Es ist vollbracht. Unsere Taylor hat in zwölf Wochen ganze 3.270 Kilometer abgerissen: Stadt, Autobahn, Landstraße, Kurz- und Langstrecke. Und ich kann schon jetzt berichten: Ich vermisse sie! Trotz ihres mitteilungsbedürftigen Charakters und der manchmal scheinbar willkürlichen Eigenheiten. Aber bei dem Fahrspaß, den der Suzuki Swift zuweilen bereitet, verkommt vieles zur übersehbaren Belanglosigkeit, mit der man sich irgendwie arrangieren kann. Kompromisse eingehen, das ist auch in Beziehungen zwischen Mensch und Maschine ein Thema. Und davon erzähle ich Ihnen jetzt im dritten und letzten Teil unseres Dauertests mit dem Suzuki Swift 1.2 Hybrid Automatik. Bildergalerie: Suzuki Swift Automatik (2025) im Dauertest (3) Munterer Japaner mit ausgeprägter Vorliebe für Kurven Bei einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Benziner mit Mildhybrid-System und 61 kW (83 PS) werden Sie jetzt vermutlich denken: 'Watt is die Hiller da von Fahrspaß am faseln, hömma!' (gerne auch in Ihrem gewählten Lieblingsdialekt) Aber ja, ich erzählte schon beim Swift Allradler im Test davon. Fahrspaß hat nicht immer etwas mit Leistungsdaten zu tun. Sondern mit einem richtig guten Fahrwerk und einer anständigen Kombination aus Motor und Getriebe. Und genau das geht eben auch im Kleinen sehr gut. Sicher kommt unserem Japaner sein kurzer Radstand von 2,45 Metern, die kurzen Überhänge und der tiefe Schwerpunkt recht gelegen. Kurven sind damit des Swifts Lieblingsbeschäftigung. Der Swift ist dynamischer als man denkt, hier auf einem Pressefoto Das sieht von außen dann vermutlich alles nicht sonderlich schnell aus, aber der Swift liegt mit seinem Fahrwerk richtig knackig auf der Straße. Da macht der Kleinwagen auch in Grenzbereichen souverän mit, ohne einen Ansatz von Schwammigkeit. Die Lenkung vermittelt selbstbewusst die Lage auf der Straße. Wir werden über die Wochen zur sogenannten Einheit. Und bedauern, dass es keinen Swift Sport mehr gibt. Anzug und Spritzigkeit machen durch die Unterstützung des Hybrid-Systems in Regionen unter den 70 km/h einen guten Job. Wunder dürfen Sie natürlich nach wie vor nicht erwarten. Wir sprechen hier schließlich immer noch von einem 1,2-Liter-Dreizylinder-Saugbenziner. Aber das macht schon Spaß! Ein Kia Picanto träumt traurig von solchen Eigenschaften, war er doch auch mal fescher unterwegs. Suzuki Swift Automatik (2025) im Dauertest (3) Suzuki Swift Automatik (2025) im Dauertest (3) Bilder von: Motor1.com Deutschland Zumal das stufenlose CVT-Getriebe pfiffig benötigte Drehzahlen anpasst und fixes Fahren möglich macht. Für ein wenig mehr Dynamik fehlt nur noch die angetriebene Hinterachse der Allgrip-Version. Aber gut, man kann nicht alles haben. Letzteres gibt es nur in Kombination mit einem Schaltgetriebe. Und das darf auch gerne so bleiben. Generell passt das Getriebe den benötigten Vortrieb in jeder Fahrsituation an. Nutzen Sie die Gelegenheit zur vollen Beschleunigung, verharrt das CVT einfach bei etwa 6.000 Umdrehungen pro Minute. Das ist zwar laut, aber effektiv. Im Gegensatz dazu findet das Getriebe auf der Autobahn eine ziemlich gute Balance. Bei steileren Bergen schaltet es intuitiv herunter, um den Vortrieb nicht zu verlieren. Bei hohen Geschwindigkeiten findet es einen hohen "Gang", um den Geräuschpegel hörbar senken zu können. Genau in den Situationen ist das CVT gegenüber dem Handschalter haushoch überlegen. Insgesamt sind kleine Stufen im Schaltvorgang, gerade für sensible Ohren, immer mal wieder wahrzunehmen, aber kaum zu spüren. Ungelenk stellt sich der Swift hingegen beim Übergang zwischen Rekuperation und Bremsen an. Bis kurz vorm Stillstand wirkt der Japaner harmonisch, im letzten Anhalten ist dann oft ein kleiner Ruck bemerkbar. Das CVT scheint zudem immer leicht anschieben zu wollen. Insgesamt sind das aber zu vernachlässigende Ungereimtheiten zwischen den Systemen. Swift kommt mit Helikopter-Assistenten Verrichten Toter-Winkel- und Querverkehrs-Warner über unsere zwölf gemeinsamen Wochen noch souverän ihre Arbeit, alarmiert mancher stiller Beobachter etwas zu hektisch. Der Spurhalteassistent reagiert öfter mal mit ruppigem Einsatz, gerade im Nassen. Zudem erscheinen Gefahrenassistenten hypernervös, als würden Sie einem so sehr über den Weg trauen wie der zu "vorsorgliche" große Bruder. Suzuki Swift Automatik (2025) im Dauertest (2) Suzuki Swift Automatik (2025) im Dauertest (2) Bilder von: Motor1.com Der Crash-Warner sieht im engen Straßenverkehr des Öfteren große Gefahren auf sich zukommen. Der Aufmerksamkeitswarner alarmiert bei Gegenlicht, Spiegelungen auf der Brille, zu kleinen Augen oder Gähnen sofort ... und quittiert es mit weiterem gottlosen Gepiepe. Hilft vermutlich, wenn Sie wirklich geschlafen haben! Ein Miteinander sieht anders aus. Einiges ist abstellbar, manches hinnehmbar. Die Cruise Control verrichtet auf freier Strecke gute Arbeit, der Abstand zum Vorausfahrenden ist anpassbar. Wer hier vorausschauend fährt, wird keine Probleme bekommen. Bei der Dosierung von Gas und Bremse könnte Suzuki noch einmal Hand anlegen. Das geht sensibler. Vor allem im Stau macht sich das Verhalten bemerkbar, wenn der kleine Swift ruppig beschleunigt und abrupt hinterm Vordermann wieder anhält. Das geht viel smoother, wie viele andere Modelle beweisen. Soll vorsorglich zusätzlich eine Rettungsgasse gebildet werden, muss der Spurhalteassistent ausgeschaltet werden. Denn mit der Funktion kennt der Japaner nur eine Positionierung: Genau mittig zwischen den weißen Streifen. Einer der sparsamsten Benziner überhaupt Schon unser italienischer Kollege bescheinigte dem Suzuki Swift Hybrid auf seinen wöchentlichen Verbrauchstesttouren mit 3,9 Litern starke Verbrauchswerte, mit dem Allgrip erreichte er 4,05 Liter. Auf insgesamt 3.270 Kilometern mit schnellen Autobahnfahrten, ökologischen Touren, Stadtverkehr und ländlichem Spaß kamen wir laut Bordcomputer auf einen Schnitt von 4,5 Liter auf 100 Kilometer. Suzuki Swift Automatik (2025) im Dauertest (3) Suzuki Swift Automatik (2025) im Dauertest (3) Bilder von: Motor1.com Deutschland Errechnet haben wir noch einmal weniger: 4,3 Liter. Auf manchen Touren habe auch ich eine glatte 4,0 gesehen. Das ist nicht nur nah dran an den kombinierten 4,7 Litern, die Suzuki angibt. Das ist sogar 0,4 Liter drunter. Den Spritverbrauch beeinflusst vor allem das hervorragend arbeitende 12V-System, das immerzu fleißig rekuperiert, sobald der Fuß vom Gas geht. Beim Beschleunigen wird die Energie dann effektiv zugeführt. Damit wirkt der Kleine nicht nur spritzig im Anzug, sondern auch genügsam an der Zapfsäule. Selbst bei richtig flotter Fahrt bleibt eine 5,0 bis 5,2 stehen. Das ist so wenig, dass sich Suzuki gegenüber der fünften Generation fünf Liter Tankinhalt sparen konnte. Dem aktuellen Swift genügen 37 Liter gegenüber 42 Liter beim Vorgänger. Fazit Was lernen wir also aus zwölf Wochen Suzuki Swift Automatik Fahren? Räumlich ist er für sein Segment eine Wucht und bietet genügend Allroundfähigkeiten, um das Kleinstwagen-Segment zu überbieten. Seine Fahranlagen bereiten im Rahmen des Möglichen unglaublich Freude und bei seinem Verbrauch kann niemand mithalten. Dem gegenüber steht ein wildes Bedienkonzept, zum Teil zu sensible Assistenten und das bimmelnde Mitteilungsbedürfnis. Und dann wäre da noch der Preis. Bei 23.400 Euro hat der Japaner das A-Segment sowieso bereits verlassen. Dafür kommt er zu dem Preis üppiger ausgestattet als die Konkurrenz. Ob es dann am Ende der Kurze hier oder lieber ein VW Polo, Seat Ibiza oder Hyundai i20 wird, entscheidet wohl der Bewegungsradius und die individuelle Vorliebe. Bei den Kleinsten gibt es keinen besseren Allrounder.