesellen sich die sportlichen FR-Varianten. Und genau für den ist dann auch ein 1,5-Liter-TSI mit 110 kW (150 PS) erhältlich. Dieses Aggregat beschleunigt den 1.231 Kilo leichten Seat Ibiza FR in 8,1 Sekunden auf 100 km/h. Wer will, kann mit dem kleinen Spanier mit 220 km/h über die Autobahn zischen. Wir haben das Paket mal kurz durch das verschneite Randgebiet im Bochumer Süden gescheucht. Schnelle Daten SEAT Ibiza FR 1.5 TSI (2026) Antrieb 1,5-Liter-TSI - Frontantrieb Getriebe 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe (DSG) Systemleistung / Drehmoment 110 kW (150 PS) / 250 Nm 0 - 100 km/h 8,1 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 220 km/h Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission 5,7 Liter / 128 g/km Basispreis 30.100 Euro Karosserie und Design | Innenraum | Fahrbericht | Preise und Konkurrenz | Fazit Karosserie und Design Die Veränderungen am Seat Ibiza fallen vor allem an der Front auf. Ein neu geformter sechseckiger Kühlergrill und die überarbeiteten Voll-LED-Scheinwerfer verändern die Optik des Kompakten. Eine modifizierte Frontstoßstange passt die Dynamik der Formsprache weiter an. Als ein Ibiza-Fahrer aus meinem Freundeskreis die Front als zu sehr nach Opel aussehend moniert, muss ich herzlich lachen. Doch es stimmt! Der nicht mehr trapezförmige, sondern sechseckige Kühlergrill und diese neu geformte untere Ecke an den Scheinwerfern erinnern zuweilen an den ersten Opel Corsa F, der noch ohne den markanten Vizor daherkam. Schauen sie selbst: Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest Opel Corsa-e (2020) im Test Auch wenn der Ibiza an der Front ein wenig Eigenständigkeit verloren hat, bleibt seine Linienführung klassisch kompakt. Fast möchte man von "zeitlosem Design" sprechen, zumindest am Heck. Denn das steht mit neuem Stoßfänger, abgesetztem Diffusor und schwarzen Schriftzügen so knackig wie immer da. Die neuen optionalen 18-Zöller geben dem spanischen Heißsporn schön ausgefüllte Radhäuser mit auf den Weg. Das vorwiegend schwarze Design setzt sich als netter Kontrast vom knalligen Rotton ab. Das ist trotz der Annäherung an den ersten Corsa F insgesamt noch immer keilförmig schick. Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest Bilder von: Motor1.com Deutschland Innenraum Im Innenraum bleibt der Seat Ibiza weitestgehend gleich. Nüchterne, funktionale Armaturen, etliche physische Bedienelemente, eine klassische Handbremse und der Automatikwählhebel sorgen für unmittelbare Orientierung. Die Schalensitze im FR lassen ein wenig Rennstreckenspirit aufkommen, ohne unkomfortabel zu wirken. Seitenhalt und Sitzkomfort sind bei jedem Fahrmanöver, das der Ibiza mitmacht, gegeben. Das Infotainment wirkt nicht überladen und ist daher schnell zu durchblicken. Wer eher auf seine vertraute Umgebung setzt, fährt mit kabelloser Android-Auto- oder Apple-Carplay-Anbindung. Sollen noch Menschen auf der Rückbank Platz finden, dürfen auch die vorderen Passagiere nicht allzu lange Beine haben. Im Fond ist der Raum bei weit zurückgeschobenen Sitzen äußerst begrenzt. Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest Bilder von: SEAT Der Kofferraum wirkt optisch zwar äußerst sparsam, soll aber immerhin 355 Liter bereitstellen. Zum Vergleich: auch VW Polo (351 Liter), Opel Corsa (309 Liter) und Hyundai i20 (352 Liter) bieten nicht mehr oder gar wesentlich weniger. Zudem kann für den Transport auf 1.165 Liter aufgerüstet werden. Qualitativ wirkt der Materialmix auf den ersten Blick gelungen. Seat verzichtet zudem auf Hochglanzoptik und setzt lieber auf einen insgesamt matten Look. Das kommt der Kratzanfälligkeit zugute. Zudem fasst sich hier auch haptisch alles ordentlich an. Abmessungen SEAT Ibiza FR 1.5 TSI (2026) Länge x Breite x Höhe 4.059 x 1.780 x 1.447 mm Radstand 2.564 mm Kofferraumvolumen 355 - 1.165 Liter Leergewicht 1.231 kg Zuladung 564 kg Max. Anhängelast 1.200 kg Max. Stützlast 50 kg Fahrbericht Zum Glück bleibt der Seat Ibiza weiterhin übersichtlich. Denn die Auflösung der Rückfahrkamera ist bei aktuellen Standards nicht sehr glücklich gelungen. Das Bild zeigt sich matschig und unscharf. Gelungen ist hingegen der Vortrieb des Kompakten. Nach kurzer Grip-Suche stürmt der FR freudig gen 70-80 km/h. Erst dann beruhigt er sich, garantiert aber weiterhin ordentliche Beschleunigungswerte bis rund 180 km/h. Auf Seiten des Fahrwerks schluckt der kleine Spanier Unebenheiten selbstbewusst weg. Selbst im Sport-Modus wirkt der sportlich ausgelegte Ibiza nie zu hart. Bei Lastwechseln lehnt er sich dynamisch nach außen, um weiterhin Grip in schwierigen Straßenlagen zu garantieren. Das Ding hier ist wendig und quicklebendig, aber niemals unbeherrschbar. Im Rahmen seiner Möglichkeiten ist der Ibiza FR ein spaßiger kleiner Kompakter, ohne mit übertriebenen Leistungszahlen angeben zu müssen. Schuld an seiner Leichtigkeit ist vor allem sein Gewicht. Bei 1.231 Kilo braucht es eben auch keine Autoquartett-Siegerzahlen, um Spaß zu vermitteln. Vor allem weil das Doppelkupplungsgetriebe schnell und angenehm mitarbeitet und nach rasant genommenen Passagen eine höhere Drehzahl beibehält, weil ... es könnte ja noch was kommen. Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest Seat Ibiza FR (2026) im Kurztest Bilder von: SEAT In den Modi Sport, Normal und Eco machen sich zudem wahrnehmbare Unterschiede bemerkbar. So setzt der Ibiza im Eco-Modus eher auf schnelles hochschalten und weniger Leistung. Zudem vermittelt er damit auch auf schneebedeckter Fahrbahn ein sicheres Handling. Insgesamt kommen dem kleinen Heißsporn die unterschiedlichen Modi beim Verbrauch zugute. Nach der kurvigen Berg- und Talfahrt im Sportmodus standen auf unserer Testrunde kurzzeitig 8,4 Liter auf dem Display. Nach der kompletten Runde mit weiteren Autobahnanteilen, ökonomisch gefahren Sektionen und im Schneefall, senkte sich der Verbrauch auf 6,3 Liter. Die angegebenen 5,7 Liter sind also durchaus im Rahmen des Möglichen. Preise und Konkurrenz Wirklich günstig ist der Seat Ibiza nur als 1,0-Liter MPI mit 59 kW (80 PS) und 5-Gang-Schaltgetriebe. Hier geht es bei 19.650 Euro los. Wer in den Genuss der sportlichen FR-Version kommen will, hat mehrere Optionen: Zur Auswahl stehen hier ein 1,0-Liter-TSI mit 70 kW (95 PS) und 5-Gang-Schaltgetriebe (25.750 Euro), ein 1,0-Liter-TSI mit 85 kW (116 PS) kombiniert mit 6-Gang-Schaltgetriebe (26.850 Euro) oder 7-Gang-DSG (28.300 Euro) und der von uns gefahrene 1,5-Liter-TSI mit 110 kW (150 PS) mit 7-Gang-DSG (30.100 Euro). Einen vergleichbaren VW Polo R-Line gibt es derzeit nicht. Der kräftigste Wolfsburger hat 116 PS. Außer man greift direkt zum Polo GTI ab 35.980 Euro. Ein Opel Corsa GS steht mit 145 Hybrid-PS ebenfalls bei 30.400 Euro. Ein Hyundai i20 N-Line wäre mit seinem härteren Fahrwerk eine konsequentere und günstigere Alternative gewesen. Doch der scheint derzeit nicht mehr bestellbar zu sein. Der neue Skoda Fabia 130 (35.530 Euro) wäre ebenfalls eine teurere, aber flottere Alternative. Fazit: 8/10 Zum Abschluss möchte ich dann auch unseren hochgeachteten Chefredakteur zitieren, der mit seinen ausgewählten Worten immer den richtigen Ton trifft: "Mit nem Ibiza macht man nicht viel verkehrt." Würde der Ibiza-fahrende Mensch aus meinem Freundeskreis mit seinem 2019er "FRibiza" ebenso bestätigen. Und wenn es dann wirklich die sportliche Topvariante sein soll, reicht eventuell auch ein Blick auf den jungen Gebrauchtwagenmarkt, um der 30.000-Euro-Schwelle mit einem Vorfacelift aus dem Weg zu gehen. Denn am Ende ist der 150-PS-FR ein wirklich gut ausbalancierter, flinker Kompakter, der sich auch für ein wenig Alltagskomfort nicht zu schade ist. Wahrscheinlich reicht als Kompromiss aber auch die 116-PS-Version für 26.850 Euro.