Während nahezu alle europäischen Autobauer unter dem schwachen China-Geschäft leiden, melden Marken wie Ferrari und Skoda frohe Kunde – und das, obwohl ihre Klientel kaum unterschiedlicher sein könnte. Denn mit dem Basis-Fabia kostet der günstigste Skoda in Deutschland nur 20.190 Euro. Ein Ferrari F80 kostet rund 3,6 Millionen Euro. In einer Hinsicht stehen sich die Hersteller aber näher, als die Preislisten es vermuten lassen. Keiner rechnet heute große Stückzahlen in China.
Weniger Autos, mehr Gewinn
Wie viel das ausmacht, lässt sich an Ferraris Quartalsbericht ablesen. In Festland-China, Hongkong und Taiwan gingen die Auslieferungen im dritten Quartal um 42 Prozent zurück. Das klingt dramatisch. Dahinter stecken 105 Autos. Außerhalb der Region lieferte Ferrari 72 Autos mehr aus als im Vorjahresquartal. Unter dem Strich fehlten weltweit 33 Fahrzeuge. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 liegt Ferrari sogar über 300 Autos hinter dem Vorjahreszeitraum und damit bei nur noch 10.170 Fahrzeugen. Was nach Untergangsmeldung klingt, ist in Wahrheit aber eine wirtschaftliche Glanzleistung. Denn mit weniger Autos hat Ferrari mehr Umsatz (1,766 Mrd. Euro) und operative Marge gemacht. Letztere stiegt sogar von 28,4 auf 29,7 Prozent.
Bei Porsche schlägt ein Einbruch in China ganz anders durch. 2022 ging fast jeder dritte Porsche dorthin. In den ersten neun Monaten 2026 lieferte die Marke in China noch 21.493 Autos aus, ein Drittel weniger als im Vorjahreszeitraum. Von den knapp 34.000 Autos, die Porsche weltweit gegenüber dem Vorjahr fehlten, entfielen gut 10.700 auf China. Der Rest ging anderswo verloren. Auch das Produktionsende des 718 und der Rückgang beim Macan drückten die weltweiten Stückzahlen.
Skoda weiß, wie sich ein solches Loch anfühlt. 2018 war China mit 341.000 Autos der größte Einzelmarkt der Marke. Mehr als jeder vierte Skoda ging damals dorthin. Aber schon 2022 waren es nurmehr knapp 45.000. Anschließend hat sich die Marke strategisch neu ausgerichtet und sich Mitte 2026 gänzlich aus China verabschiedet – und meldet Erfolge. Das Wachstum kommt inzwischen vor allem aus Europa. Weltweit stiegen die Auslieferungen nach neun Monaten um 6,1 Prozent auf 812.400 Autos im Vergleich zum Vorjahr. Der operative Gewinn legte um 7,4 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro zu. Dass Skoda heute von einem weiteren Rückgang in China kaum getroffen wird, liegt auch daran, dass der große Einbruch schon passiert ist.
Ende der China-Krise für Ferrari und Skoda
Auch Ferrari hatte in China schon mehr zu verlieren. 2022 gingen knapp zwölf Prozent seiner Auslieferungen nach Festland-China, Hongkong und Taiwan. In den letzten drei Monaten waren es noch vier Prozent. China ist für Maranello kleiner geworden – war aber auch nie die Cashcow von Ferrari. Stattdessen kamen im Q3 2026 knapp ein Drittel der Absätze aus Nord- und Südamerika und fast die Hälfte aus Europa, Afrika und dem Mittleren Osten. Die Italiener planen aber auch nicht mehr mit guten Zahlen aus Fernost.
Bei Skoda kommt das Geld dagegen vor allem aus Europa – besonders aus Deutschland, Skodas größtem Einzelmarkt. Knapp 690.000 Autos gingen nach Europa, dazu kommt der Skodas Wachstumstreiber Indien, wo in den ersten neun Monaten rund 53.000 Autos dazu kamen. Beim Umsatz kommen die Tschechen auf 1,92 Milliarden Euro operativen Gewinn (EBIT) und eine Umsatzrendite von 8,3 Prozent. Frontrunner aus dem VW-Konzern wie Cupra kommen dagegen nur auf 1,6 Prozent Rendite.
Ferrari kommt auf Luxus-Marge
Bei Ferrari erklärt sich die operative Marge von 29,7 Prozent im dritten Quartal vor allem mit den Autos, die ausgeliefert wurden. Ein F80 für rund 3,6 Millionen Euro verändert die Rechnung stärker als ein weiteres Auto aus der regulären Modellpalette. Dazu kommen Sonderwünsche, gerade beim 296 Speciale. Lacke und Carbonteile treiben laut Finanzchef Antonio Picca Piccon das Geschäft.
Im Quartal entfielen mehr als 21 Prozent des Umsatzes mit Autos und Ersatzteilen auf Personalisierungen. Ferrari rechnet vor, dass der bessere Modellmix und die stärkere Personalisierung das operative Ergebnis im Vorjahresvergleich zusammen um 119 Millionen Euro verbesserten. Wie viel Gewinn allein mit den Extras hängen bleibt, veröffentlicht das Unternehmen nicht.
Doppelte Stückzahl und fünffacher Gewinn
"Wir werden weniger Autos produzieren, als nachgefragt werden", sagte der damalige Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo schon 2013 in Hongkong. Wie dehnbar diese Knappheit ist, zeigen die Zahlen. 2015 lieferte Ferrari 7.664 Autos aus, 2025 waren es 13.640. Der operative Gewinn stieg in der Zeit von 444 Millionen auf 2,11 Milliarden Euro. Ferrari hat die Stückzahl also um fast 80 Prozent gesteigert und den operativen Gewinn beinahe verfünffacht.
Ein geplantes kleines China-Geschäft begrenzt, wie viele Autos Ferrari dort heute verlieren kann. Für die hohe Rendite zählt, welche Modelle Ferrari ausliefert und wie viel die Kunden für ihre Sonderwünsche zahlen. Der nächste Test kommt, wenn der letzte der 799 F80 ausgeliefert ist. Dann zeigt sich, wie viel von diesem Schub im nächsten Modellprogramm steckt und ob die Italiener die Strategie so fortsetzen können.