Der anhaltende Iran-Krieg sorgt weiter für Unsicherheit, was das geplante F1-Saisonfinale im Nahen Osten angeht. Die beiden Abschlussrennen in Katar (29.11.) und Abu Dhabi (6.12.) stehen weiterhin offiziell im Kalender. Allerdings liegt der Lusail International Circuit in Katar nur knapp sieben Stunden entfernt von der beschossenen saudi-arabischen Hauptstadt Riad.

Die Königsklasse möchte jedoch unbedingt an den beiden Grands Prix in der Golfregion festhalten, da mit einer möglichen Absage auch große Einnahmequellen auf der Kippe stehen würden. Parallel hält man sich seit Monaten eine Ausweich-Option in Europa offen. Die Vorbereitungen für eine F1-Austragung in Imola haben bereits im August begonnen. Im Falle einer kriegsbedingten Absage soll das finale Saisonrennen am 6. Dezember in Italien stattfinden.

Nach Informationen von auto motor und sport müssen die Veranstalter in Imola bis zum 10. November darüber Bescheid wissen, ob die Rennstrecke als Ersatz einspringen soll. Danach bliebe aus logistischen Gründen nicht mehr genug Zeit, um das Rennwochenende vorzubereiten.

Von der unruhigen Lage im Nahen Osten sind allerdings auch andere Rennserien betroffen. Die Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) hatte ihre finalen Läufe in Katar und Bahrain nach Barcelona (18.10.) und Monza (8.11.) verlegt. Auch die MotoGP musste bereits verschieben. Ursprünglich war das Rennen in Katar für Ende Februar eingeplant gewesen. Wegen des eskalierten Nahost-Konflikts hatten die Verantwortlichen das Event auf dieses Wochenende (6. bis 8.11.) vertagt. Es werden jedoch nicht alle Fahrer und Teams daran teilnehmen.

Gegenwind in der MotoGP

Genau wie in der Formel 1 war der Iran-Krieg auch in der MotoGP lange Gesprächsthema Nummer 1. Die Mehrheit der Zweirad-Piloten forderte am Rande des vergangenen Australien-GP (23. bis 25.10.) finanzielle und sicherheitsrelevante Absicherungen für ihre Teilnahme in Katar. Daraufhin war der stellvertretende MotoGP-CEO Carlos Ezpeleta in die Golfregion gereist und hatte sich von der katarischen Regierung einen Evakuierungsplan für den Fall eines Angriffes geben lassen.

Zweirad-Star Jack Miller kritisierte als einziger Fahrer öffentlich die Entscheidung der Promoter, das Wüstenrennen trotz erheblicher Sicherheitsbedenken auszutragen. "Ich will nicht nach Katar, genau wie alle anderen auch", stellte er klar. "Es gibt 19 von uns, nicht dorthin reisen wollen. Ich finde nicht, dass wir unter solchen Bedingungen Rennen fahren sollten. Wir haben unsere Meinung dazu sehr deutlich gemacht."

Am Sonntagabend hatte Yamaha schließlich seine Ankündigung wahr gemacht und eine Erklärung veröffentlicht, in der die Japaner ihre Teilnahme am Katar-Wochenende absagten. "Nach einer erneuten Bewertung der Lage im Nahen Osten hat Yamaha keine ausreichenden Gründe gefunden, um die bestehenden unternehmensweiten Reisebeschränkungen zu ändern", verkündete der Hersteller. Daher soll weder der Werksrennstall noch das Pramac-Team in Katar antreten.

Die MotoGP gab kurz darauf ihrerseits eine Stellungnahme bekannt, in der sie Yamahas Entscheidung bedauerte. "Nach Rücksprache mit dem Staat Katar, dem Lusail International Circuit, unabhängigen Sicherheitsberatern und im Rahmen des eigenen, laufenden Risikobewertungsprozesses hat die MotoGP keine Informationen erhalten, die eine Änderung der aktuellen Pläne für die Veranstaltung rechtfertigen würden", betonte die Rennserie. Yamaha muss nun neben vertraglichen Auswirkungen auch mit sportlichen Konsequenzen rechnen.

Sainz rudert nach zweifelnden Aussagen zurück

Im F1-Fahrerlager trifft das krampfhafte Festhalten an der Austragung des Saisonfinales bislang ebenfalls nicht auf Gegenliebe. Ähnlich wie ihre MotoGP-Kollegen halten sich die Fahrer in den Interviews mit öffentlicher Kritik zurück. "Ich gehe überallhin, wo ich hin muss", hatte es Mercedes-Pilot George Russell wage formuliert.

"Die Verantwortlichen scheinen sehr überzeugt davon zu sein, die Rennen wie geplant stattfinden zu lassen. Mir fällt es momentan schwer, ebenso überzeugt zu sein. Im Nahen Osten passieren nach wie vor viele Dinge", sagte Carlos Sainz am Donnerstag (22.10.) vor dem USA-GP in Austin.

Da seine Aussagen in den sozialen Medien in kürzester Zeit für Aufruhr sorgten, schob Williams rasch eine Erklärung nach, in der der Spanier zurückruderte: "Mir ist bewusst, dass die FIA und die Formel 1 die Sicherheit an erste Stelle setzen werden und ich vertraue vollkommen darauf, dass sie die richtige Entscheidung treffen werden. Wir freuen uns darauf, in Katar und Abu Dhabi zu fahren."

Im Jahr 2022 war ein Formel-1-Wochenende schon einmal durch Kriegshandlungen bedroht. Während des freien Trainings in Saudi-Arabien kam zu einem Raketeneinschlag nicht weit von der Rennstrecke in Dschidda. Damals hatten jemenitische Huthi-Rebellen eine Anlage des Ölkonzerns Aramco, einem wichtigen Sponsor der Formel 1, mit Drohnen angegriffen. Im Gegensatz zur MotoGP hat – Stand jetzt – aber noch kein Team seine Teilnahme an den bevorstehenden Rennen in Katar und Abu Dhabi in Frage gestellt.