Normalerweise parken beim philippinischen Zollamt im Hafen von Manila vor allem beschlagnahmte Importwaren und Fahrzeuge, die nicht ordnungsgemäß ins Land eingeführt wurden. Doch zwischen den sichergestellten Autos findet sich eine Sammlung, die eher in die Garage eines Multimillionärs als auf einen Zollhof gehört. Zu den prominentesten Exponaten zählen ein McLaren Senna aus dem Jahr 2021 und ein Ferrari LaFerrari. Daneben warten ein Ferrari SF90 Stradale, ein Bentley Continental GT sowie zwei Rolls-Royce, ein Cullinan und ein Phantom, auf einen neuen Besitzer. Die zumindest hat der Youtuber "amadeusiom" entdeckt.

Die Fahrzeuge wurden im Zuge von Ermittlungen gegen illegale Online-Glücksspielnetzwerke sichergestellt. Deren Betreiber sollen die teuren Autos ohne ordnungsgemäße Verzollung auf die Philippinen gebracht haben. Hintergrund sind die hohen Einfuhrabgaben des Inselstaats: Auf importierte Luxusfahrzeuge können Steuern und Zölle zusammen bis zu 100 Prozent des Fahrzeugwerts erreichen. Durch die Umgehung der Vorschriften ließen sich entsprechend hohe Summen sparen. Nachdem die Behörden gegen die Glücksspielanbieter vorgegangen waren, blieben die Luxusautos in ihrer Hand.

McLaren Senna mit Millionen-Mindestgebot

Jetzt sollen die Fahrzeuge im Rahmen einer öffentlichen Auktion Geld in die Staatskasse bringen. Die angesetzten Mindestgebote bewegen sich allerdings bereits in beträchtlichen Größenordnungen. Für den McLaren Senna sind rund 1,01 Millionen Dollar vorgesehen. Ein Rolls-Royce Phantom aus dem Jahr 2022 soll mindestens 380.000 Dollar einbringen.

Besonders schwierig gestaltet sich die Bewertung des Ferrari LaFerrari. Von dem Hybrid-Supersportwagen wurden lediglich 499 Exemplare gebaut. Entsprechend selten sind vergleichbare Fahrzeuge auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Einen realistischen Mindestpreis festzulegen, ist deshalb nicht einfach. Hinzu kommen die Besonderheiten des philippinischen Zollrechts, dessen Abgaben bei der Kalkulation ebenfalls berücksichtigt werden müssen. Für den Ferrari ist die Preisfindung offenbar noch nicht abgeschlossen.

Lange Standzeit unter tropischer Sonne

Auch der Zustand der Fahrzeuge dürfte für potenzielle Käufer eine wichtige Rolle spielen. Die Autos haben längere Zeit im Freien auf dem Hafengelände gestanden. Das feuchtwarme Klima Manilas ist für hochwertige Sportwagen und Luxuslimousinen alles andere als ideal. Hohe Luftfeuchtigkeit, starke Sonneneinstrahlung und wechselnde Witterung können Lack, Leder, Kunststoffe und elektronische Komponenten angreifen. Welche Folgen die Standzeit für die einzelnen Fahrzeuge tatsächlich hat, ist bislang nicht bekannt. Je nach Zustand könnten vor einer Wiederinbetriebnahme erhebliche Arbeiten erforderlich sein.

Die Auktion soll über verdeckte Gebote abgewickelt werden. Interessenten geben ihre Angebote ab, ohne die Gebote anderer Teilnehmer zu kennen. Angesichts der hohen Mindestpreise und der möglichen zusätzlichen Kosten für Reparaturen, Aufbereitung und Zulassung dürfte sich der Kreis ernsthafter Bieter ohnehin in Grenzen halten.

Früher wurden Luxusautos einfach zerstört

Dass beschlagnahmte Luxusautos auf den Philippinen nicht immer einer weiteren Nutzung zugeführt werden, zeigt die Vergangenheit. Die Regierung ließ wiederholt illegal eingeführte Sportwagen öffentlich mit Bulldozern zerstören. Mit den spektakulären Aktionen wollte sie ein deutliches Zeichen gegen Schmuggel und Steuerhinterziehung setzen.

Diesmal soll es anders laufen: Statt Millionenwerte unter den Ketten eines Bulldozers zu zerquetschen, wollen die Behörden die Fahrzeuge versteigern. Für die künftigen Besitzer könnte sich damit eine seltene Gelegenheit ergeben – sofern sie bereit sind, für einen beschlagnahmten Supersportwagen nicht nur tief in die Tasche zu greifen, sondern auch ein gewisses Risiko beim Fahrzeugzustand einzugehen.