Die kleinen Allradler sterben aus. Unter vier Metern existiert nur noch der Suzuki Swift. Knapp oberhalb dieser Grenze taucht jedoch schon unser heutiger Testkollege auf: Der Jeep Avenger 4xe. Wir sind den US-Amerikaner mit italienischen Wurzeln schon im April 2025 gefahren. Allerdings lag hier der Fokus eher auf seinen Offroad-Fähigkeiten. Sind wir ehrlich, Geländefahrten sind hierzulande maximal im forst- oder landwirtschaftlichen Sektor möglich, abgesehen vielleicht von holprigen Zufahrten zu entlegenen Häusern oder Grundstücken. Doch bei den immer extremer ausschlagenden Wetterlagen könnte ein kleiner, wendiger Jeep Avenger 4xe im Schneetreiben durchaus sinnvoll sein. Zumindest in den Gebirgsregionen der deutschsprachigen Welt. Und auch für Dachzeltnomaden und Outdoor-Fans scheint der Willys-Erbe durchaus interessant. Bildergalerie: Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Um unwegsame Aufgaben meistern zu können, schickt Stellantis seine Allzweckwaffe ins Rennen: einen 107 kW (145 PS) starken 1,2-Liter-Turbobenziner mit 48-Volt-System. Doch der 21-kW-E-Motor an der Front bekommt einen weiteren 21-kW-E-Motor-Mitstreiter an der Hinterachse. Über verschiedene Modi zuschaltbar, soll er dort für mehr Traktion sorgen. Bis zu 40 Prozent Steigung auf unbefestigtem Untergrund und bis zu 20 Prozent, wenn die Vorderachse keinen Halt hat. Permanent schaltet sich die Hinterachse nur im Mud-Modus bis zu 30 km/h zu. Bis zu 90 km/h unterstützt sie zudem beim Beschleunigen. Doch anders als bei klassischen 4x4, besitzt der Jeep Avenger keine mechanische Verbindung zur Hinterachse. So kann diese bei Bedarf mit bis zu 1.900 Nm Drehmoment elektronisch befeuert werden und die sonstige Zeit Energie sparen. Schnelle Daten Jeep Avenger 4xe (2026) Antrieb 1,2-Liter-Turbomotor mit 48V-Mildhybrid-System mit zwei 21-kW- Elektromotoren (vorne und hinten) Getriebe Automatik Systemleistung / Drehmoment 107 kW (145 PS) / 230 Nm 0 - 100 km/h 9,5 Sekunden Höchstgeschwindigkeit 194 km/h Verbrauch (WLTP) / CO2-Emission 5,4 l/100 km / 124 g/km Preis 33.900 Euro Karosserie und Design | Innenraum | Fahrbericht und Verbrauch | Preise und Konkurrenz | Fazit Karosserie und Design Wenn wir genau hinsehen, erkennen wir in der Seitenlinie des Jeep Avenger 4xe schon deutliche Muster des Citroën C3. Das klingt ein wenig skurril, da wir hier nicht von einem Budget-Kleinwagen sprechen, sondern von einem kleinen Geländewagen. Aber machen wir uns nichts vor, Jeep hat hier an vielen Ecken gute Arbeit geleistet, um die Plattform-Verwandtschaft zu vertuschen. Bleiben wir auf der Seite, fällt vor allem die üppige robuste Beplankung aus kratzfesten Materialien auf. Die Radkästen erfahren eine kräftige Betonung, zudem sind sie in der Jeep-typisch abgeflachten Form oberhalb der Räder gehalten. Gegenüber der Serie gönnt sich der 4xe zudem noch einmal zehn Millimeter mehr Bodenfreiheit. In Kombination mit den kurzen Überhängen sorgt das für mehr unbefestigte Freiheit. Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Bilder von: Motor1.com Deutschland An der Front lässt der Avenger sich durch den Sieben-Schlitze-Kühlergrill eindeutig als Jeep ausweisen. Am Heck sorgen Leuchten im Willys-Benzinkanister-Stil für eine nette Hommage. Exklusiv trägt der 4xe eine robustere Dachreling und einen festen Abschlepphaken am Heck. Diverse grüne Farbapplikationen und Schriftzüge heben den Hybrid-Allradler weiter vom Avenger-Standard ab. Prädikat: sympathisches kleines Kerlchen. Innenraum Im Innenraum setzt der Jeep Avenger 4xe eher auf Understatement. Nur ein Schriftzug auf der rechten Seite des Armaturenbretts weist auf seine gewachsene Geländegängigkeit hin. Strapazierfähige, wasserdichte Polsterbezüge sollen für leichte Reinigung sorgen. Ein nettes Detail, doch mehr Konsequenz wäre gut gewesen. Denn Reste von den gegebenenfalls schlammigen Schuhen müssen noch immer aus Teppich und Veloursfußmatten geschrubbt werden. Ansonsten ist hier alles Standard beim Allradler. Das 10,25 Zoll große Infotainment übernimmt übersichtlich und zuverlässig Einstellungen, Navigation und Unterhaltung. Android Auto und Apple Carplay können kabellos integriert werden. Das Fahrerdisplay zeigt die wichtigsten Informationen auf topografischem Hintergrund (nettes Detail). Die Assistenten machen abgesehen vom öfter mal falschliegenden Tempowarner einen weitestgehend souveränen Job. Nur der Heckkamera fehlt Stellantis-typisch eine sinnvolle Auflösung. Bei Dunkelheit und Regen ist sie nahezu nicht zu gebrauchen. Zudem lässt die Draufsicht immer mal wieder die Anzeige der Umgebung vermissen. Zum Glück lässt sich das visuell gut ausgleichen. Die Sicht nach hinten ist trotz breiter C-Säule gut, Proportionen, Ecken und Kanten lassen sich realistisch einschätzen. Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Bilder von: Motor1.com Deutschland Etliche physische Knöpfe, wie die für die Klimatisierung, sorgen für schnellen haptischen Zugang, Shortcut-Tasten unterm Bildschirm für den passenden Menüpunkt. Bei so vielen Tasten hätten allerdings zwei zusätzliche für die Sitzheizung auch nicht geschadet. Hier muss erst der Umweg über den Menütaster in der Mitte der Leiste gegangen werden, um die Sitze dann am Bildschirm einschalten zu können – umständlich! Der Sitzkomfort vorne ist generell gut. Elektrische Sitzverstellungen gibt es jedoch nur auf der Fahrerseite. Der Beifahrer muss mit Bügel und Hebel hantieren. Hier zieht sich die angesprochene Inkonsequenz also durch. Ein Fokus auf Komfort oder Funktionalität will sich nicht so recht einstellen. Die recht hohen Anschaffungskosten schlagen sich weder positiv bei den Materiealien, noch beim Komfort großartig nieder. Im Fond ist die Beinfreiheit für Erwachsene zudem sehr eingeschränkt. Die 4,08 Meter in der Länge werden beim Jeep Avenger 4xe woanders priorisiert. Zum Beispiel im boxigen Kofferraum, der zwischen 325 und 1.218 Liter bietet. Insgesamt findet man sich in dem US-Amerikaner aber schnell zurecht. Abmessungen Jeep Avenger 4xe (2026) Länge x Breite x Höhe 4.088 x 1.776 x 1.571 mm Radstand 2.563 mm Kofferraumvolumen 325 - 1.218 Liter Leergewicht 1.475 kg Zuladung 501 kg Max. Anhängelast 920 kg Böschungswinkel 22 Grad Watttiefe 400 mm Fahrbericht und Verbrauch Dieses Mal heißt es für den Kleinen also Stadt und Autobahn im Pott statt Kletterpartie in Florenz. Irgendwann holt uns der Alltag alle ein. Auch ein Jeep Avenger 4xe kann sich von dieser zutreffenden Redewendung nicht freisprechen. "Woanders is auch scheiße" – also rein ins Auto. Zumindest verspricht Stellantis für den 1,2-Dreizylinder mit 48-Volt-System rein elektrisches Fahren: zum Beispiel in der Stadt, im Stau oder beim Einparken für kurze Strecken von bis zu einem Kilometer. Da ist der Großstadtcowboy hier eigentlich genau richtig: "Hamwa allet!" Nur leider fällt uns seit diversen Tests der leistungsgesteigerten Mild-Hybriden auf, dass die Aggregate das in ihren neuen Versionen gar nicht mehr halten können, wie beim Fiat Grande Panda und auch beim Opel Frontera. Die Balance ist hier wenig rhythmisch. Der Benziner schaltet sich hör- und merkbar ruppig hinzu. Konstante vollelektrische Strecken scheinen inzwischen unmöglich. Selbst beim Rangieren schaltet das System ständig hin und her, was zu Ablenkungen und Hopsern führt. Und auch im Stand an der Ampel schaltet sich das fossile Aggregat nach wenigen Sekunden wieder hinzu. Auch bloßes Anrollen geschieht selten ohne Beteiligung des Benziners. Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Bilder von: Motor1.com Deutschland Beim Jeep Avenger kommt verstärkend hinzu, dass er aus dem Stand stets mit zu viel Drehmoment übermütig loshechtet. An Ampeln leidet er unter einem trägen Auto-Hold-System, das den US-Amerikaner viel zu spät von der Leine lässt. So verstärkt sich der oben angesprochene Vorgang noch einmal. Und das ist schade. Denn rollt der Avenger 4xe einmal, rollt er gut. Sein Fahrverhalten ist durchaus gelungen: Die Lenkung vermittelt ein gutes Feedback, das Fahrwerk kommt straff daher, um sowohl im Gelände als auch auf der Straße, die vorhandenen Verhältnisse zu spüren. Insgesamt ist das kleine Teil wendig unterwegs und zudem leichtgängig zu parken. Der Anzug ist okay und das Automatikgetriebe macht einen komfortablen Job. In Kurven jedoch manchmal etwas zu komfortabel, wenn die Gasannahme beim Abbiegen zum Teil verzögert. Die kaum noch elektrisch zurückgelegten Strecken machen sich jedoch bemerkbar: Im kombinierten Verbrauch zeigt mir der Avenger 4xe eine satte 6,8 auf 100 Kilometern an. Der Jeep ist zwar nicht gerade windschlüpfrig, aber für heutige Standards leicht und klein. Es gibt keine mechanische Verbindung zur Hinterachse, die zusätzlich Energie braucht. Die Kraft der E-Motoren stammt einzig aus der Rekuperation. Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Jeep Avenger 4xe (2026) im Alltagstest Bilder von: Motor1.com Deutschland 5,4 Liter sollen es kombiniert laut Hersteller sein. Nehmen wir ein paar Testszenarien raus, können wir bei ökologischer Fahrt kombiniert sicher 0,3 bis 0,5 Liter abziehen. Den Fall der Sechs sehe ich hier aber nur bei 100 km/h auf der Autobahn oder bei konstanten Landgeschwindigkeiten, nicht kombiniert. Unser Spritsparkönig aus Italien hat den 4xe auch ausprobiert. Spart er sonst bei seinen Überlandfahrten immer enorm, standen auch bei ihm am Ende 5,2 Liter auf der Uhr. Das ist allenfalls Mittelmaß. Preise und Konkurrenz Den Jeep Avenger 4xe gibt es in der Ausstattungsvariante Upland (33.990 Euro) und Overland (35.990 Euro). Hinzu gesellt sich eine nicht ganz so limitierte Sonderauflage in Zusammenarbeit mit dem Lifestyle-Kleidungshersteller The North Face. Die 4.806 Exemplare basieren auf der Höhe des höchsten Berges in Europa, dem Mont Blanc. 39.000 Euro sind hierfür fällig. Mit seiner Bodenfreiheit und der geringen Länge, steht der kleine Geländekletterer schon ziemlich allein da. Am ehesten fallen Dacia Duster 4x4 und Suzuki Vitara Allgrip noch unter seine Konkurrenz. Eine Übersicht über alle in Deutschland derzeit angebotenen Allradler bis 40.000 Euro erleichtert vielleicht den Überblick. Fazit: 6,5/10 Die fehlende Balance des Stellantis-Mild-Hybrid und der im Verhältnis hohe Verbrauch sind zwei Baustellen beim Jeep Avenger 4xe, die erst einmal geschluckt werden müssen. Zudem ist die fehlende klare Linie im Innenraum zwischen Komfort und Funktionalität mindestens verwirrend. Hat man diese Fragen für sich geklärt, steht da ein quirliger alltagstauglicher Offroader. Der Preis ist saftig, keine Frage und der Antrieb nervt in einigen Situationen. Aber das fehlende Klassenangebot regelt! Mit dem Wegfall des Suzuki Jimny ist der US-Amerikaner der konsequenteste kleine Offroader, der uns bleibt. Traurig, aber wahr! Damit ist er aus Mangel an Alternativen für Fans dieses Segments, Dachzeltnomaden oder Outdoor-Affine dennoch eine solide Wahl.