Volkswagen hat seinen Elektro-Kompakten gründlich überarbeitet und ihm den Beinamen „Neo“ verpasst. Die spannendste Frage für Käufer bleibt dabei die Reichweite.
Auf dem Papier verspricht VW je nach Akkugröße zwischen gut 400 und über 620 Kilometer. In der Praxis sehen die Zahlen allerdings anders aus, und zwar in beide Richtungen.
Drei Akkugrößen stehen zur Wahl. Das Basismodell kombiniert 125 kW Leistung mit einem 50-kWh-Speicher und soll 417 Kilometer schaffen.
Darüber rangieren Varianten mit 58 und 79 Kilowattstunden, kombiniert mit 140 oder 170 kW. Der Antrieb sitzt wie gehabt an der Hinterachse.
📌 Wissenswertes über den VW ID.3 Neo
- rund 78.000 Käufer entschieden sich 2025 europaweit für einen ID.3
- der ID.3 feierte seine Weltpremiere im September 2019 auf der IAA in Frankfurt
- schon Anfang 2023 musste VW technisch nachbessern
- die optionale Anhängerkupplung ist ausschließlich für Fahrradträger freigegeben
- die Bremsanlage arbeitet hinten mit Trommelbremsen
- VW gewährt auf das Fahrzeug nur zwei Jahre Garantie, während mehrere Wettbewerber in der Klasse längere Zeiträume bieten
- die Wartungsintervalle liegen bei zwei Jahren, was die Kosten gegenüber Verbrennern senkt
Was leistet der neue MEB+-Antrieb?
Technisch ist der Neo mehr als eine Kosmetikkur. Er ist das erste Modell auf dem weiterentwickelten Baukasten MEB+, in dem eine neue Elektromaschine mit der Bezeichnung APP350 arbeitet.
Diese läuft spürbar effizienter als die bisherige Einheit. Genau daraus zieht der Wagen seinen Reichweitengewinn.
Die Fortschritte lassen sich messen. In einem Praxistest kam die Version mit 58-kWh-Akku auf 408 Kilometer, bei einem Verbrauch von 15,7 kWh pro 100 Kilometer.
Gegenüber dem Vorgänger entspricht das rund 50 Kilometern mehr. Der Sparverbrauch lag bei 12,0 kWh, bei sportlicher Fahrweise kletterte der Wert auf 20,2 kWh.
Wie weit kommt der ID.3 neo auf der Autobahn?
Richtig interessant wird es beim Topmodell mit 79 Kilowattstunden. Hier nennt der Hersteller eine WLTP-Reichweite von bis zu rund 627 Kilometern, bei einem Normverbrauch zwischen 14,4 und 15,8 kWh.
Diese Werte entstehen jedoch unter Laborbedingungen. Auf der Autobahn verschiebt sich das Bild deutlich.
Ein Praxistest von „Schmidtis Blog“ ermittelte bei konstant 130 km/h und sommerlichen Temperaturen einen Verbrauch von 21 kWh auf 100 Kilometern. Daraus ergeben sich rund 380 Kilometer am Stück.
Für einen Kompaktwagen ist das ein solider Wert. Kleinere Konzernmodelle schaffen bei gleichem Tempo nur 280 bis 300 Kilometer.
Warum bremst die Ladekurve den Stromer aus?
Die Schwachstelle liegt woanders. Der große Akku verträgt maximal 183 kW Gleichstrom, hält diesen Spitzenwert aber nur kurz.
Danach fällt die Leistung steil ab und pendelt sich bei etwa 100 kW ein. Bei 80 Prozent Ladestand liegen noch knapp 80 kW an.
In Zahlen bedeutet das: Der Hub von 12 auf 81 Prozent dauerte im Test rund 30 Minuten. Grund dafür ist die 400-Volt-Architektur der MEB-Plattform, an der auch das Update nichts ändert.
Wettbewerber mit 800-Volt-Technik schaffen vergleichbare Ladevorgänge in deutlich kürzerer Zeit. Wer häufig Langstrecke fährt, sollte diesen Faktor einkalkulieren.
Welcher Akku passt zu welchem Fahrprofil?
Noch gemächlicher geht es bei den kleineren Batterien zu. Die LFP-Akkus mit 50 und 58 Kilowattstunden laden mit maximal 105 kW, beim 58er dauert der Sprung von 10 auf 80 Prozent etwa 26 Minuten.
Interessant ist dabei: Weil die Ladekurve flacher verläuft, fällt der Nachteil im Alltag geringer aus als die reine Peak-Zahl vermuten lässt.
Für Pendler mit Lademöglichkeit zu Hause reicht der mittlere Akku meist aus. Wer dagegen regelmäßig längere Strecken fährt, profitiert vom größeren Speicher, zahlt dafür aber kräftig drauf.
Eine Wärmepumpe kostet zusätzlich rund 1090 Euro und beeinflusst die Winterreichweite spürbar.
Was hat VW im Innenraum verändert?
Neben dem Antrieb hat Wolfsburg vor allem die alten Kritikpunkte abgearbeitet. Die Plastiklandschaft im Cockpit ist verschwunden, stattdessen finden sich Stoffbezüge auf dem Armaturenbrett und weichere Materialien in den Türen.
Physische Tasten kehren zurück, darunter vier separate Fensterheberschalter und ein Drehregler für die Lautstärke.
Auch die Software legt zu. Wie „Motor1“ berichtet, verschwinden die ungeliebten Touchslider am Lenkrad und unterhalb des 12,9-Zoll-Displays.
Neu an Bord sind One-Pedal-Driving bis zum Stillstand, eine Ampelerkennung sowie eine Vehicle-to-Load-Funktion mit bis zu 3,6 kW.
Wie fährt sich der überarbeitete Kompaktstromer?
Beim Fahren zeigt sich der 4,27 Meter lange Wagen erstaunlich wendig. Der Wendekreis beträgt 10,4 Meter, das optionale Adaptivfahrwerk lässt sich in 15 Stufen justieren.
Rund 1,9 Tonnen Leergewicht merkt man dem Auto in schnellen Kurven trotzdem an. Die Spitze liegt bei 160 km/h.
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Der Kofferraum fasst 385 bis 1336 Liter und bewegt sich damit im Mittelfeld. Im Fond überrascht der ID.3 dagegen mit viel Beinfreiheit.
Im Test von „Auto Bild“ reichte der Platz selbst für knapp zwei Meter große Passagiere.
Was kostet der VW ID.3 neo?
Preislich startet der Neo bei rund 34.000 Euro in der Basisversion „Trend“. Die ist allerdings sparsam ausgestattet, es fehlen unter anderem Leichtmetallfelgen und das Navigationssystem mit Ladeplaner.
Die Linie „Life“ beginnt bei etwa 36.200 Euro, das Topmodell „Style“ bei rund 39.000 Euro. Mit dem großen 79-kWh-Akku ruft VW mindestens 44.995 Euro auf.
Der Aufschlag gegenüber dem Vorgänger fällt moderat aus. Wie „Autohaus“ berichtet, lag der bisherige Einstiegspreis bei etwa 33.330 Euro.
Hinzu kommt, dass Volkswagen die Listenpreise offenbar flexibel handhabt und bereits auf der eigenen Website Rabatte bewirbt. Die tatsächlichen Straßenpreise liegen damit oft deutlich niedriger.