Es sind erschreckende Zahlen, die Nordrhein-Westfalen (NRW) am Dienstag (3. November) öffentlich macht: Insgesamt 121.949 Personen waren 2025 an einem Verkehrsunfall mit Personenschaden beteiligt. Hauptverursacher in fast 16 Prozent der Fälle: Menschen über 65.

Besonders häufig sind Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren oder Ein- und Anfahren. Auch das Nehmen der Vorfahrt ist ein Problem.

Braucht es in dieser Folge also die Führerscheinprüfung für über 70-Jährige in NRW, um unsere Straßen sicherer zu gestalten?

Um diese Frage zu erklären, betrachten unsere Redakteure das Problem aus zwei Blickwinkeln.

📌 Unfallstatistik-NRW im Überblick

  • In NRW waren 2025 insgesamt 121.949 Menschen an Unfällen mit Personenschaden beteiligt.
  • 17.299 davon waren 65 Jahre oder älter, das sind 14,2 Prozent.
  • In 15,8 Prozent der Unfälle mit Personenschaden (65.232) war ein älterer Mensch der Hauptverursacher (10.337).
  • Bundesweit verunglückten 2025 insgesamt 57.189 Menschen ab 65 Jahren.
  • Mit 20,6 Prozent entfiel etwas mehr als ein Fünftel davon auf NRW.

Pro: Die Führerscheinprüfung für über 70-Jährige macht den Straßenverkehr sicherer

Wirklich überraschend ist die Statistik nicht: Reaktionszeit, Sehkraft und Konzentration lassen im Alter nach. Wer den Führerschein schon ewig besitzt, kennt zudem die aktuellen Verkehrsregeln oft nicht mehr. Auch im engeren Bekanntenkreis habe ich das schon miterlebt. Erst vor Kurzem beging eine Freundin meiner Oma Fahrerflucht. Sie hatte beim Ausparken ein Auto angefahren und es nicht einmal gemerkt. Was wenn ein Kind hinter ihr gestanden hätte?

Die erneute Führerscheinprüfung für über 70 könnte das ändern. Mit ein paar einfachen Tests ließe sich der Straßenverkehr sicherer machen, auch für ältere Menschen selbst.

Denn sie gefährden hinter dem Steuer nicht nur andere, sondern auch sich.

Klar, auf dem Land wird es schwierig. Fehlende Infrastruktur und ein Bus, der nur einmal am Tag kommt, machen Menschen vom Auto abhängig.

Doch eine Prüfung nimmt niemandem pauschal den Führerschein weg, sondern nur denen, die ihn nicht mehr sicher nutzen können. Für sie muss Mobilität anders organisiert werden.

Taxigutscheine, Rufdienste, Nachbarschaftshilfe und ein Ausbau des ÖPNV sind mögliche Lösungen. Denn: Wer Auto fährt, trägt Verantwortung und sollte auch beweisen, dass er ihr gewachsen ist.

Contra: Die Führerscheinprüfung für über 70-Jährige greift viel zu kurz

Ebenso wie Autofahrer Verantwortung im Straßenverkehr tragen, trägt die gesamte Gesellschaft Verantwortung für ihre „schwächsten“ Mitglieder. Und wer wirklich nicht mehr in der Lage ist, ein Auto zu führen, der ist offensichtlich auf solche Hilfen angewiesen. Anstatt also mit der Verbotskeule zu schwingen, sollten vorher echte Lösungen präsentiert werden, um gerade ältere Menschen vom Auto-Zwang zu befreien.

Denn das Problem liegt nicht darin, dass nicht mehr fahrtüchtige Menschen, in ihr Auto steigen. Sondern, dass keine anderen Optionen bleiben. Im Gegenteil: Es benötigt enorme Überwindung, um sich der Unsicherheit und Gefahr des Straßenverkehrs in einem solchen Zustand auszusetzen.

Denn sie gefährden nicht nur andere Personen, sondern auch sich selbst. Das eine ist nicht besser als das andere.

Der Konflikt lautet also nicht: Wir gegen die bösen Rentner, die unsere Sicherheit im Straßenverkehr bedrohen. Sondern doch bitte: Wir alle zusammen gegen die Einschränkungen, die das Alter für viele Menschen mit sich bringt.

Ausfälle im ÖPNV, teure Taxikosten oder die vollständige Abhängigkeit von den Nachbarn stellen gerade für alleinstehende Menschen im Alter wohl kaum eine Alternative dar.

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Erst wenn dringende Erledigungen, wie Wocheneinkauf oder Arztbesuch, aber auch soziale Interaktionen wie Kaffeeklatsch oder Friseurbesuch ohne Ausnahme durch andere Verkehrsmittel gewährleistet sind, ist ein Führerscheinverbot sinnvoll.

Denn was passiert sonst?

Die Menschen steigen weiter in ihr Auto. Gefährden den Straßenverkehr weiter.

Weil ihr Alltag ihnen gar keine andere Wahl lässt. Und weil man ihnen zwar den Führerschein, aber gewiss nicht einfach so ihr Auto wegnehmen kann.