Mercedes-Benz startet voraussichtlich im Dezember eine zweite Runde seines Abfindungsprogramms für Beschäftigte in Deutschland. Das Angebot richtet sich wie schon die erste Welle an Mitarbeitende in den sogenannten indirekten Bereichen, also außerhalb der Produktion. Es ist Teil eines umfassenden Sparkurses, mit dem der Konzern seine Kosten dauerhaft senken will.
Die erste Runde lief von April 2025 bis Ende März 2026 und richtete sich an rund 40.000 Beschäftigte aus Verwaltung, Entwicklung, IT und anderen Bereichen ohne direkte Fertigungsaufgaben. Nach Medienberichten, die sich auf das Handelsblatt stützen, nahmen etwa 5.500 Personen das Angebot an. Der Konzern selbst äußerte sich zu dieser Zahl nicht.
Die Höhe der Abfindung richtet sich nach Position, Betriebszugehörigkeit und Gehalt. Berichten zufolge können Führungskräfte bis zu 500.000 Euro erhalten. Für eine 45-jährige Sachbearbeiterin mit 20 Jahren Betriebszugehörigkeit und einem Bruttomonatsgehalt von 7.500 Euro wurde eine Summe von mehr als 300.000 Euro genannt.
Mercedes betont, dass für das Programm die „doppelte Freiwilligkeit“ gilt: Weder müssen Beschäftigte gehen, noch ist das Unternehmen verpflichtet, jedem Wunsch nach einem Ausscheiden zu entsprechen. Betriebsbedingte Kündigungen sind ausgeschlossen, die Beschäftigungssicherung wurde bis Ende 2034 verlängert.
Das Programm gehört zu dem Sparprojekt „Next Level Performance“. Vorstandschef Ola Källenius will damit bis 2027 dauerhaft rund fünf Milliarden Euro einsparen. Als Gründe nennt das Unternehmen ein schwächeres Chinageschäft, US-Zölle und eine stockende Elektrifizierung. Die Produktionskosten sollen bis 2027 um zehn Prozent sinken.
Zu den Maßnahmen zählen auch Standortentscheidungen. Die Fertigung der A-Klasse wird von Rastatt ins ungarische Kecskemét verlagert, wo im Juli 2026 ein ausgebautes Werk eröffnet wurde. In Deutschland wurden 2025 bereits Standorte in Koblenz, Mainz, Dortmund, Neu-Ulm und Lübeck geschlossen. Produktionsvorstand Michael Schiebe stellte im September die Schließung von zwei deutschen Werken in Aussicht, falls die Kosten hierzulande nicht sinken. Zugleich nannte er es als Ziel, alle Standorte zu erhalten.
Bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal senkte Mercedes die Prognose: Der Umsatz 2026 soll leicht unter dem Vorjahr liegen, das Ergebnis vor Zinsen und Steuern nur noch auf Vorjahresniveau, nicht mehr deutlich darüber. Die Ausgaben für Forschung, Entwicklung und Sachanlagen fielen von Januar bis September um 11 Prozent niedriger aus als im Vorjahreszeitraum.
Källenius forderte, die Arbeitskosten in Deutschland müssten mindestens auf US-Niveau sinken, das er rund 20 Prozent niedriger beziffert. Erreichen will er das vor allem über längere Arbeitszeiten. Dazu verhandelt das Management mit Betriebsrat und IG Metall. Er erwartet, dass das neue Abfindungsprogramm gut angenommen wird.
Die Sparpolitik stößt auf Widerstand. Die Ergebnisbeteiligung wurde zuletzt gekürzt und soll nach der Auszahlung 2026 für das Geschäftsjahr 2025 vorerst nicht mehr vereinbart sein. Rund 90.000 der etwa 108.000 Beschäftigten erhielten im Juli nicht die erwartete tarifliche Sonderzahlung. Im Juli und im September gab es Proteste, im September beteiligten sich viele Mercedes-Beschäftigte an einem bundesweiten Aktionstag der IG Metall. Hinzu kommt die Vorgabe, dass Beschäftigte künftig standardmäßig vier Tage pro Woche im Büro arbeiten sollen.
Für Mercedes ist das Programm ein Instrument, den Personalabbau ohne Kündigungen zu steuern. Offen ist, wie viele Stellen insgesamt wegfallen sollen. Nach Berichten strebt der Konzern einen Abbau im hohen vierstelligen Bereich an, verbindliche Zahlen nannte das Unternehmen nicht. Für Beschäftigte hängt die Entscheidung neben der Abfindungshöhe von steuerlichen Folgen, Arbeitslosengeldregeln und der individuellen Rentenplanung ab, wozu sich eine Beratung anbietet.
Symbolbilder: Mercedes-Benz Group AG