Seit mehr als 50 Jahren gehört der Polo zu VW wie der Golf. Doch auch beim beliebten Kleinwagen stehen die Zeichen längst auf Veränderung. Schließlich hat Volkswagen mit dem ID.
Polo bereits einen elektrischen Nachfolger auf den Markt gebracht. Bedeutet das also, dass sich Autofahrer bald endgültig vom klassischen Benziner verabschieden müssen? Nicht unbedingt!
Denn obwohl VW bereits klargestellt hat, dass es keine neue Verbrenner-Generation des Polo geben wird, könnte der Kleinwagen noch einige Jahre weiterleben.
Wie lange genau, hängt allerdings von mehreren Faktoren ab.
VW Polo: Verbrenner könnte bis 2030 gebaut werden
1975 rollte der erste VW Polo auf den Markt. Inzwischen befindet sich der Kleinwagen in seiner sechsten Generation, die bereits 2017 vorgestellt wurde. Und obwohl der elektrische ID.
Polo seit 2026 am Start ist, scheint der klassische Benziner noch längst nicht ausgedient zu haben. Wie das Automagazin „Motor1“ berichtet, könnte Volkswagen den Verbrenner-Polo sogar noch bis etwa 2030 produzieren. Dabei handelt es sich allerdings um eine Prognose des Fachportals, nicht um einen offiziell bestätigten Zeitplan des Autobauers.
Eine siebte Polo-Generation mit Verbrennungsmotor wird es nicht geben. Das hatte VW-Markenchef Thomas Schäfer bereits klargestellt. Der Nachfolger ist der elektrische ID.
Polo. Doch warum sollte Volkswagen den bisherigen Polo trotzdem noch jahrelang weiterbauen? Ganz einfach: Weil er sich nach wie vor verkauft.
Laut „Motor1“ wurden in Deutschland bis September rund 23.000 Polo neu zugelassen. Für VW ist der Kleinwagen damit weiterhin ein wichtiges Modell, das auch neue Kunden zur Marke bringen kann.
Den Stecker beim Benziner einfach zu ziehen, wäre also möglicherweise keine besonders gute Idee.
Neuer ID. Polo macht Benziner Konkurrenz
Zumal sich auch beim Preis einiges getan hat. Während der klassische VW Polo mit 80 PS derzeit ab 20.380 Euro erhältlich ist, kostet der günstigste elektrische ID. Polo mit 116 PS mindestens 24.995 Euro.
Wer beim Verbrenner allerdings mehr Leistung und ein Automatikgetriebe möchte, muss bereits tiefer in die Tasche greifen. Für die Variante mit 115 PS werden laut „Motor1“ 28.220 Euro fällig.
Damit ist der elektrische Nachfolger bei vergleichbarer Ausstattung teilweise sogar günstiger. Gebaut werden die beiden Modelle übrigens an unterschiedlichen Standorten: Der klassische Polo läuft inzwischen in Südafrika vom Band, während der ID.
Polo im spanischen Martorell produziert wird. Doch auch wenn VW seine elektrische Kleinwagenfamilie ausbaut, dürfte der Hersteller die Nachfrage genau beobachten.
Laut „Motor1“ stehen für die Elektro-Modelle ID. Polo, ID. Cross, Skoda Epiq und Cupra Raval angeblich bereits 150.000 Bestellungen im Raum.
Wie sich der ID. Polo ohne staatliche Elektroprämien verkauft, muss sich allerdings erst noch zeigen. Bis dahin könnte der Benziner für Volkswagen eine Art Sicherheitsnetz bleiben.
Neue Abgasnorm könnte zum Problem werden
Eine entscheidende Rolle für die Zukunft des Polo spielt außerdem die Abgasnorm Euro 7. Diese gilt für bereits zugelassene Modelltypen ab dem 29. November 2027 bei allen Neuzulassungen.
Für die Hersteller bedeutet das zusätzliche Anforderungen an Emissionen und Sicherheit.
Und die können gerade bei günstigen Kleinwagen schnell zum Problem werden. Schließlich verursachen aufwendigere Abgasreinigungssysteme und zusätzliche Assistenztechnik Kosten, die sich nicht ohne Weiteres auf den Verkaufspreis aufschlagen lassen.
Wie „Motor1“ erklärt, könnte sich der klassische Polo dadurch preislich noch stärker seinem elektrischen Nachfolger annähern.
Möglich wäre deshalb auch, dass Volkswagen die bisherige Basisversion mit 80 PS aus dem Programm nimmt.
Allerdings gibt es noch eine andere Option, die dem Benziner zu einem längeren Leben verhelfen könnte.
Bekommt der Polo noch einmal ein Update?
Denn bei den Konzernmarken stehen bereits Veränderungen an. Seat will 2027 Mild-Hybrid-Versionen des Ibiza und des Arona einführen. Laut „Motor1“ wäre es denkbar, dass diese Technik künftig auch im VW Polo eingesetzt wird. Damit könnte der Kleinwagen die strengeren Anforderungen der Euro-7-Norm erfüllen.
Das Fachportal hält deshalb eine Mild-Hybrid-Version ab 2027 für möglich. Auch ein Facelift, das sich optisch am elektrischen ID. Polo orientiert, wäre denkbar. Offiziell bestätigt ist beides allerdings nicht.
Mehr News:
Skoda Kodiaq gegen VW Tiguan: Wo ist der Unterschied, außer beim Preis?
VW Polo und Skoda Fabia: Jahrelang fast identisch – jetzt kommt die große Veränderung
VW T-Cross im Test! Viel Lob für den kleinen SUV – aber ein Haken bleibt
Hinzu kommt, dass VW für 2027 ein weiteres kleines Elektroauto vorbereitet. Die Serienversion des ID. Every1 könnte unter dem Namen ID.
Up auf den Markt kommen und bei rund 20.000 Euro starten. Damit hätte Volkswagen perspektivisch auch einen elektrischen Ersatz für den günstigsten Polo im Angebot.
Ob der klassische Benziner tatsächlich noch bis 2030 gebaut wird, bleibt abzuwarten.
Laut der Einschätzung von „Motor1“ dürfte VW ihn jedenfalls so lange im Programm behalten, wie ausreichend Kunden zugreifen und sich die Produktion wirtschaftlich lohnt.