Im Wandel der Mobilfunktechnik ziehen die Anbieter beim alten 2G-Netz den Stecker. Die Telekom und Telefónica wollen ihr 2G-Netz bereits bis Ende 2028 abschalten. Vodafone folgt dann bis Ende 2030. Mit der Abschaltung der 2G-Netze in Deutschland verschwindet aber auch die Grundlage für eine Technologie, die in vielen Autos – oft unbemerkt – noch immer im Einsatz ist. Rund 16 Millionen Fahrzeuge in Deutschland nutzen nach ADAC-Recherchen noch 2G-basierte Notrufsysteme. Ist das Netz weg, entfällt auch die Notruffunktion. Zudem droht Ärger bei der Hauptuntersuchung: Ein nicht funktionierendes eCall-System wird als Mangel eingestuft.
Problem bleibt beim Autobesitzer
Besonders kritisch ist das für den 112 eCall, also den automatischen Notruf aus dem Fahrzeug. Dieser wurde 2018 EU-weit verpflichtend für neue Fahrzeugmodelle eingeführt und soll bei schweren Unfällen selbstständig Hilfe alarmieren. Genau diese Funktion wird in der Regel bei teilweise bis 2026 gebauten Autos künftig ausfallen. Autos, die nach dem 1. Januar 2026 neu auf den Markt gebracht wurden, nutzen bereits das neue NG eCall-System, das auf die Netze 4G und 5G setzt.
Die betagte 2G-Technologie steckt nach Recherchen des ADAC nicht ausschließlich in betagten Fahrzeugen. Während einige Hersteller bereits früh auf eine modernere Mobilfunktechnik umgestellt haben (Audi etwa ab 2011), wurde sie bei anderen Marken teils noch bis 2026 verbaut, zum Beispiel bei Hyundai. Das bedeutet: Selbst relativ junge Gebrauchtwagen können betroffen sein. Gleichzeitig ist die Situation je nach Modell, Baujahr und Ausstattung extrem unterschiedlich. Häufig hilft nur eine individuelle Prüfung der Fahrzeugidentifikationsnummer (FIN) beim Hersteller.
Der ADAC hat zum Thema bei den Herstellern nachgefragt und deren Antworten im nachfolgenden Dokument gesammelt. Überraschend ist dabei, wie viele Hersteller sich nicht geäußert haben.
Nachrüstung quasi nicht möglich
Wer glaubt, sein Auto ist von der Abschaltung betroffen, sollte sich beim Händler oder dem Hersteller informieren. Vereinzelt werden für bestimmte Modelle Software-Updates oder begrenzte Lösungen angeboten. In den meisten Fällen gehen Betroffene aber leer aus. Hardware-Nachrüstungen von 2G auf moderne Standards wie 4G oder 5G sind technisch aufwendig und wirtschaftlich kaum darstellbar. Das bedeutet: Wenn das Netz abgeschaltet wird, bleiben die entsprechenden Funktionen bei den allermeisten betroffenen Fahrzeugen schlicht deaktiviert.
Der ADAC fordert entsprechend, die Abschaltung von 2G- und 3G-Netzen in Europa auszusetzen, um tödliche Konsequenzen zu vermeiden. Sollte dies nicht möglich sein, dürfte ein funktionsloses eCall-System bei der Hauptuntersuchung (HU) kein Grund für einen Mangel sein.