Als 1951 der Citroën AZU auf Basis des 2CV für ein robustes und vor allem günstiges Fahrzeug für Handwerker und Händler erschaffen wurde, war bei weitem noch nicht abzusehen, wie lange seine Nachfahren durchhalten würden. Sollte die Ente noch zwei Bauern in Stiefeln, inklusive eines Zentners Kartoffeln oder ein Fässchen Wein in einem Stück ans Ziel bringen, bot der AZU bereits ganz andere Vorzüge. Ein geschlossener Kasten und 250 Kilogramm Nutzlast machten die "Kasten-Ente" zu einem beliebten Fahrzeug. Der Eier-Test sorgte dafür, dass die Ladung auf einem komfortabel abgestimmten Fahrwerk am Zielort auch verkauft werden konnte. Und genau das begleitet noch heute den Nachfahren des AZU: Den Citroën Berlingo. Doch auch der hat bereits 30 Jahre auf dem Buckel. Bildergalerie: Citroën Berlingo (1996-2026) Noch bis in die 1970er Jahre überlebte der 2CV-Transporter, bevor 1978 der Acadiane übernahm. Der Name ist ein Wortspiel aus AK (der internen Bezeichnung des 2CV-Kastenwagens) und Dyane, auf dem der neue Transporter aufbaute. Die Nutzlast stieg auf 475 Kilogramm, das Ladevolumen betrug 2,3 Kubikmeter. Verbesserte Sitze, eine modernisierte Innenausstattung und ein stärkerer Zweizylindermotor waren mit an Bord. Bis 1987 wurden mehr als 250.000 Exemplare gebaut. Eine Generation musste sich der Berlingo noch gedulden. 1984 übernahm der Citroën C15. Das kompakte Nutzfahrzeug basierte technisch auf dem Visa, erhielt jedoch einen vollständig neukonstruierten Kastenaufbau und eine vom Citroën BX abgeleitete Hinterachse. Der Nutzfaktor konnte abermals nach oben geschraubt werden: Bis zu 600 Kilogramm Nutzlast und 2,7 Kubikmeter Ladevolumen boten Raum für vielfältige Einsatzmöglichkeiten. Eine hohe Zuverlässigkeit und niedrige Betriebskosten sorgten für Vertrauen. Bis 2005 wurden mehr als 1,18 Millionen C15 produziert. Vom Enten-Ableger zum ersten Hochdachkombi Ja, richtig gelesen, der C15 überlebte die Einführung des Berlingo um neun Jahre. Als die erste Generation des kompakten Transporters eingeführt wurde, verband er Eigenschaften eines kompakten Transporters mit der Alltagstauglichkeit eines Pkw. Der Hochdachkombi war geboren. Der Renault Kangoo folgte schnell, Fiat Doblo, VW Caddy und Co. ließen sich noch etwas Zeit. Eine kurze Motorhaube, ein großer Laderaum und seitliche Schiebetüren: Der Berlingo kombinierte erstmals Nutzfahrzeug und Familienauto auf derselben Plattform. Scheiben für den Alltag, Kasten für die Arbeit. Bis 2008 kamen vier Ottomotoren mit 60 bis 90 PS und vier Dieselaggregate zwischen 75 und 90 PS zum Einsatz. Citroën Berlingo (1996-2026) Citroën Berlingo (1996-2026) Citroën Berlingo (1996-2026) 2008 kommt die zweite Generation mit mehr Komfort, besserer Sicherheitsausstattung und einer deutlich verbesserten Geräuschdämmung. Die Benziner werden leistungsstärker und effektiver: 90 bis 120 PS stehen über die Jahre zur Wahl. Der Diesel bringt es auf eine Spanne zwischen 75 und 120 PS. Erstmals geht 2013 auch eine vollelektrische Version an den Start. Mit 67 PS, 110 km/h Höchstgeschwindigkeit und 170 Kilometer Reichweite war er eher was für den urbanen Raum. Die maximale Ladekapazität von 22,5 kWh erforderte Geduld. 2018 startet die dritte Generation. Zahlreiche Fahrerassistenzsysteme, eine komplett neue Architektur und ein nochmals gesteigertes Platzangebot begleiten den Franzosen zum Start. Die Leistung des Benziners steigt zwischenzeitlich auf bis zu 130 PS, der BlueHDi 130 Diesel liegt auf demselben Niveau. Auch der Stromer wird alltagstauglicher: Bis zu 345 Kilometer sind jetzt vollelektrisch drin. 2024 folgt ein Facelift, das das Gesicht an die heutige Formensprache anpasst. Seit Kurzem ist auch wieder ein Diesel am Start. Von 1999 bis einschließlich Dezember 2025 wurden insgesamt 276.864 Berlingo als Pkw neu in Deutschland zugelassen. Die leichten Nutzfahrzeuge sind hier nicht mit drin. Weltweit waren es 2021 schon 5,9 Millionen Fahrzeuge. Die Berlingo-Historie kann, neben weiteren Citroën-Klassikern, vom 8. bis zum 12. April auf der in Essen neu startenden Retro Classics begutachtet werden.