Seit seinem Marktstart in den USA 2023 sorgt der Tesla Cybertruck mit seiner kantigen Edelstahlkarosserie für Aufmerksamkeit. In Europa ist der elektrische Pick-up dagegen bislang nicht offiziell erhältlich. Tesla bietet das Modell hier nicht an, unter anderem weil die Anforderungen an eine europäische Zulassung erhebliche Anpassungen erfordern. Ein Schweizer Unternehmen will diese Lücke nun schließen: Revoltaris plant, den Cybertruck ab 2027 als freier Importeur in Europa zu vermarkten.
Hinter dem Vorhaben stehen Remo Iseli und Gary Meier, Gründer und Inhaber von Revoltaris. Das Unternehmen aus der Nähe von Zürich ist auf Reparaturen von Tesla-Fahrzeugen spezialisiert und bringt damit Erfahrung mit der Technik der US-Elektroautos mit. Für das Projekt wurden bereits ein Cybertruck Long Range und ein Cyberbeast aus den USA importiert. Die technische Anpassung und die Zulassung für den Schweizer Markt begleitet das Engineering-Unternehmen werk.lab.
Aufwendige Anpassungen für die Zulassung
Die Edelstahlkarosserie, die ungewöhnliche Fahrzeugarchitektur und die Steer-by-Wire-Lenkung stellen die Entwickler vor besondere Herausforderungen. Gemeinsam mit europäischen Prüfstellen und technischen Dienstleistern wurden deshalb bereits umfangreiche Untersuchungen und Anpassungen vorgenommen. Dazu gehören Prüfungen der elektromagnetischen Verträglichkeit, des Fußgängerschutzes sowie der Bremsen und Beleuchtung. Auch die Karosserie und sicherheitsrelevante Bauteile mussten überarbeitet werden. Insbesondere Kanten und Lichtanlagen stehen dabei im Fokus.
Nach Angaben der Projektverantwortlichen befindet sich das Zulassungsverfahren für die Schweiz inzwischen in der finalen Phase. Noch laufen allerdings Arbeiten an wesentlichen Fahrzeugkomponenten. Eine Schweizer Zulassung wäre zunächst die Voraussetzung für den geplanten Vertrieb, bedeutet aber nicht automatisch eine EU-weite Genehmigung. Ob und in welcher Form der Cybertruck anschließend auch in anderen europäischen Ländern angeboten werden kann, ist noch offen.
Bis zu 845 PS und 2,7 Sekunden auf 100 km/h
Revoltaris plant den Import in zwei Varianten. Den Einstieg bildet der Cybertruck All-Wheel Drive mit rund 600 PS. Er beschleunigt nach den Angaben des Importeurs in 4,3 Sekunden auf 100 km/h und erreicht maximal 180 km/h. Darüber rangiert das Cyberbeast mit drei Elektromotoren und rund 845 PS. Es soll den Sprint auf 100 km/h in 2,7 Sekunden absolvieren und bis zu 205 km/h schnell fahren.
Beide Versionen verfügen über eine adaptive Luftfederung sowie die Kombination aus Steer-by-Wire und Hinterachslenkung. Beim Cyberbeast kommen unter anderem ein Performance Launch Mode, eine variable Drehmomentverteilung an der Hinterachse und ein 48-Volt-Bordnetz hinzu.
Mit 5,68 Metern Länge und 2,03 Metern Breite ohne Außenspiegel entspricht der Cybertruck den Dimensionen großer US-Pick-ups. Die Bodenfreiheit lässt sich je nach Fahrwerkseinstellung zwischen rund 20 und 41 Zentimetern variieren. Die Ladefläche ist etwa 1,85 Meter lang und bietet zwischen den Radkästen rund 1,30 Meter Breite. Hinzu kommen ein 200 Liter großer Frunk und ein weiteres Staufach unterhalb der Ladefläche.
Einschränkungen bei Navigation und Garantie
Der Importeur weist allerdings darauf hin, dass die Fahrzeuge nicht mit dem gewohnten Funktionsumfang eines regulär in Europa angebotenen Tesla ausgeliefert werden. So ist die integrierte Navigation derzeit nicht aktiv. Damit fehlen auch die automatische Routenführung über das zentrale Display und die automatische Vorkonditionierung der Batterie vor einem Schnellladevorgang. Revoltaris arbeitet nach eigenen Angaben an einer manuellen Lösung zur Vorkonditionierung.
Für das Laden sollen Adapter für CCS-Schnellladestationen und Typ 2 zum Einsatz kommen. Ein 16-Ampere-Ladekabel für die heimische Wallbox oder eine entsprechende CEE-Steckdose gehört ebenfalls zum vorgesehenen Lieferumfang. Auch beim Service müssen Käufer Einschränkungen einkalkulieren: Eine Tesla-Werksgarantie gibt es für die importierten Fahrzeuge nicht. Stattdessen will Revoltaris über Partner Versicherungsschutz für die Hochvoltbatterie und zusätzliche Garantieoptionen für Fahrwerk und technische Komponenten anbieten. Für Karosseriearbeiten entsteht ein Netzwerk spezialisierter Partnerbetriebe. Ersatzteile müssen teilweise aus den USA beschafft werden, was Reparaturen verlängern kann.
Cybertruck kostet ab rund 155.000 Franken
Preislich bewegt sich das Projekt deutlich oberhalb regulärer Tesla-Modelle. Revoltaris nennt für einen gebrauchten, gepflegten Cybertruck All-Wheel Drive mit 5.000 bis 10.000 Kilometern rund 155.000 Schweizer Franken (knapp 170.000 Euro) inklusive Mehrwertsteuer. Das Cyberbeast soll etwa 189.000 Franken kosten. Neuwagen sind auf Anfrage erhältlich. Die Preise beziehen sich ausdrücklich auf Fahrzeuge in nahezu neuwertigem Zustand.
Interessenten können bereits eine unverbindliche Vorreservierung für 175 Franken (190 Euro) vornehmen. Eine weitere Möglichkeit ist eine Zahlung von 2.000 Franken (knapp 2.200 Euro), mit der sich Kunden einen der begrenzten ersten Auslieferungsplätze sichern und zugleich das Zulassungsprojekt unterstützen sollen. Beide Zahlungen sind laut Anbieter nicht erstattungsfähig – auch dann nicht, wenn das Vorhaben scheitert.