Ablehnung steigt trotz E-Trend
Im deutschen Flottenmarkt, also bei Zulassungen für Firmen und Dienstwagen, stoßen China-Autos wieder auf mehr Widerstand. In einer E-Mobilitätsstudie des Datenanbieters Dataforce sagen 60 Prozent der befragten Fuhrparkleiter, dass E-Autos aus China für sie nicht infrage kommen. 2025 lag der Wert noch bei 54 Prozent, die Ablehnung nimmt also zu.
Der Zeitpunkt fällt mit einer breiteren E-Welle zusammen. Im September kamen E-Autos im Flottenmarkt auf 23.400 Neuzulassungen, das entspricht einem Plus von 53 Prozent. Ihr Marktanteil stieg auf 34 Prozent, weil gleichzeitig Diesel und Benziner deutlich verloren.
Servicenetz schlägt Technikdaten
Die wichtigsten Ablehnungsgründe haben wenig mit Antriebsdaten oder Ausstattungsumfängen zu tun. Dataforce nennt Sorgen um das Servicenetz als häufigsten Grund, politische Bedenken stehen auf Platz zwei. Damit zählen für die wichtige Kundengruppe der Fuhrparkleiter Faktoren, die Hersteller nicht allein über Reichweite oder Ladeleistung lösen.
Parallel verbessert sich die Einschätzung der Technik sogar. Fuhrparkverantwortliche bewerteten die Ladegeschwindigkeit von batterieelektrischen Autos (BEV) 2024 noch mit 2,4 von fünf Sternen, 2026 liegt der Wert bei 3,8. Bei der Reichweite stieg die Bewertung im gleichen Zeitraum von 2,8 auf 3,5.
Trotz besserer Technikdaten bleibt die Umsetzbarkeit begrenzt. Knapp die Hälfte der Befragten glaubt nicht, den Fuhrpark in zehn Jahren komplett elektrifizieren zu können. Wenn dann zusätzlich die Herkunft zum Ausschlusskriterium wird, schrumpft für chinesische Hersteller ausgerechnet der Firmenmarkt, der gerade stärker elektrifiziert.
Zahlen zeigen das Akzeptanz-Paradox
Bei den Zulassungen wachsen einzelne Marken trotzdem stark. Dataforce meldet im September für BYD ein Plus von 368 Prozent, MG kommt auf plus 345 Prozent. Tesla legte im selben Vergleich um 94 Prozent auf rund 1.550 Fahrzeuge zu. Die Sprünge wirken größer, weil das Ausgangsniveau niedrig ist. Im Marken-Ranking liegt MG mit 1.060 Fahrzeugen auf Platz 15, BYD mit 753 Fahrzeugen auf Platz 19. Wachstum ist damit möglich, obwohl eine Mehrheit China-E-Autos grundsätzlich ablehnt.
Bei BYD zeigt sich zudem eine Besonderheit im Flottenmix. 75 Prozent der Septemberverkäufe entfielen dort auf Plug-in-Hybride, also Modelle mit Verbrenner und Stecker. Das stützt Volumen, sagt aber wenig über die Akzeptanz reiner E-Autos aus.
Auto-Abo statt Kauf und Leasing
Viele Fuhrparks gehen das Thema vorsichtig an und nutzen Auto-Abos als Einstieg. Dabei werden Fahrzeuge für begrenzte Laufzeiten gemietet, oft mit flexibleren Rückgabe-Optionen als beim klassischen Leasing. Dataforce-Analyst Benjamin Kibies ordnet das als Versuch ein, Risiken zu begrenzen und Fahrzeuge zunächst zu erproben.
Für Hersteller kann das ein Türöffner sein, für den Flottenmarkt ist es aber ein Signal. Wenn China-Autos eher über Auto-Abo-Anbieter in die Flotten kommen, greifen Kauf- und Leasingentscheidungen in der Breite noch nicht. Damit bleibt der Absatz anfälliger, als es reine Wachstumsraten vermuten lassen.
Das Servicenetz wird dadurch sogar doppelt wichtig. Es entscheidet im Alltag über Standzeiten und Reparaturen, und es gilt als Signal, ob eine Marke langfristig im Markt bleibt. Wenn politische Bedenken parallel wachsen, reicht ein kurzfristiger Vertriebserfolg im Abo-Kanal für die breite Akzeptanz nicht aus.