Nach 33 Geboten fiel der virtuelle Hammer bei 225.000 Euro. Ein ungewöhnlich hoher Preis für einen Porsche 914/, aber erklärbar.
M471 GT und Matching Numbers
Die Basis ist ein 1970er Porsche 914/6, also die 3360-mal gebaute Sechszylinder-Version. Diese Seltenheit ist der Grund, warum ein echter 914/6 am Markt deutlich anders bewertet wird als ein umgebauter 914/4. Bei diesem Exemplar kommt der Code M471 dazu. Laut Matthias Knödler von Sporting Cars Erlangen wurde der als originaler M471-GT im Jahr 1975 mit Stahl-Kotflügelverbreiterungen, Karosserie-Verstärkungen und breiteren 15-Zoll-Fuchs-Felgen ausgeliefert. Ein Porsche-Zertifikat bestätitgt Werksfarben und Seriennummern.
Ruf-Umbau als Preistreiber
Der Ruf-Umbau betrifft Fahrwerk, Bremsen und Motor. Der auf 2,4 Liter Hubraum vergrößerte Sechszylinder vefügt über Doppelzündung, eine Motorölkühlung wie bei für die Rallye Monte Carlo vorbereiteten Porsche 914 und eine Transistorzündung aus dem NSU Ro80.
Die Bremssättel stammen vom Porsche 917/RSR. Abweichend zum Serien-914, der die Handbremse zwischen Fahrersitz und Schweller hat, wurde beim Donckerwolke-914 die Handbremse mittig montiert. Für die Sicherheit ist ein historisch korrekter Heigo-Überrollkäfig montiert.
Um Gewicht zu sparen, sind die Hauben an Front und Heck aus mit extrem leichtem Balsaholz verstärktem Fiberglas gefertigt. Auch die Stoßfänger und die Motorklappe bestehen aus diesem Material. Insgesamt füllen die Umbauten eine 16 Seiten lange Rechnung, an deren Ende eine Summe von 168.320 Euro steht.
Promi-Bonus und deutsche Papiere
Der Vorbesitzer des 914 ist in der Autoszene kein Unbekannter: Luc Donckerwolke prägte während seiner Zeit als Designchef ab 1998 die Formensprache von Lamborghini. Davor hatte der 1965 als Sohn eines Diplomaten in Lima (Peru) geborene Automobildesigner bei Audi und Skoda unter anderem an A2, Octavia und Fabia gearbeitet. Seit 2016 ist Donckerwolke für die Designsprache der Hyundai-Luxusmarke Genesis verantwortlich.
Für Käufer in Deutschland zählt zusätzlich, ob ein solches Einzelstück legal und sauber zulassungsfähig ist. GTspirit schreibt, das Auto sei in Deutschland voll straßenzugelassen und habe eine historische Zulassung, also ein H-Kennzeichen.
Einordnung zur Marktspitze
Der Preis bleibt trotz aller Extras unter der absoluten Oberkante des Themas 914/6 GT. Wikipedia nennt für 2020 einen Auktionsrekord von 995.000 Dollar für einen 914/6 GT bei Gooding & Company in Scottsdale. Diese Größenordnung zeigt, wie groß die Spreizung innerhalb der 914/6-Welt ist.
Gleichzeitig liefert die Historie einen eigenen Wertanker. Wikipedia hält fest, dass ein 914/6 GT 1970 bei den 24 Stunden von Le Mans Gesamt-Sechster wurde. The Drive greift diese Renngeschichte als Beleg dafür auf, warum der 914/6 GT heute anders gesehen wird als der normale 914.
Genau da sitzt die Position dieses Autos. Es trägt die M471-Basis und die GT-Anmutung, aber es ist kein Werks-Rennhistorienstück wie die Rekordautos. 225.000 Euro ergeben sich hier aus dokumentierter Substanz plus Ruf-Handschrift, nicht aus einer einzelnen Rennbiografie.