Der VW Golf galt jahrzehntelang als Deutschlands nahezu unangefochtener Bestseller. Doch die Zeiten, in denen der Kompaktwagen Monat für Monat die Zulassungsstatistiken dominierte, sind vorbei.

Im September 2026 kam der Golf laut den vorliegenden Angaben auf nur noch 6.580 Neuzulassungen in Deutschland. Vor zehn Jahren waren es noch rund 20.000 Fahrzeuge pro Monat.

Autoexperte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer erklärt auf Anfrage von News38, warum die Golf-Ära ihrem Ende entgegengeht.

Konkurrenz ist noch nicht uneinholbar

Ein einzelner Monat sagt noch wenig über die langfristige Entwicklung eines Automodells aus. Deshalb blickt Dudenhöffer auf einen längeren Zeitraum und zieht die Zahlen der ersten neun Monate 2026 heran. „Von Januar bis September 2026 wurden in Deutschland 65.445 neue VW Golf zugelassen, aber nur 29.464 von Tesla Model Y.“

Damit liegt der Golf bei den Neuzulassungen weiterhin deutlich vor dem Elektro-SUV von Tesla. Trotzdem sieht der Experte einen grundlegenden Wandel: „Aber richtig ist, dass das Golf-Zeitalter zu Ende geht.“

Der Golf verliert seine frühere Dominanz nicht ohne Grund. Während der klassische Kompaktwagen lange Zeit das Straßenbild prägte, greifen immer mehr Autokäufer zu SUV-Modellen. Diese bieten eine höhere Sitzposition und eine bessere Übersicht im Straßenverkehr.

Dudenhöffer bringt den Wandel auf eine einfache Formel: „Gutes wird in der Autowelt durch besseres abgelöst.“ Volkswagen hat auf die veränderten Vorlieben reagiert – und verkauft mit Modellen wie Tiguan und T-Roc erfolgreiche Alternativen zum eigenen Bestseller.

Vom belächelten Trend zum neuen Publikumsliebling

Was früher noch skeptisch betrachtet wurde, ist heute für viele Autofahrer selbstverständlich. Dudenhöffer erinnert daran, wie sich die Einstellung zu SUV verändert hat: „Als in den 70iger und 80iger Jahren die Amerikaner sich in den SUV verliebt haben hatten wir sie belächelt.“ Inzwischen hat sich das auch in Deutschland grundlegend gewandelt.

„Heute sind wir in dieser Kategorie zu Amerikanern geworden“, erklärt der Professor. Dass Volkswagen diesen Trend erkannt hat, zeigen für ihn die Verkaufszahlen der SUV-Modelle T-Roc und Tiguan.

Wie stark die SUV-Konkurrenz geworden ist, zeigen die Zulassungszahlen der ersten neun Monate 2026. Während 65.445 neue Golf auf die deutschen Straßen kamen, waren es 43.741 Tiguan und 48.852 T-Roc. Damit rücken die beiden SUV dem Klassiker näher, auch wenn der Golf im betrachteten Zeitraum noch vorn liegt.

Dudenhöffer fasst diese Entwicklung deutlich zusammen: „Man kann auch sagen T-ROC und Tiguan sind der neue Golf“. Für Volkswagen bedeutet das: Die eigene Modellfamilie nimmt dem einstigen Bestseller zunehmend Kunden ab.

E-Autos könnten dem Golf eine neue Chance eröffnen

Auch der E-Auto-Boom verändert den Markt. Bislang waren bei den Stromern vor allem SUV stark vertreten, doch das Angebot an kleineren Modellen wächst.

Dudenhöffer verweist dabei auf den VW ID.Polo und den kommenden ID.Golf. Gerade im Stadtverkehr bleiben kompakte Autos gefragt, etwa bei Altenpflegediensten oder Medikamenten-Botendiensten von Apotheken.

Bei privaten Käufern sieht der Experte dagegen einen klaren Trend: „Privatkäufer gehen immer stärker auf den SUV.“

Der Golf könnte also elektrisch weiterleben, muss sich aber weiterhin gegen die beliebten SUV aus dem eigenen Haus behaupten.

Doch auch wenn der klassische Golf zunehmend an Bedeutung verliert, arbeitet VW bereits an der nächsten Generation. Der Golf soll künftig auch elektrisch auf die Straße kommen – und dabei eine wichtige Rolle für den Standort Wolfsburg spielen. Nach bisherigen Planungen soll der ID. Golf gegen Ende des Jahrzehnts im VW-Stammwerk produziert werden.

Dafür wird die neue Elektroauto-Architektur SSP genutzt. Die Produktion des aktuellen Golf mit Verbrennungsmotor soll dagegen ab 2027 schrittweise nach Puebla in Mexiko verlagert werden. Für Volkswagen bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel: Der Golf könnte künftig nicht mehr nur als klassischer Kompaktwagen, sondern auch als vollelektrisches Modell eine Zukunft haben

Golf spielt längst nicht mehr in seiner alten Liga

Auch international hat der Golf nicht mehr die Bedeutung früherer Volkswagen-Ikonen. „Der Golf ist ein Europa-Auto. In China oder Nordamerika spielt er kaum eine Rolle“, sagt Dudenhöffer. Weltweit wurden 2025 rund 276.000 neue Golf verkauft, beim T-Roc waren es 307.000. Für Tiguan und Tayron zusammen nennt der Experte 1,041 Millionen verkaufte Fahrzeuge.

Damit zeigt sich, wie sehr sich die Gewichte innerhalb der Modellpalette verschoben haben. Kann der Golf also noch einmal an seine frühere Dominanz anknüpfen? Dudenhöffer hat darauf eine klare Antwort: „Die ganz große Zeit des Golf – also der Schrägheck-Limousine – ist vorbei und kommt nicht wieder.“ Das bedeutet allerdings nicht, dass der Klassiker für Volkswagen bedeutungslos wird.

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Gerade in Europa bleibt der Golf ein wichtiges Modell. Doch seine SUV-Geschwister sind zu starken Konkurrenten geworden, die ihm einen Teil seiner Kundschaft abnehmen.

Der Golf bleibt damit eine Ikone. Aber die Zeiten, in denen er den Markt nahezu allein dominierte, sind vorbei.