Der deutsche Automobilzulieferer und Supersportwagenentwickler Capricorn ist in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Für zwei zentrale Gesellschaften der Unternehmensgruppe wurden vorläufige Insolvenzverfahren eingeleitet. Betroffen sind die Capricorn Holding GmbH und die Capricorn Composite GmbH, wie die WirtschaftsWoche berichtet. Das Amtsgericht Düsseldorf ordnete die vorläufigen Insolvenzmaßnahmen am 4. November an und bestellte den Sanierungsexperten Dirk Andres von der Kanzlei AndresPartner zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Zunächst soll der Geschäftsbetrieb weiterlaufen. Der Insolvenzverwalter will sich einen Überblick über die wirtschaftliche Situation verschaffen. Parallel dazu soll nach einem Investor gesucht werden. Die Unternehmensgruppe beschäftigt nach eigenen Angaben knapp 500 Mitarbeiter. Geschäftsführer und Gründer Robertino Wild bezeichnete die Entwicklung gegenüber der Rheinischen Post als "Schock". Die konkreten Ursachen der finanziellen Schwierigkeiten sind bislang nicht vollständig bekannt. Als möglicher Belastungsfaktor gilt der hohe Entwicklungs- und Investitionsaufwand für das eigene Hypercar.

Zulieferer für Sportwagen und Motorsport

Capricorn hat sich auf Leichtbaukomponenten und mechanische Spezialteile für die Automobilindustrie und den Motorsport spezialisiert. Zu den bekannten Abnehmern zählen Porsche, Bugatti und Lamborghini. Für Porsche fertigte das Unternehmen unter anderem Fahrgestell- und Karosseriekomponenten, darunter Bauteile für den 918 Spyder und verschiedene GT-Modelle. Für Bugatti entstanden Motor- und Fahrzeugkomponenten, die unter anderem bei Veyron, Chiron, Mistral und Bolide zum Einsatz kommen. Lamborghini bezog Kurbelwellen aus der Capricorn-Fertigung.

Auch Audi und McLaren finden sich in der Projektübersicht des Unternehmens. Für Audi produzierte Capricorn unter anderem Komponenten für R8, RS4 und RS5. Bei McLaren umfasste das Programm Motorteile für MP4-12C und P1. Im Motorsport reichte das Tätigkeitsfeld von der Formel 1 über die Langstrecken-Weltmeisterschaft WEC bis zu Rallye- und Tourenwagenserien. Zu den dokumentierten Projekten gehören Komponenten für Formel-1-Kunden wie Lotus, Alpine, Mercedes, BMW, Renault und Toyota sowie Fahrzeugstrukturen für den Porsche 919 Hybrid und den Audi R18 e-tron quattro. Die Projektübersicht umfasst dabei auch frühere Aufträge und belegt nicht zwangsläufig laufende Lieferbeziehungen.

Capricorn 01 Zagato als eigenes Hypercar

Neben dem Zuliefergeschäft wollte Capricorn mit einem eigenen Supersportwagen in den Markt einsteigen. Der gemeinsam mit dem italienischen Designunternehmen Zagato entwickelte 01 Zagato wurde im Oktober 2025 beim Zoute Grand Prix in Belgien vorgestellt. Geplant ist bislang eine Kleinserie von lediglich 19 Exemplaren. Der Nettogrundpreis wurde mit 2,95 Millionen Euro angegeben.

Technisch setzt der Zweisitzer auf einen Mittelmotor, Hinterradantrieb und ein manuelles Fünfgang-Dogleg-Getriebe von CIMA. Als Antrieb dient ein aufwendig überarbeiteter 5,2-Liter-V8-Kompressormotor auf Ford-Basis. Capricorn entwickelte unter anderem Kompressor, Schmierung, Kurbeltrieb, Ansaugung und Motorelektronik weiter. Die Leistung liegt bei mehr als 900 PS, das maximale Drehmoment bei 1.000 Nm.

Unter 1.200 Kilo, 360 km/h

Das Chassis besteht aus einer Carbon-Monocoque-Struktur nach LMP1-Vorbild. Auch die Karosserie ist vollständig aus Kohlefaser gefertigt. Das Trockengewicht soll unter 1.200 Kilogramm liegen. Damit soll der Wagen in weniger als drei Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 360 km/h erreichen. Zum technischen Konzept gehören außerdem Doppelquerlenkerachsen, Pushrod-Fahrwerk und eine Carbon-Keramik-Bremsanlage.

Das Design stammt von Zagato und trägt typische Merkmale des italienischen Karosseriebauers. Dazu gehören das sogenannte Double-Bubble-Dach mit zwei charakteristischen Wölbungen und nach oben öffnende Flügeltüren. Der Innenraum kombiniert analoge Instrumente mit Carbon, Aluminium, Titan, Leder und Alcantara. Ein großes Zentraldisplay ist nicht vorgesehen. Die Fertigung sollte in Deutschland erfolgen. Ob die geplante Kleinserie angesichts der Insolvenz umgesetzt werden kann, ist derzeit offen.